Unternehmenserfolg durch die optimale Rechtsform: GmbH, UG & Co

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Der Erfolg eines Unternehmens wird auch durch die richtige Rechtsformwahl geprägt. Doch welche Rechtsform passt zum Unternehmer und zum Unternehmen? Für den Unternehmer ist es oftmals bereits schwierig, einen ersten Überblick über die Vor- und Nachteile der verschiedenen Rechtsformen zu bekommen. Hinzukommt: Die Wahl der Rechtsform ist nicht allein aus rechtlichen Überlegungen heraus zu beantworten. Betriebswirtschaftliche, steuerrechtliche aber auch unternehmensstrategische Aspekte müssen bei der Entscheidung über die „optimale Rechtsform“ berücksichtigt werden. Ist die passende Rechtsform einmal gefunden verbindet sich damit noch längst keine „Ewigkeitsgarantie“. Denn Veränderungen in der unternehmerischen Entwicklung, in den Lebenszyklen des Unternehmens, können die Frage nach der richtigen Rechtsform neu aufwerfen: Wenn Wachstum nur unter Aufnahme strategischer Partner, wenn Finanzierung nur durch private Kapitalgeber oder die Unternehmensnachfolge nur durch die Hereinnahme der potentiellen Erben zu realisieren ist, wird die Frage neu zu beantworten sein: Welche Rechtsform passt zum Unternehmer, dem Unternehmen und der Unternehmensstrategie?

Mit diesem Kurzbeitrag soll auf einige Aspekte hingewiesen werden, welche bei der Entscheidungsfindung Berücksichtigung finden könnten aber auch sollten.

Haftung - Haftungsbeschränkung

Die unternehmerischen Haftungsrisiken sind vielfältig: Neben Vertragserfüllung haftet das Unternehmen für die Erfüllung von Obhuts-, Informations- Vermögenspflichten, Schutzpflichten, öffentlich-rechtlichen Pflichten usw. Die Verletzung dieser Pflichten kann bisweilen existenzbedrohende Folgen haben. Wie kann die richtige Rechtsform hier schützen? Der Gesetzgeber hat das Haftungsregime nicht einheitlich, sondern von Rechtsform zu Rechtsform verschieden ausgestaltet.

So haften Inhaber von Einzelunternehmen und bestimmte Personengesellschaften (Gesellschaft bürgerlichen Rechts, OHG, KG) auch mit ihrem Privatvermögen stets unbeschränkt und unbeschränkbar, §124, § 128 HGB. Bei Kapitalgesellschaften wie der GmbH, der Unternehmergesellschaft, der AG haftet dagegen grundsätzlich nur das Gesellschaftsvermögen, § 13 Abs. 2 GmbHG. Mit Mischformen wie der GmbH & Co. KG bzw. der UG & Co KG ist hingegen eine Beschränkung der Haftung auch bei Personengesellschaften möglich.

Doch gilt: Die Haftungsbeschränkung ist kein Freibrief ist. Ein „Durchgriff“ auf das Privatvermögen der Gesellschafter aber auch der Geschäftsführer ist auch bei den haftungsbeschränkenden Rechtsformen möglich, wenn besondere Umstände vorliegen, welche Gesetzgeber oder Rechtsprechung als „Missbrauch der Haftungsbeschränkung“ betrachten. Die Vermischung von Privatgeldern und Unternehmensgeldern, die Veruntreuung oder Verschleuderung des Gesellschaftsvermögens, Überentnahmen und Entzug von Haftkapital seien hier nur als wenige Beispiele genannt.

Finanzierung - Kapitalbedarf

Der Weg in die richtige Rechtsform wirft auch Fragen zur Unternehmensfinanzierung auf: Benötigt mein Unternehmen einen zwingenden Grundstock an finanziellen Mitteln; wie ist ein solches Mindestkapital aufzubringen? Bar oder durch Sacheinlage?

Für bestimmte Rechtsformen sind Mindesthöhen bezüglich des Haftungskapitals vorgesehen, z.B. bei der GmbH 25.000 €, bei der Aktiengesellschaft 50.000 €. Doch gibt es auch Erleichterungen: Einzahlungshöhe und Zeitpunkt können variieren. Neu sind die Erleichterungen bei der Gründung einer Unternehmergesellschaft. Dabei stellt die Unternehmergesellschaft lediglich eine Unterform der traditionellen GmbH dar. Die Unternehmergesellschaft kann ab einem Stammkapital von 1 € gegründet werden, hat aber dann gewisse Einschränkungen in Kauf zu nehmen. Es muss eine Rückstellung in Höhe von 25 % der jährlichen Gewinne gebildet werden, bis 25.000 € Stammkapital erreicht sind. Anschließend kann die Unternehmergesellschaft als normale GmbH weitergeführt werden.

