Werner Sikora
ist freiberuflich tätig als beratender Betriebswirt in den Fachgebieten Rechungswesen und Controlling.

Die im ersten Teil aufgestellte These, dass das Controlling die Wachstumsprozesse wirkungsvoll unterstützen kann, soll hier an Fallbeispielen verdeutlicht werden.
Der Verfasser bedient sich hier der Methode der Negativbeispiele – dies aber nur unter dem Gesichtspunkt, dass diese sich vielleicht besser einprägen, stärker sensibilisieren (!) Ein vorwurfsvoller Blick auf Fehler ist damit aber nie gemeint (denn das Engagement der handelnden Unternehmer ist immer sehr hoch zu würdigen).
Dort wachsen, wo die Rentabilität stimmt - das war eine Grundbedingung für die Wachstumsprozesse in kleineren Unternehmen. Wie kann man zu klaren Effizienzaussagen gelangen.
Ableitungen aus dem externen Rechnungswesen
In kleineren Unternehmen ist oftmals das vorhandene Rechnungswesen wenig aussagefähig. Hier müssten also die Steuerungsmöglichkeiten anhand des externen Rechnungswesens – der GuV – aufgebaut werden.
A) Man ist geneigt, das Wachstum anhand des Umsatzes festzustellen. Dies gilt aber nicht für Auftragsfertiger. Hier können allein durch Einbindung von Fremdleistern oder sehr hochwertigem Materialeinsatz größere Umsatzzuwächse dargestellt werden, obwohl die eigene Leistung des Unternehmens sich nicht maßgelblich verändert hat (und dies soll ja das Kriterium für das Wachstum sein).
B) Schon eher geeignet wäre also der Rohertrag – stellt er doch die Wertschöpfung des Unternehmens dar.
C) Auch die Zunahme der Beschäftigung (z.B. produktive Stunden) oder ein höherer Personalaufwand im produktiven Bereich stellen Wachstumsindikatoren dar. Im Allgemeinen kann man auch aus der Zunahme des Umsatzes und des Betriebsaufwandes (bes. der variablen Kosten) das Wachstum erkennen.
Diesen Betrachtungen ist aber gemein, dass es isolierte Größen sind. Sie stellen nicht das Ergebnis des Prozesses dar.
Bei Verwendung des externen Rechnungswesens sollte die GuV unbedingt aufbereitet werden in Richtung einer Struktur-GuV. In dieser wird das Betriebsergebnis II als zentrale Kennziffer geführt und vom Neutralen Ergebnis (außerordentlich, periodenfremd, betriebsfremd) abgegrenzt. Hierbei ist die steuerliche Sichtweise zu verlassen, die Abgrenzungen sind eher kostenrechnerisch zu sehen.
Ein Beispiel soll dies zeigen:
Wie ist das Ergebnis dieses Wachstumsprozesses?

Hier müsste man einschätzen, dass die Voraussetzungen für ein profitables Wachstum bereits im Jahr 1 nicht gegeben waren.
Die Aufbereitung des externen Rechnungswesens stößt allerdings sehr schnell an Grenzen hinsichtlich der Aussagefähigkeit als Unterstützung zur Unternehmensführung.
Besser eignen sich Kenngrößen – externe und interne Kennzahlen.
Bei externen Kennzahlen stößt man bei kleineren KMU wiederum schnell an die Grenzen. Die Messung von Marktanteilen ist z.B. nicht möglich bzw. hat keine Aussagekraft. Der Vergleich zum Wettbewerber ist aufgrund deren Vielzahl wenig relevant.
Deswegen bieten sich interne Kennzahlen an
Bei absoluten Größen muss die Effizienzaussage erst abgeleitet werden. Bezugsgrößen zeigen den Erfolg dagegen sofort an.
Absolute Größen sind dabei Umsatz und Rohertrag. Ihr Mangel besteht darin, dass sie nicht die endgültigen Kriterien darstellen, wie oben dargestellt.
Besser geeignet ist der Deckungsbeitrag
Der Deckungsbeitrag I bezieht die variablen Kosten ein, die bei Wachstum stark ansteigen. Der Deckungsbeitrag verdeutlicht den Deckungsgrad der Fixkosten (die wiederum gut planbar und kontrollierbar sind). Der Fokus liegt also nicht auf der Kontrolle der Fixkosten, sondern auf der Entstehung der Deckungsbeiträge.
Besonders für kleinere Unternehmen gilt bezüglich der Bildung von Bezugsgrößen:
Bei den Bezugskennzahlen sind der „Rohertrag/produktive Stunde“ (RE/pStd) und der „Deckungsbeitrag/produktive Stunde“ (DBI/pStd) in vielen Fälle sehr geeignet. Diese Kennzahlen sind schnell zu ermitteln und liefern eine klare Effizienzaussage. Sie zeigen den erwirtschafteten Ertrag im Verhältnis zur verbrauchten Kapazität (produktive Stunden).

