Matthias Bommer
ist Experte für den Bereich Factoring.

Seit wenigen Monaten entspannt sich der Arbeitsmarkt. Die wirtschaftliche Erholung setzt sich fort und belebt. Die Nachfrage nach Arbeitskräften bleibt auf hohem Niveau. Die größten Zuwächse sind derzeit in der Zeitarbeit zu verzeichnen. Unternehmen halten sich mit Neueinstellungen zurück und gleichen den wachsenden Bedarf an Arbeitskräften über Personal aus Firmen der Zeitarbeit aus.
Der Markt für Personaldienstleistung ist in den vergangenen Jahren rasant gewachsen und immer mehr Unternehmen haben mittels Zeitarbeit offene Stellen besetzt. Aufgrund des Marktumfeldes in den vergangenen beiden Jahren kam es zu deutlichen Einschnitten in der Zeitarbeit. Erfolgreich werden auf Dauer die Personaldienstleister sein, die exzellente Vertriebs- und Marketingstrukturen haben und die es vor allem schaffen, ihre Liquidität dauerhaft zu sichern. Denn Liquidität ist im aktuellen Aufschwung jetzt notwendiger denn je.
Da die meisten Personaldienstleister in der Zeitarbeit jedoch eine für diese Branche typisch niedrige Eigenkapitalquote haben, ist es für viele Unternehmen nicht leicht, liquide zu bleiben. Banken sind gerade in der jetzigen Lage noch kritischer bei der Kreditvergabe; schnell werden Linien gekürzt oder zusätzliche Sicherheiten verlangt. Dazu kommt die schlechte Zahlungsmoral vieler Unternehmen, Rechnungen werden oft erst nach 30 Tagen oder noch später beglichen. Da Gehälter, Sozialabgaben und Verbindlichkeiten dennoch bezahlt werden müssen, suchen viele Personaldienstleister nach alternativen Finanzierungen.
Eine Möglichkeit bietet hierbei der Verkauf bestehender und zukünftiger Forderungen an eine Factoringgesellschaft. Unter Factoring versteht man den fortlaufenden Verkauf von Forderungen aus Lieferungen und Leistungen an ein Factoring-Institut. Das Zeitarbeitsunternehmen erhält sofort rund 80 Prozent der Rechnungssumme ausgezahlt und kann damit aktiv arbeiten. Die restliche Summe erhält es, abzüglich einer Gebühr, wenn der Debitor die Forderung beglichen hat. Außerdem sind die Forderungen gegen Ausfall versichert. Der Personaldienstleister sichert mit Factoring seine Liquidität ohne zusätzliche Sicherheiten. Er ist unabhängig vom Zahlungsverhalten seiner Kunden und kann zum Beispiel eigene Verbindlichkeiten pünktlich begleichen oder auch Kredite zeitnah abbauen bzw. ablösen.
Beispielsweise setzt ein Unternehmen aus der Zeitarbeit auf Factoring in der Gründungs- und Wachstumsphase. Der Geschäftsführer, früher selbst langjähriger Disponent in einer Gesellschaft für Personaldienstleistung, gründete im August 2006 sein eigenes Zeitarbeitsunternehmen. Heute beschäftigt er rund 65 Mitarbeiter in ganz Deutschland mit einem Umsatz von 1,8 Mio. Euro. Der Vermittlungsschwerpunkt liegt in den kaufmännischen und gewerblichen Bereichen. Großer Wert wird auf die intensive Mitarbeiterbindung gelegt, denn schnell ist ein guter Mitarbeiter vom Wettbewerb abgeworben. So erhält im Gegensatz zu vielen anderen Firmen jeder Mitarbeiter einen eigenen Firmenwagen und wird auch im Krankheitsfall mit Lohnfortzahlung weiter beschäftigt. Über diese Mitarbeiterbindung wird eine starke Kundenbindung erreicht, denn mehr und mehr Unternehmen fragen nach denselben Mitarbeitern, mit denen sie gute Erfahrungen gemacht haben.
Gerade die Gründungsphase stellte sich für das junge Zeitarbeitsunternehmen beschwerlich dar. Mehr als vier Kreditinstitute erteilten für das geplante Vorhaben Absagen. Die Begründungen waren meist dieselben. Die Finanzierung von Gründern ist für die Bank risikobehaftet. Es liegen nur wenig Sicherheiten vor, das Geschäftsmodell ist nicht innovativ und mögliche Kredite sind zu kostenintensiv. Am besten meldet sich der Personaldienstleister wieder, wenn man sich in ein bis zwei Jahren erfolgreich am Markt etabliert hat. Über die Recherche nach alternativen Finanzierungsinstrumenten gelangte man zur Dienstleistung Factoring. Im gemeinsamen Erstgespräch wurde der Geschäftsplan analysiert und vor allem die bestehende Debitorenstruktur. Da es sich in der Regel um bonitätsstarke mittelständische Unternehmen handelte, die den Zeitarbeitsservice in Anspruch nehmen und die vereinbarten Zahlungsziele von 60 Tagen einhalten, entschied sich das Factoring-Institut für die Zusammenarbeit.
Innerhalb weniger Tage bereitete der Unternehmer die Kunden- und Rechnungsdaten auf. Die Warenkreditversicherung bestätigte weitgehend die gewünschten Ankauflimite für die Debitoren. Die Kunden wurden im Rahmen einer offenen Kommunikation informiert. Das Feedback der Debitoren war durchweg positiv. Bereits in der dritten Woche nach Vertragsbeginn kaufte das Factoring-Institut die ersten Forderungen an. Seitdem wird der Rechnungslauf jeden Freitag durchgeführt und die Daten in Kopie auf dem elektronischen Wege an den Factor übermittelt. Nach Übermittlung der Rechnungsdaten erhält er sein Geld am Dienstag folgender Woche gutgeschrieben. Nach dreijähriger Marktpräsenz ist das Unternehmen etabliert. Durch den Einsatz von Factoring arbeitet man ohne zusätzliche Bankkredite und kann weiteres Wachstum in Angriff nehmen.
ist als Wirtschaftsprüferin und Steuerberaterin Partner bei der Pape & Co. Gruppe.