Carl-Dietrich Sander
ist freiberuflicher UnternehmerBerater in Neuss.

Waren es in den letzten Monaten die Umsatzrückgänge, die zu einem erhöhten Liquiditätsbedarf führten, sind es jetzt und werden es vermehrt die Umsatzzuwächse sein, die zu finanzieren sind. Damit bestätigt sich immer wieder die alte Unternehmerweisheit „Ohne Liquidität ist alles nichts“. Entscheidend ist dabei die „Vorsorge“: also bereits zu denken und zu handeln (!), wenn Liquidität noch reichlich vorhanden ist. Dabei ist die Kommunikation mit den Kreditgebern ein zentraler Erfolgsfaktor.
Kreditklemme: Damit sie nicht greift
Die Kreditklemme ist ein unternehmensindividuelles Thema. Und zwar auf beiden Seiten – bei Banken und Mittelständlern.
Es gibt einzelne Banken und Sparkassen, die generell in ihrer Kreditpolitik vorsichtiger geworden sind oder werden. Dies spüren dann alle Firmenkunden querbeet. Dies ist einerseits eine Frage der „Risikotragfähigkeit“ dieser Kreditinstitute, andererseits eine Frage der Geschäftspolitik.
Unternehmensindividuell spüren vor allem Unternehmen Zurückhaltung Ihrer Kreditgeber, die z.B. folgende Merkmale erfüllen – je mehr davon zutreffen, umso problematischer:
- Rückläufiger Ertrag
- Rückläufiger Cashflow – auf Basis dessen sich ggf. die „Kapitaldienstfähigkeit“
nur noch knapp oder gar nicht mehr rechnen lässt.
- Rückläufige Eigenkapitalquote
- Zunahme typischer „Risikopositionen“ in der Bilanz wie z.B. Warenlager, Kundenforderungen (gemessen in % der Bilanzsumme)
- Steigende Privatentnahmen – besonders, wenn diese höher sind als die Gewinne
Das heißt für Mittelständler: möglichst dafür zu sorgen, dass solche „Negativ-Merkmale“ nicht auftreten. Wenn sich diese nicht vermeiden lassen (Ertragsrückgang z.B.), sollte dies rechtzeitig und klar gegenüber den Banken kommuniziert werden. Dabei ist die Aussage zu den ergriffenen Maßnahmen, um gegenzusteuern, besonders wichtig.
Bankenkommunikation – Die aktive Rolle übernehmen
Welche Themen in den Feldern Liquidität und Finanzierung auch immer anstehen: entscheidend für erfolgversprechende Bankgespräche ist:
- vorab klären, welche Unterlagen benötigt die Bank?
- diese Unterlagen komplett vor dem Gespräch einreichen!
- Klarheit darüber, was ich erreichen möchte!
- Senior, Junior, Partner/in, Steuerberater, Unternehmensberater mitnehmen
- Vorher absprechen, wer welche Rolle im Gespräch übernimmt
- Wichtig: der Unternehmer kann die Zahlen-Themen nicht alle delegieren – daran misst die Bank im Rating seine kaufmännische Qualifikation
Zur Vorbereitung gehört auch, sich über die Denk- und Handlungsweise des Verhandlungspartners Klarheit zu verschaffen – dies erhöht die eigenen Erfolgschancen. Die Banken sind heute sehr stark „risiko-getrieben“. Das bedeutet für Unternehmer, dass sie die Risikoeinschätzung der Bank/en kennen sollten. Diese verbirgt sich hinter dem Begriff „Rating“:
Entscheidend ist, mit den Kreditinstituten ausführlich über das Rating zu sprechen: die Fragen, die Note, die Bedeutung der Note für die Kreditbereitschaft, die Stärken und Schwächen des eigenen Unternehmens aus Sicht der Sparkasse (Informationen dazu unter www.neusser-rating-appell.de).
Unternehmer sollten im Bankgespräch zwei Chancen sehen:
Wer so vorgeht, erhöht seine Chancen, dass „Kreditklemme“ für ihn ein Fremdwort bleiben wird.
ist als Wirtschaftsprüferin und Steuerberaterin Partner bei der Pape & Co. Gruppe.