Interview zum Thema Pensionsrückstellungen

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mittelstandsdialog: Für Unternehmen, welche Pensionsrückstellungen gebildet haben gibt es zukünftig keine einheitliche Handels- & Steuerbilanz mehr. Welche Gründe gibt es?

Stark: Pensionsrückstellungen werden nach BilMoG in Handels- und Steuerbilanz zukünftig unterschiedlich bewertet. Während es in der Steuerbilanz bei den bislang üblichen Abzinsungen nach der sogenannten Heubecktabelle (6,0 % p.a.) bleibt, richtet sich der maßgebliche Zins in der Handelsbilanz nach der Restlaufzeit der Verpflichtung und wird monatlich von der Bundesbank festgelegt. Hinzu kommt die Berücksichtigung von Kosten-, Renten- und Gehaltstrends. Der von der Bundesbank festgesetzte Abzinsungswert ist teilweise erheblich niedriger als die angesetzten 6,0% p.a. in der Steuerbilanz. Künftig weist die Pensionsrückstellung in der Handelsbilanz einen höheren Wert als in der Steuerbilanz aus und senkt so den ausgewiesenen Gewinn des Unternehmens. Bei Kreditvergaben, Unternehmensnachfolgen oder -verkäufen betrachten aber potentielle Kreditgeber oder Erwerber gerade die Handelsbilanz.

mittelstandsdialog: Was bedeutet Saldierungsgebot?

Stark: Um zugesagte Leistungen aus Pensionszusagen zu erfüllen, schließen viele Unternehmen Rückdeckungsversicherungen ab, welche oft bei inhabergeführten GmbH´s zu Gunsten des Versorgungsberechtigten verpfändet werden. Zukünftig dürfen diese angesammelten Vermögenswerte (Zweckvermögen zur Erfüllung der Pensionszusage) gegen die Pensionsrückstellung saldiert werden. Aus dem vormaligen Saldierungsverbot wird ein Saldierungsgebot. Saldierbare Zweckvermögen können sein: verpfändete Rückdeckungsversicherungen, verpfändete Wertpapierdepots oder Treuhandvermögen (CTA= Contractual Trust Arrangements). Unternehmen, welche die Finanzierungsstände ihrer Zusagen regelmäßig prüfen und auf Marktentwicklungen reagieren, haben hier einen Vorteil. Tendenziell sollte eine Pensionszusage in regelmäßigen Abständen auf den Finanzierungsstand geprüft werden, um entsprechende Lücken zu schließen. Diese sind in den letzten Jahren alleine durch deutlich abgesunkene  Kapitalmarktzinsen entstanden. Im Idealfall schließt das Unternehmen die Deckungslücke gegen einen Einmalbeitrag (alternativ laufende Beiträge) in eine Rückdeckungsversicherung, ein Wertpapierdepot oder auch eine fondsgebundene Rückdeckungsversicherung.

mittelstandsdialog: Was versteht man in diesem Zusammenhang unter Transformation?

Stark: Bei einer Transformation (§ 3 Nr. 66 EStG) wird die bestehende Pensionsrückstellung i.d.R. auf einen Pensionsfonds (alternativ eine Unterstützungskasse) ausgelagert und die Bilanz „bereinigt“, die Pensionsrückstellung wird ganz oder teilweise aufgelöst. Der Pensionsfonds übernimmt im Rahmen des „Past Service“ alle bisher erworbenen unverfallbaren Anwartschaften der Versorgungsberechtigten gegen einen Einmalbeitrag. Noch zu erdienende Anwartschaften werden durch den „Future Service“ z.B im Rahmen konstanter oder steigender Beiträge an eine Unterstützungskasse finanziert. Das Unternehmen hat die Möglichkeit die Auslagerung auch nur für einen bestimmten Personenkreis durchzuführen. Manche Pensionsfonds errechnen für jeden einen individuellen, unternehmensspezifischen Zins als Kalkulationsbasis.

mittelstandsdialog: Vielen Dank für das informative Gespräch.

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