Mittelstandsdialog

Immer mehr Unternehmer setzen auf alternative Finanzierungen, um die Liquidität zu sichern. Mittelstandsdialog informiert über Vorteile und Nutzen von Factoring, Leasing und Co. im Unternehmensalltag.

Literatur zur Finanzierung


Factoring: Erfolgreiche Liquiditätsstrategie im Großhandel

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Großhändler generieren ihre Spitzenumsätze oft saisonbedingt. Je nach Angebot läuft das Hauptgeschäft im Winter, zum Beispiel bei Elektronik in der Vorweihnachtszeit oder im Sommer beispielsweise bei Gartenartikeln. Zwischen Einkauf und Absatz liegen meist mehrere Wochen und wenn die Abnehmer zudem erst nach 40 Tagen oder noch später zahlen, kommen schnell hohe Außenstände zusammen. Der Großhändler wird ungewollt zum Kreditgeber für seine Debitoren. Factoring löst diese Herausforderung und verwandelt Außenstände in Liquidität. Schickt der Unternehmer nach erbrachter Leistung oder gelieferter Ware die Rechnung an seinen Kunden, sendet er einfach eine Kopie an den Factor und erhält sofort 80 Prozent der Summe ausgezahlt. Der Rest wird zunächst als Sicherheit einbehalten und abzüglich einer Gebühr überwiesen, sobald die Factoringgesellschaft das Geld vom Debitor erhalten hat. Der Unternehmer erhält damit schnell und fortlaufend Liquidität, ohne dass zusätzliche Sicherheiten gestellt werden müssen. Die Finanzierung ist umsatzkongruent, passt sich somit automatisch den Umsätzen des Händlers an. Außerdem sind beim Factoring die Forderungen gegen Ausfall versichert und der Unternehmer wird durch die Auslagerung des Debitorenmanagements entlastet.

Factoring für Großhändler: Ein Beispiel aus der Praxis

Im fiktiven Praxisbeispiel sichert ein Großhändler seine Saisonspitzen mit Factoring ab. Kerngeschäftsfeld des 1999 gegründeten Unternehmens ist der Handel mit Zubehörteilen für die Unterhaltungselektronik, vor allem Spielekonsolen. Damit wurden 2007 über 3 Mio. Euro Jahresumsatz erwirtschaftet. Für die weltweit größten Spielehersteller werden in Asien entsprechende Konsolenzubehörteile eingekauft und an sogenannte Bestücker zur Kommissionierung für die großen Einkaufsketten in Deutschland weiterverkauft. „Das Geschäft ist sehr saisonabhängig, da die Unterhaltungselektronikbranche ihre höchsten Umsätze zum Oster- und Weihnachtsgeschäft generiert“, erklärt der Geschäftsführer die Besonderheiten. Die Ware muss per Vorkasse bezahlt werden und es sind mehrere Wochen Seeweg einzuplanen. Erst nach erfolgter Zollprüfung kann somit die Ware den Bestückern zur Verfügung gestellt und verkauft werden. „Wir hatten im Laufe der Jahre ein festes Netzwerk aus bestehenden Lieferanten und Abnehmern etabliert und konnten so durch entsprechende Abstimmungen unsere Liquidität sicherstellen“, erzählt der Unternehmer.

Unternehmenswachstum durch fehlende Liquidität in Gefahr

Über eine Ausschreibung bekam das Unternehmen eine Lizenz für Originalzubehör zugeteilt. „Wir haben uns natürlich darüber gefreut, wussten jedoch nicht, wie wir die Aufträge finanzieren sollten“, erklärt der Geschäftsführer. Für die Originalzubehörteile waren rund 150.000 Stück prognostiziert, die bereits fast vollständig mit Aufträgen der Bestücker für die Handelsketten unterlegt waren. „Aber wir wussten nicht, wie wir die Vorkasse für die Teile realisieren sollten“, so der Unternehmer. „Wir hatten bei der Bank bereits aufgrund des starken Wachstums die Linie ausgeschöpft und bekamen kein weiteres Geld mehr“. Zudem verfügt das Unternehmen über eine für Großhändler typisch niedrige Eigenkapitalquote.

Liquide mit Factoring

Da das Geschäft immer näher rückte, begann der Großhändler mit der Suche nach geeigneten Finanzierungsalternativen. Über den Kontakt zu einer Spedition, die seit Jahren die Fracht transportiert, erfuhr man von der Dienstleistung Factoring. Gerade in der umsatzkongruenten Finanzierung – wie saisonalen Schwankungen – liegt ein wesentlicher Vorteil von Factoring. Während Kreditinstitute Unternehmen in Wachstumsphasen normalerweise nur behutsam mit ausreichender Liquidität versorgen, berücksichtigt ein Factor, wie die Vantargis Factoring, diese positive Perspektive weitaus stärker und stellt Mittel für die Expansion zur Verfügung. Das Zusatzgeschäft bedingte einen kurzfristig zu erweiternden Finanzierungsrahmen von knapp 1 Mio. Euro. Nach Rücksprache mit den Bestückerfirmen zum Einsatz von Factoring, zeigten sich alle Beteiligten kooperativ. Die bis dato 90 Tage Zahlungsziel konnten mit Factoring optimal abgekürzt werden, da nun bereits binnen zwei Tagen rund 80 Prozent der Liquidität zur Verfügung standen. Somit war für alle Beteiligten eine Lösung für das Zusatzgeschäft geschaffen worden. „ Für uns ist Factoring mittlerweile ein fester Bestandteil der Unternehmensfinanzierung geworden, und wir freuen uns auf zukünftige Aufträge“, so der Geschäftsführer.

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Matthias Bommer

ist Experte für den Bereich Factoring.

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