Hier sind die Ertragserfordernisse nicht erfüllt worden.
Langfristige Perspektive
Den Einschätzungen zum Deckungsbeitrag I liegt eine kurzfristige Sichtweise zugrunde. Dieser Deckungsbeitrag liefert noch keine endgültige Aussage über die Deckung der Fixkosten.
Mit Hilfe der Stufenweisen Fixkostendeckungsrechnung zeigt man auf, inwieweit ein Kalkulationsobjekt auch die „eigenen Fixkosten“ erwirtschaftet (dabei gilt das Prinzip der eindeutigen Zurechenbarkeit, keine Schlüsselung der Fixkosten). Man erhält so die Deckungsbeiträge II bis ... (je nach dem, wie tief man die Schichtung vornehmen kann und sollte).
Dies ist besonders wichtig bei Wachstumsprozessen, da ein Kapazitätsaufbau zu steigenden Fixkosten, mitunter sprungfixen Kosten führen kann.
Auch diese Überlegung soll an einem Beispiel verdeutlicht werden.

Rechnerisch wäre die Fixkostendeckung für das neue Geschäftsfeld gegeben. In den Folgejahren müssen allerdings Steigerungen des Deckungsbeitrages erwirtschaftet werden, um Kostenerhöhungen aufzufangen und einen wirkungsvollen Beitrag zum Unternehmensgewinn zu leisten.
Wie entwickelt sich das neue Geschäftsfeld?
Eine Erfolgsaussage liefert der Deckungsbeitrag II.

Bei der Entscheidung über das Geschäftsfeld (sind langfristige Entscheidungen) ist immer zu beachten:
Da sich diese Größen oftmals nicht exakt messen lassen, sind solche Entscheidungen meistens schwierig – und strittig. Das Controlling kann hier zur begründeten Entscheidungsfindung beitragen.
Internes Rechnungswesen – Beispiel Auftragsnachkalkulation
Die bisherigen Auswertebeispiele hatten immer ihren Zeitbezug in der Abrechnungsperiode, angelehnt an das externe Rechnungswesen.
Wirkungsvolle Aussagen über den Wachstumserfolg liefert auch die Auftragsnachkalkulation. Sie hat einen anderen Zeitbezug - die Auftragsdauer.
Der Vorteil dieser Effizienzaussagen ist ihre jederzeitige Ermittelbarkeit (somit ihre Aktualität) und ihre „Nähe“ zum Tagesgeschäft. Deswegen finden Führungskräfte auch schnell einen direkten Bezug zu derartigen Kennzahlen.
Es ist möglich, mit wenigen Kenngrößen verlässliche Aussagen zur Effizienz der Leistungserbringung zu erhalten. Besonders gut eignet sich dafür der „Rohertrag/produktive Stunde“.
Das Praxisbeispiel zeigt, welche Aussagen sich damit ableiten lassen.

Schnell ist ersichtlich, dass hier das Wachstum innerhalb der „falschen“ Produktgruppen stattfindet. Die Produktgruppen mit den höchsten relativen Erträgen (PG 9-10-11) haben die geringste Beschäftigung – und können demzufolge auch nur geringe absolute Erträge erwirtschaften. Andere Produktgruppen (PG 3-5) binden Kapazitäten, die mit einer geringen Effizienz genutzt werden.
Ein anderes Beispiel zeigt einen ähnlichen Sachverhalt auf.

In den absoluten Größen betrachtet, erbringen die Produktgruppen 1-4-5-6 den größten Rohertrag und tragen somit am meisten zur Kostendeckung bei.
Die Produktgruppe 4 liegt im Wachstum sogar unterjährig über dem Planwert.
Diese absoluten Größen (Rohertrag, auch Deckungsbeitrag) sind aber um eine Rentabilitätsbetrachtung zu ergänzen.
Die Kapazitäten sollten auch hier auf die ertragsstärksten Produktgruppen umgeschichtet werden, um den Wachstumserfolg zu erhöhen.
Diese einfachen Beispiele sollen aufzeigen, dass Auswertungen aus dem externen und internen Rechnungswesen (die auch von einem externen Controlling erstellt werden können) dazu beitragen können, die Führungstätigkeit des Unternehmens/Geschäftsführers wirkungsvoll zu unterstützen.
ist als Wirtschaftsprüferin und Steuerberaterin Partner bei der Pape & Co. Gruppe.