Zeitarbeitsfirmen: Fachkräfte händeringend gesucht

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Mit sinkender Arbeitslosigkeit wachsen die Probleme der Wirtschaft, qualifiziertes Personal zu finden. Inzwischen – so eine aktuelle Studie – klagen bereits 27 Prozent der mittelständischen Unternehmen quer durch alle Branchen schon wieder über den Fachkräftemangel. Im aktuellen Aufschwung sucht die Wirtschaft bereits wieder eine Million neue Arbeitskräfte, denen aber noch immer zwei Millionen Menschen mit Arbeitslosengeld II gegenüberstehen. Oft sind dies jedoch Langzeitarbeitslose, denen die Betriebe mit Vorbehalten begegnen. Eine reelle Chance in den ersten Arbeitsmarkt zu gelangen, ist hier die Zeitarbeit, die aktuell mit 900.000 Arbeitnehmern das Vorkrisenniveau wieder erreicht hat.

Eine Branche, die jedoch immer wieder ins Kreuzfeuer der Medien gerät. Im Moment wird von den Parteien debattiert, ob die Politik einen gesetzlichen Mindestlohn für die Zeitarbeit durchsetzen soll. Der wiederum ist die Voraussetzung dafür, dass die Branche in das so genannte Entsendegesetz aufgenommen wird. Was sich viele Beteiligte vor dem Stichtag 1. Mai 2011 dringend wünschen, denn an diesem Tag fallen die Grenzen für die Arbeitskräfte aus den osteuropäischen Beitrittsstaaten und die Gefahr, dass Dumpinganbieter nach Deutschland kommen, ist groß. Betroffen ist hiervon in erster Linie jedoch der reine Helferbereich mit gering qualifizierten Mitarbeitern, der heute rund ein Drittel der Zeitarbeitnehmer ausmacht. Für diese ist die Forderung nach einem gesetzlichen Mindestlohn sicherlich richtig und wichtig.

Für den Großteil der Zeitarbeitnehmer gilt jedoch, dass die Firmen nicht aus Kostengründen auf sie zurückgreifen, sondern diese Arbeitsform als Teil ihrer unternehmerischen Flexibilisierungsstrategie sehen. Laut einer deutschlandweiten Umfrage der Universität Erlangen-Nürnberg haben bereits 40 Prozent der Firmen in den vergangenen Jahren Erfahrungen mit externem Personal gesammelt. Bei den produzierenden Unternehmen weisen sogar knapp die Hälfte der Befragten Erfahrungen mit Zeitarbeit auf. Die überwiegende Mehrheit der befragten Unternehmen gab an, dass das Qualifikationsniveau des temporären Personals mit Abstand das wichtigste Kriterium für die Auswahl eines Personaldienstleisters ist: Insgesamt nannten 78 Prozent diesen Punkt als ausschlaggebend. Noch immer ist Deutschland in puncto Zeitarbeit europaweit weit abgeschlagen. Laut einer Arbeitsmarkt-Studie der Bertelsmann-Stiftung in Zusammenarbeit mit dem Forschungsinstitut zur Zukunft der Arbeit werden lediglich 1,6 Prozent aller geleisteten Arbeitsstunden in Form von Arbeitnehmerüberlassungen erbracht. In den USA, England, Frankreich oder den Niederlanden beträgt der Anteil der Zeitarbeitsnehmer dagegen zwischen 2,5 und 5 Prozent.

Für viele Menschen erweist sich jedoch eine zeitlich befristete Überlassung ihres Personaldienstleisters an einen seiner Kunden als echtes Sprungbrett zurück ins Berufsleben. Das bestätigt auch eine Studie der Bundesagentur für Arbeit. Denn 62 Prozent der im ersten Halbjahr 2009 eingestellten Zeitarbeitnehmer waren zuvor arbeitslos, davon 15 Prozent sogar langzeitarbeitslos oder noch nie erwerbstätig. Der Wiedereinstieg über eine Zeitarbeitsfirma ist für viele ältere Mitarbeiter, für Arbeitnehmer mit Migrationshintergrund oder für Langzeitarbeitslosen oft der beste Weg in den ersten Arbeitsmarkt. Aber auch vielen Berufsanfängern oder Hochschulabsolventen öffnet sie die Tür in die Berufswelt.

In der vergangenen Krise hat die gestiegene Flexibilität durch die Zeitarbeit wesentlich zur schnellen Erholung der beigetragen. Gut jede dritte gemeldete Stelle am ersten Arbeitsmarkt – so die Bundesagentur für Arbeit – kam im Oktober aus dieser Branche. Das zeigt: Unsere Branche hat sich seit den 90er Jahren zu einem eigenständigen und dauerhaften Beschäftigungssegment in der Wirtschaft entwickelt und ist ein sehr gutes Konjunkturbarometer.

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Kommentare

  • Ich denke das Problem in diesem Fall von Mangel bezieht sich darauf das Facharbeiter für einen guten Lohn wohl gerne Bereit wären, doch dieser bleibt in Deutschland allgemein wohl weiterhin aus.... Schade so muss man nach alternativen suchen...leider

    David Schwarzendahl am 25.01.2011 09:58

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