Unternehmensanleihen von mittelständischen Unternehmen sind sehr gefragt

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Mittelständische Betriebe ziehen bei der Aufnahme von Fremdkapital in aller Regel zunächst nur den Bankkredit in Erwägung. Viele Banken geben seit der Finanzkrise jedoch deutlich weniger Kredite aus. Andrerseits suchen viele institutionelle wie auch private Investoren angesichts schwacher Renditen für Bundesanleihen höher verzinste Investitionsmöglichkeiten. Auch die Bereitschaft wieder mehr Risiko einzugehen, steigt dabei zunehmend. Die Investition in eine Unternehmensanleihe stellt deshalb eine attraktive Anlage-Alternative dar.

Mittelständischen Unternehmen eröffnet die aktuelle Marktsituation eine exzellente Gelegenheit benötigtes Geld über das alternative Finanzierungsinstrument der Anleihe aufzunehmen.

Kriterien der Unternehmensanleihe

Eine Unternehmensanleihe (engl. Corporate Bond) ist eine Schuldverschreibung, die ein Forderungsrecht verbrieft. Schuldverschreibungen sind Wertpapiere bei denen der Anleihegläubiger ein Darlehn zur Verfügung stellt und sich der Aussteller (Emittent) verpflichtet, das Darlehn bei Fälligkeit inklusive der festgelegten Zinsen zurückzuzahlen. Diese Schuldverschreibung ist ein klassisches Instrument der langfristigen Kapitalbeschaffung. Bei der Emission der Anleihe wird Fremdkapital von vielen verschiedenen Investoren direkt am öffentlichen oder privaten Kapitalmarkt im In- oder Ausland aufgenommen.

Genau wie bei einem Darlehen werden die Konditionen und Kreditbedingungen wie Laufzeit, Kündigungsrechte etc. flexibel gestaltet. Die Verzinsung kann fest oder über einen ergebnisabhängigen Gewinnanteil variabel erfolgen. Auch können unterschiedliche Tilgungsformen vereinbart werden. Häufig erfolgt eine Rückzahlung am Ende der Laufzeit, es ist aber durchaus auch eine gestaffelte Rückzahlung in Raten möglich.

Anleihen können erstrangig wie auch nachrangig gegenüber Forderungen von Dritten ausgestattet werden. Dadurch erlangen diese einen mezzaninen Charakter.

In 2010 haben sich bereits mehrere Mittelständler die aktuelle Marktsituation zu Nutze gemacht und erfolgreich Anleihen platziert. Diese bewegten sich in einem Volumen zwischen EUR 25 Mio. und 150 Mio. und wurden zwischen 5,85% und 7,25% verzinst. Interessant zu beobachten ist, dass einige Unternehmen darauf verzichtet haben, ihre Bonität durch Rating-Agenturen bewerten zu lassen. Damit konnten viel Zeit und Kosten gespart werden. Trotzdem wurden genügend Anleger für die Wertpapiere gefunden.

Direkter Weg zu frischem Geld

Die Platzierung einer Anleihe erfolgt in der Regel über ein Bankkonsortium, das die Anleihe an Investoren verkauft und Gebühren berechnet. Eine Platzierung ist dabei erst ab einem Volumen von EUR 100 Mio. möglich. Dies wird bei bestimmten Anleiheformen auch weiterhin nicht anders möglich sein. Die Börse Stuttgart ermöglicht mittelständischen Unternehmen seit kurzem über ein neues Börsensegment die Anleihe direkt an Investoren zu verkaufen. Attraktiv ist für die Unternehmen auch, dass kleinere Volumen platziert werden können. Die Emittenten sammeln die Zeichnung über das Börsensegment selbst ein. Allerdings stellt die Börse bewusst höhere Anforderungen an die Unternehmen, um genügend Transparenz sicherzustellen. Diese sind neben dem Wertpapierprospekt auch Pflichtveröffentlichungen wie z.B. Jahres- und Halbjahresberichte, Finanzkalender und AD-Hoc Meldungen.

Hochzins-Anleihen

Die Unternehmensanleihe ist aber auch für Unternehmen mit weniger guter Bonität ein probates Mittel zur Kapitalbeschaffung. In diesem Fall wird von einer Hochzins-Anleihe (engl. High Yield Bond) gesprochen. Es handelt sich dabei um Anleihen von Emittenten, die durch Ratingagenturen eine schlechte Bewertung erhalten haben (Non-Investment Grade). Die Emittenten dieser Anleihen erfüllen nicht die für Anleihen sonst üblichen Bonitätserfordernisse.

Aufgrund des höheren Risikos sind solche Anleihen mit höheren Zinskupons ausgestattet. Aber anders als erwartet bzw. durch den Titel Hochzins-Anleihe suggeriert, sind die Zinskupons in einem vertretbaren Rahmen. Beispielsweise hat in 2010 eine mittelständische Unternehmensgruppe aus der Automobilzulieferindustrie erfolgreich eine HY-Anleihe platziert. Das Rating des Unternehmens wurde von Moody’s mit B3 bewertet. Das Emissionsvolumen betrug EUR 150 Mio. und wurde mit einem Zinskupon von 10,75% p.a. versehen.

Resümee

In Marktphasen, die durch niedrige Zinsen geprägt sind, kann eine Unternehmensanleihe für Investoren wie auch für Emittenten eine sehr attraktive Alternative sein. Der Zugang zum Kapitalmarkt wird durch die Platzierung einer Anleihe an neuen Börsensegmenten auch mittelständischen Betrieben eröffnet. Unternehmensanleihen sind nicht nur ein Thema für Unternehmen mit guter Bonität, sondern eigenen sich auch für Unternehmen mit geringerer Bonität. In Summe kann man Unternehmensanleihen als durchaus geeignetes Finanzierungsinstrument für den Mittelstand einstufen. Das Marktumfeld ist derzeit sehr günstig.

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