Matthias Bommer
ist Experte für den Bereich Factoring.

Nach zweistelligen Steigerungsraten in den vergangenen Jahren vermochte sich auch der bis dahin erfolgsverwöhnte Factoringmarkt in 2009 den Auswirkungen der Finanzmarktkrise nicht entziehen. Konnte das Factoring-Volumen von 45 Milliarden Euro in 2004 auf rund 100 Milliarden Euro in 2008 mehr als verdoppelt werden, so musste der Factoring-Markt erstmals in seiner Geschichte aufgrund von Umsatzeinbrüchen der Kunden einen deutlichen Umsatzrückgang auf 96 Milliarden Euro in 2009 hinnehmen. Die Factoring-Quote, das Verhältnis zwischen dem angekauften Forderungsvolumen und dem Bruttoinlandsprodukt, liegt bei rund 4 Prozent. Durch das Zusammenbrechen der weltweiten Absatzmärkte war insbesondere im Exportgeschäft ein merklicher Rückgang zu verzeichnen. Zurückhaltungen sowie Restriktionen auf den Kreditmärkten stärkten einerseits den Mittelstand vermehrt Factoring zur Liquiditätssicherung einzusetzen, jedoch reichte das Neugeschäft nicht aus, um krisenbedingte Umsatzverluste bei Bestandskunden auszugleichen.

Grafik: Factoringvolumen in Deutschland
Quelle: Angaben vom Deutschen Factoring Verband
Die Anzahl derjenigen Unternehmen, die Factoring nutzen, steigt ungebrochen im zweistelligen Bereich. Ein zusätzlicher Nachfrageverstärker kann im aktuellen Marktumfeld und den sich daraus resultierenden verschlechterten Finanzierungsbedingungen gesehen werden. Factoring etabliert sich damit immer schneller im Mittelstand und erfreut sich als bankenunabhängige Finanzierungsform immer größerer Beliebtheit.
In 2009 ist die Anzahl der Unternehmensinsolvenzen in Deutschland im Vergleich zu 2008 um mehr als 10 Prozent auf rund 33.000 angestiegen. Mit 41 Tagen erhöhte sich auch die durchschnittliche Forderungslaufzeit merklich. Hier zeigt sich der Trend, dass in der Krise die Liquidität der Unternehmen angespannt ist und deshalb die Zahlung der Rechnungen nach hinten geschoben wird. Die offenen Forderungen betrugen rund 85 Milliarden Euro, was auf die Insolvenzen einiger wirtschaftlich bedeutender Firmen zurückzuführen ist. Im Vergleich zu 2008 betrug die Forderungssumme 33 Milliarden Euro!
Zwischenzeitlich nutzen über 10.000 mittelständische Unternehmen Factoring in Deutschland. Die Zahl der Debitoren, das heißt die Endkunden der Factoring-Anschlusskunden, hat mittlerweile rund 3,5 Millionen erreicht. Durch kontinuierliche Absenkung der Mindestvolumina, die über Factoring finanziert werden, können auch Kleinstunternehmen abgebildet werden. So gibt es Factoring-Gesellschaften, die sich auf den Bereich Small-Ticket-Factoring mit Jahresumsätzen ab 50.000 Euro spezialisiert haben. Als Schwerpunktbranchen, die für Factoring geeignet sind, können Dienstleistung, Dental, Zeitarbeit, Spedition, Transport und Logistik, Handel, Verarbeitendes Gewerbe, Chemie, Elektronik, Ernährungswirtschaft, Druckerei und Verlag, Papierindustrie, Möbel und Textil genannt werden.
Die Wiederbelebung der Wirtschaft im zweiten Quartal wird den Trend Factoring weiter verstärken und dynamisieren. Gerade in der anstehenden Wachstumsphase sind Unternehmen auf eine schnelle und umsatzkongruente Finanzierung wie Factoring angewiesen, um ihre Liquidität zu sichern. Der Deutsche Factoring Verband meldet bereits ein Wachstum des Umsatzes für das erste Halbjahr 2010 um knapp 38 Prozent auf rund 59 Milliarden Euro.
ist als Wirtschaftsprüferin und Steuerberaterin Partner bei der Pape & Co. Gruppe.