Patrick G. Weber
ist Geschäftsführer der Vantargis Leasing GmbH.

mittelstandsdialog: Herr Weber, die Stimmung in der Metallindustrie ist gut, die Auftragsbücher sind wieder gut gefüllt. Welche Herausforderungen hat das Management dann noch?
Weber: Auch wenn der Aufschwung nun in Fahrt kommt, haben die Unternehmer eine ganze Menge strategische Aufgaben vor sich. Dazu gehört die Sicherung der Liquidität für weiteres Wachstum, aber auch die Personalbeschaffung oder der Materialeinkauf bei immer stärker schwankenden Rohstoffpreisen.
mittelstandsdialog: Die Medien berichten, dass Unternehmen wieder leichter an Kredite kommen sollen. Haben die Metaller damit ausreichend Liquidität für weiteres Wachstum?
Weber: Den meisten Unternehmen fehlt dennoch an Liquidität, vor allem bei anstehenden Investitionen. Die Krise hat gute Teile des Eigenkapitals ‚aufgefressen‘, so dass jetzt für das Wachstum das Kapital fehlt. Hinzu kommt, dass heutzutage die Banken höhere Sicherheiten bei der Kreditvergabe verlangen und viele Unternehmen aufgrund der schlechteren Eigenkapitalbasis ein schlechteres Rating erzielen. Das wiederum führt zu höheren Zinsen – falls die Banken die Kontokorrentlinie bei neuen Investitionen überhaupt erweitern.
mittelstandsdialog: Welche Möglichkeiten gibt es denn, zusätzliche Liquidität zu erhalten?
Weber: Heute ist es wichtiger denn je, die Finanzierung auf mehreren Säulen aufzubauen und den klassischen Kredit um zusätzliche Lösungen, wie zum Beispiel Factoring oder Leasing zu ergänzen.
mittelstandsdialog: Viele Unternehmen setzen Leasing bei Neuinvestitionen ein, was sind denn da die Vorteile?
Weber: Leasing bietet bei Investitionen einen großen Nutzen, denn es schont die Liquidität. Sie zahlen keine große Summe, zum Beispiel beim Kauf einer Maschine, sondern viele kleine monatliche Raten. Da die Maschine in der Zeit arbeitet, finanziert sie sich im Idealfall selbst und sie haben zudem eine feste Kalkulations- und Planungssicherheit.
mittelstandsdialog: Gibt es noch andere Möglichkeiten als das klassische Leasing?
Weber: Da gibt es viele Möglichkeiten, meist direkt im Unternehmen. Oft stehen in der Produktion eine Reihe von gebrauchten Maschinen und Anlagen, darüber hinaus verfügen sie über Marken, Patente oder Forderungen. Das sind wichtige Werte – mit denen Banken im Normalfall als Sicherheit nichts anfangen können. Als bankunabhängiges Finanzunternehmen bieten sich für uns hier andere Möglichkeiten. Wir können diese Werte einschätzen und so stille Reserven heben. Gebrauchte Maschinen verwandeln wir zum Beispiel über die Leasinglösung Sale-and-lease-back in frische Liquidität. Der Unternehmer verkauft die Maschine an uns und erhält den Kaufpreis direkt ausgezahlt. Direkt im Anschluss least er diese zurück.
mittelstandsdialog: Sie sprachen eben an, dass auch Forderungen einen Wert darstellen können. Wie lässt sich daraus Liquidität gewinnen?
Weber: Wir sprechen hier über Factoring – also den kontinuierlichen Verkauf von Forderungen. Hat beispielsweise ein Unternehmen kontinuierlich offene Rechnungen mit einem Zahlungsziel von 90 Tagen, so fehlt ihm im Jahr ein Viertel seines Umsatzes. Schlimmer noch: Das Unternehmen muss diesen Umsatz vorfinanzieren, da Materialien, Energiekosten und Gehälter kontinuierlich zu zahlen sind. Verkauft das Unternehmen, beispielsweise ein Stahl-Hersteller, diese Forderungen an einen Factor, so hat es bereits nach zwei bis drei Tagen rund 80 Prozent der Rechnungssumme auf dem Konto. So kann es dann beim Materialeinkauf Skonti erzielen und gleichzeitig seinen Kunden längere Zahlungsziele anbieten.
ist als Wirtschaftsprüferin und Steuerberaterin Partner bei der Pape & Co. Gruppe.