Steuerfalle in der Krise

Steuerfalle

Das wirtschaftliche Umfeld in dem wir uns derzeit bewegen, ist durch Umsatzrückgänge in nahezu allen Branchen gekennzeichnet. Nicht selten führen damit einhergehende Verluste bei GmbHs, die nur über eine geringe Kapitaldecke verfügen, in kurzer Zeit zu einer sogenannten Unterbilanz bei der ein nicht durch Eigenkapital gedeckter Fehlbetrag auszuweisen ist.

Um eine Überschuldung nach Insolvenzrecht in einem ersten Schritt zu vermeiden, stehen der Gesellschaft beziehungsweise den Gläubigern verschiedene Instrumente zur Verfügung, die in diesen Zeiten vermehrt Anwendung finden. Insbesondere der klassische Forderungsverzicht und der Rangrücktritt sind Mittel, die gerne angewendet werden um eine Überschuldung zu beseitigen. Doch hier ist Vorsicht geboten. Ziehen doch diese Maßnahmen steuerliche Folgewirkungen nach sich, die nicht immer gewollt sind.

Verzichtet ein Gläubiger endgültig gegenüber einer GmbH auf Ansprüche aus seiner Forderung, so spricht man von einem Forderungsverzicht. Dieser führt in der GmbH grundsätzlich zu einem steuerpflichtigen Ertrag, wenn der Gläubiger nicht gleichzeitig Anteile an der GmbH hält. Sind beispielsweise aufgrund einer vorangegangenen Übertragung der Gesellschaftsanteile nicht mehr ausreichend Verlustvorträge vorhanden, kann dies im ungünstigsten Fall dazu führen, dass auf den gesamten Forderungsverzicht in der GmbH Steuern zu zahlen sind. Ein unerfreuliches Ergebnis, wenn der Gläubiger auf einen Anspruch verzichtet und dafür das Finanzamt einen Scheck bekommt.

Etwas komplizierter wird es, wenn der auf seine Forderung Verzichtende auch noch Gesellschafter dieser GmbH ist. In diesem Fall hängen die steuerlichen Folgen von der Werthaltigkeit der Forderung im Zeitpunkt des Verzichtes ab. Ist die GmbH bereits nachhaltig nicht mehr in der Lage die Forderung zu begleichen, führt der Verzicht auf eine solche nicht mehr werthaltige Forderung ebenfalls zu einem steuerpflichtigen Ertrag in der GmbH. Der steuerliche Ertrag in der GmbH bedeutet jedoch nicht automatisch, dass damit im Gegenzug der Gesellschafter einen steuerlichen Aufwand hätte. Je nach Konstellation des individuellen Falles besteht hier das Risiko, dass der der Verzicht beim Gesellschafter steuerlich unbeachtlich sein kann. Aus Sicht des Gesellschafters ein äußerst unbefriedigendes Ergebnis.

Um diesen nachteiligen Folgen zu entgehen, sollte mit dem Steuerberater im Vorfeld besprochen werden, welche alternativen Möglichkeiten unter Berücksichtigung des jeweiligen Einzelfalls einen Ausweg aus dieser misslichen Lage bieten. Möglichkeiten hierzu gibt es mehrere, sie müssen jedoch auf den Einzelfall abgestimmt sein.

In vielen Fällen lässt sich die insolvenzrechtliche Überschuldung bereits durch einen Rangrücktritt auf die betreffende Forderung vermeiden. Bei einem Rangrücktritt tritt der Gläubiger einer Forderung hinter anderen Gläubigern bei der Befriedigung der Ansprüche zurück. Im Falle einer Insolvenz würde eine nachrangige Forderung erst befriedigt, wenn die bestehenden Ansprüche aller übrigen Gläubiger erfüllt wurden. Doch auch hier lauert eine Falle, wenn die Rangrücktrittsvereinbarung nicht exakt formuliert wurde. Wird beispielsweise eine Formulierung gewählt, die eine Befriedigung der Forderung ausschließlich aus künftigen Gewinnen vorsieht, schlägt die Vorschrift des § 5 Abs. 2a EStG zu, die die ertragswirksame Ausbuchung einer solchen Zahlungsverpflichtung bei der GmbH vorsieht. Im ungünstigsten Fall könnten hierdurch Steuern in der GmbH entstehen, obwohl weder Kapital geflossen ist, noch eine Befreiung von der Schuld tatsächlich eingetreten ist. Erst im Rahmen einer späteren Rückzahlung der Forderung würde eine steuerliche Gewinnminderung eintreten.

Forderungsverzicht und Rangrücktritt sind nur ausgewählte Aspekte zum Thema Steuerfallen in der Krise. Es empfiehlt sich daher in jedem Fall ein Gespräch mit dem Steuerberater, welche Maßnahmen sinnvoll sind, um nicht in finanziell angespannten Zeiten auch noch von unerwarteten Steuerzahlungsansprüchen überrascht zu werden.

Artikel weiterempfehlen»

Kommentare

Kommentar schreiben