Die Wahl der Rechtsform beeinflusst ferner die Möglichkeiten der Eigenkapitalbeschaffung. Während z.B. der Einzelunternehmer bei der Eigenkapitalaufbringung im Wesentlichen auf seine persönliche Sphäre angewiesen ist, kann bei der Aktiengesellschaft über den Kapitalmarkt ungleich leichter Kapital mobilisiert werden.

Die Rechtsform bestimmt aber indirekt auch die Möglichkeit der Gesellschaft, Fremdkapital zu beschaffen. Es gilt der Grundsatz: Bei weitgehenden Haftungsbeschränkungen (z.B. auf das Stammkapital einer GmbH) ist die Kreditwürdigkeit bei einer Bank begrenzt. Das Kreditinstitut kann verlangen, dass sich die Gesellschafter - zumindest aber der Geschäftsführer - zusätzlich mit seinem Privatvermögen für die Verbindlichkeiten der GmbH gegenüber dem Kreditinstitut verbürgt oder sogar einem Schuldbeitritt zustimmt.

Leitung und Kontrolle

Im Hinblick auf die Leitungsbefugnis bestehen grundlegende Unterschiede zwischen Einzelunternehmen und Personengesellschaften einerseits und Kapitalgesellschaften andererseits. Während bei einer Kapitalgesellschaft die Kapitalbeteiligung und Leitungsbefugnis getrennt sein können, d.h. jeweils durch einen Fremdgeschäftsführer, liegen bei Personengesellschaften bzw. Einzelunternehmen Geschäftsführung und Haftung in der Regel in einer Hand.

Steuerbelastung

Die Unterschiede in den steuerlichen Belastungen geben nicht selten den Ausschlag für die Wahl der Rechtsform. Während Einzelunternehmen und Personengesellschaften nicht selbständig steuerpflichtig sind (Steuersubjekte sind die Gesellschafter/Inhaber) trifft die Kapitalgesellschaften die selbständige Steuerpflicht in der Form der Körperschaftsteuer. Auch die Gewerbesteuerbelastung sollte bei der Rechtsformwahl bedacht werden.

Altersvorsorge - Nachfolgeregelung

Als Selbständiger müssen die Unternehmer in der Regel selbst für ihr Alter vorsorgen. Kapitalgesellschaften bieten hier gewisse Vorteile: So können z.B. Pensionszusagen einer GmbH eine Variante der Altersvorsorge sein. Hier ist allerdings zu beachten, dass der Gesetzgeber hohe Hürden für die Wirksamkeit einer Pensionszusage aufgestellt hat.

Altersvorsorge und Unternehmensnachfolge stehen im engen Kontext zueinander: Die Ausgestaltungsmöglichkeiten sind allerdings von Rechtsform zu Rechtsform unterschiedlich: So kann die Vererblichkeit eines Gesellschaftsanteils einer Personengesellschaft stark beschränkt oder sogar ausgeschlossen werden, wohingegen der Anteil an einer Körperschaft zwingend vererblich gestellt wird. Gerade bei Vorhandensein von mehreren potentiellen Erben muss die Rechtsformwahl im Hinblick auf die Unternehmensnachfolge überdacht und ggf. angepasst werden.

Publizitätspflichten

Besonderer Beachtung sollte auch die Publizitätspflicht finden. Die Publizitätspflicht besagt, dass Unternehmen ihren Jahresabschluss und - je nach Größe - weitere Unterlagen offen legen müssen, die für jeden Interessenten auch im Handelsregister zugänglich sind. Gesellschaften in den Rechtsformen der GmbH, der UG, der AG und auch der GmbH & Co KG. unterliegen dieser öffentlich-rechtlichen Verpflichtung. Umfang und Ausmaß der Publizität bestimmt sich nach Betriebs- bzw. Umsatzgröße und Bilanzsumme.

Umwandlung

Eine zum Entscheidungszeitpunkt getroffene Rechtsformwahl hat seine Berechtigung. Da sich jedoch auch die Rahmenbedingungen für ein Unternehmen verändern können, muss regelmäßig geprüft werden, ob die gewählte Rechtsform des Unternehmens noch "passt" oder ob der Wechsel in eine andere Rechtsform Vorteile bringt. Hierfür stellt das Umwandlungsgesetz geeignete Instrumentarien zur Verfügung. In Betracht kommt insbesondere die Möglichkeit des Formwechsels, d.h. eine Änderung der Rechtsform unter Wahrung der Identität des Unternehmens.

Im Vordergrund der Entscheidung zur Rechtsform stehen allerdings die entsprechende Planung des Unternehmers und die Beantwortung der Frage, wo sein Unternehmen in den nächsten Jahren hinsteuern möchte. Der Erfolg eines Unternehmens ist nicht allein von der Rechtsform abhängig.

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