Oliver Massmann
arbeitet als international lawyer in Hanoi, Vietnam.

Gewisse Projekte zur Reduzierung von Emissionen in Vietnam sind für den Erwerb von Kohlenstoffkredite (CERs) unter dem Mechanismus für umweltverträgliche Entwicklung (Clean Development Mechanism, CDM) geeignet. Die Käufer unterzeichnen einen Vertrag mit lokalen Projekteigentümern, um die Rechte an CERs aus dem Projekt zu erhalten. Erwerber sind in der Regel Endverbraucher und Spekulanten. Die meisten CERs werden letztendlich von Energieunternehmen und anderen Erwerber aus dem EU Raum, die den Voraussetzungen entsprechen, sowie von Regierungen der Entwicklungsländer etc. verwendet. Die Käufer von primären CERs zahlen an der europäischen climate exchanges einen Nachlass gegenüber dem sekundären Marktpreis, da sie bedeutende Lieferrisiken tragen und typischerweise im Voraus Ausgaben für CDM bezogene Kosten entrichtet haben. Lieferrisiken entstehen typischerweise durch die Projektausführung, aber auch in Form von CDM registrierungs- bzw. validierungsbezogenen Risiken. Validierungsbezogene Risiken sind durch die Tatsache hervorgehoben, dass von den 85 Projekten, die zur Bewertung in Vietnam hochgeladen wurden, bisher nur 8 registriert worden sind. Über 40 % der Projekte befinden sich seit einem Jahr unter Validierung.
Vietnam könnte das Potenzial besitzen bis zu 10 Millionen CER zu erzeugen. Dies setzt jedoch die Beschleunigung des Validationsprozesses voraus, d.h. die Veröffentlichung von Standard CEF für das vietnamesische Netz, die Förderung von erforderlichen lokalen Genehmigungen etc. Der Umfang wird wahrscheinlich aufgrund von Verzögerungen in der Projektvalidierung sowie -errichtung niedriger sein. Die globale Rezession hat den Zugang zur Finanzierung nachteilig beeinflusst, was wiederum insbesondere den Wasserkraftbereich betroffen hat (der Haupt-CDM Projekttyp in Vietnam).
Aufgrund von Unsicherheiten in Bezug auf das System nach 2012 müssen Projekte so schnell wie möglich registriert und in Auftrag gegeben werden. Obwohl der Marktpreis von CERs aufgrund des Einflusses der globalen Rezession gesunken ist, ist weiterhin eine ausreichende Nachfrage an Vietnams CERs vorhanden. Erwerber sind bereit sich auf neue Produktbereiche umzustellen und sind insbesondere an Projekten mit einem hohen nachhaltigen Entwicklungswert für die lokale Gemeinschaft interessiert.
Ordnungsgemäße Erwerber (compliance buyers) müssen ihr Portfolio intensiv verwalten, um ihre beabsichtigten und tatsächlich erfolgten Kreditlieferungen wiederzugeben. Höhere Preise werden meist im Zusammenhang mit Projekttypen, die nicht mit hohen Registrations- oder Verifikationsrisiken behaftet sind, entrichtet. Höhere Kosten könnten zudem im Rahmen von Projekten entstehen, die im Hinblick auf ihre Errichtung weiter fortgeschritten sind, jedoch wird es davon abhängen und nicht von erhöhten Registrierungsrisiken. Projekte, die bereits begonnen wurden, müssen als Teil einer Additionalitäts-Analyse die frühere CDM Berücksichtigung nachweisen. Risikostreuung ist ein wichtiges Risikomanagementinstrument. Zum Beispiel dürften viele Erwerber eine große Prozentzahl ihres Portfolios im chinesischen CERs haben, also ist es empfehlenswert den Blick auf andere Märkte wie z.B. SE Asia etc. zu werfen. Die Risikostreuung reicht bis hin zum Technologietyp.
ist als Wirtschaftsprüferin und Steuerberaterin Partner bei der Pape & Co. Gruppe.