Zivilrechtliche Aspekte der GmbH & Co. KG, Teil 1

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Die GmbH & Co. KG ist eine Kommanditgesellschaft (KG), an der eine GmbH als - meist einzige persönlich haftende Gesellschafterin (Komplementärin) beteiligt ist. Sie ist also Personengesellschaft. Da die Komplementärin wiederum eine Kapitalgesellschaft ist, werden strukturelle Elemente der Personengesellschaft mit solchen der Kapitalgesellschaft vereinigt; man spricht systematisch von „Typenvermischung". Hierdurch ergeben sich im Vergleich zur „reinen" KG und zur GmbH eine Reihe von Vorteilen. Daher ist die GmbH & Co. KG insbesondere bei mittelständischen Unternehmen weit verbreitet. Gesellschafts- und steuerrechtlich ist sie seit langem anerkannt. Die Verzahnung von KG und GmbH erfolgt in der Praxis auf vielfältigste Weise und ist nicht frei von immer wiederkehrenden Tücken.

Gründe für die Wahl der GmbH & Co. KG als Rechtsform

Haftungsbeschränkung

Die GmbH & Co. KG ist eine Personengesellschaft, für deren Verbindlichkeiten keine natürliche Person unbegrenzt haftet. Damit entspricht sie haftungsrechtlich einer Kapitalgesellschaft. Diese „beschränkte Haftung" wird erzielt, indem die GmbH als juristische Person die Stellung des einzig voll haftenden Gesellschafters, des Komplementärs der KG, einnimmt. Damit ist die (eigentlich unbeschränkte) persönliche Haftung des Komplementärs auf das eingezahlte Stammkapital der GmbH begrenzt. Die Haftung der Kommanditisten ist auf ihre Hafteinlage beschränkt. Im (praktisch häufigen) Extremfall der „Einmann-GmbH & Co. KG" ist eine natürliche Person einziger Gesellschafter der Komplementär-GmbH und gleichzeitig einziger Kommanditist. Wirtschaftlich kommt dies einer Einzelunternehmung mit beschränkter Haftung gleich.

Fremdorganschaft

Charakteristisch für die KG als Personengesellschaft ist das „Prinzip der Selbstorganschaft". Nach dem gesetzlichen Leitbild ist nur der Komplementär ge-schäftsführungsbefugt. Möglich ist aber die Übertragung auf einen/mehrere Kommanditisten. Unzulässig ist hingegen die komplette Übertragung auf einen Dritten, wenn gleichzeitig sämtliche Gesellschafter von der Geschäftsführung ausgeschlossen sind. Hier ist der Vorteil der GmbH & Co. KG: Als Geschäftsführer der Komplementär-GmbH kann unproblematisch ein Nicht-Gesellschafter berufen werden. Gerade bei familiendominierten Gesellschaften kann dies eine wichtige Rolle spielen.

Mitbestimmung

Personengesellschaften sind grundsätzlich nicht mitbestimmungspflichtig. Selbst wenn die GmbH & Co. KG also mehr als 500 Arbeitnehmer hat, unterliegt sie nicht der Drittelbeteiligung nach DrittelbG. Eine Ausnahme gilt allerdings nach MitbestG, wenn

  • die GmbH & Co. KG mehr als 2.000 Arbeitnehmer hat,
  • neben der Komplementär-GmbH keine natürliche Person als Komplementär existiert und
  • die Mehrheit der Kommanditisten auch die Mehrheit an der Komplementär-GmbH halten,

unterliegt sie - obwohl Personengesellschaft - der paritätischen Mitbestimmung.

Publizität

Personengesellschaften sind grundsätzlich nicht zur Offenlegung ihres Abschlusses verpflichtet. Dies galt bis zum Jahr 2000 auch für die GmbH & Co. KG. Dieser Vorteil existiert heute nicht mehr: Die GmbH & Co. KG hat den KG-Abschluss beim Handelsregister einzureichen. „Große" GmbH & Co. KG müssen ihre Abschlüsse auch im elektronischen Bundesanzeiger veröffentlichen.

Lesen Sie im Teil 2 mehr, unter anderem zur „beteiligungsidentischen“ GmbH & Co. KG.

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