Der Erste erstellt`s, der Zweite erhält`s, dem Dritten zerfällt`s … Die Schwierigkeiten der Unternehmensnachfolge und ein Beispiel, wie es funktionieren kann

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Heute, 20 Jahre nach der politischen Wende in der ehemaligen DDR, stehen in Ost-Deutschland viele kleine und mittelständische Unternehmen, die ihre Geschäfte auf den Ruinen der DDR-Staatswirtschaft gründeten, vor der nächsten großen Herausforderung. Viele der damals 40-50 Jährigen, die hoch qualifiziert und hoch motiviert den Neuanfang wagten, und die dies zum großen Teil auch sehr erfolgreich taten, stehen heute am Ende Ihres beruflichen Lebens. Es ist Zeit, das Aufgebaute entweder zu verkaufen oder es in die Hände der nächsten Generation zu übergeben.

Die CUP Laboratorien Dr. Freitag GmbH in Radeberg ist ein typisches Beispiel für ein solches „Wendekind“. Das Unternehmen wurde 1991 von der ehemaligen Laborleiterin des VEB Robotron Elektronik Radeberg gegründet und entwickelte sich langsam, aber stetig zu einem wichtigen Auftragslabor in Sachsen. Der überwiegende Teil der Umsätze wurde in den Bereichen Umwelt- und Trinkwasseranalytik erzielt. Im Jahr 2007 stand die mit 55 Jahren noch relativ junge Firmengründerin vor einer schwierigen Entscheidung: Weiterzumachen wie bisher, oder die Geschäfte in die Hände der nächsten Generation zu legen. Dies führt zu dem ersten Erfolgsfaktor der erfolgreichen Unternehmensübergabe, der Gründer muss erkennen, wann die Zeit der Übergabe gekommen ist und einen großen Teil seiner Macht abgeben. Es verwundert nicht, dass hier bereits viele Generationswechsel scheitern, denn gerade Selbstbewusstsein, Beharrungsfähigkeit und der unbedingte Glauben an die eigene Linie sind essenzielle Gründertugenden.

1. Erfolgsfaktor: Den Zeitpunkt der Übergabe erkennen und handeln

Die zweite, wesentliche Schwierigkeit liegt in der Wahl eines geeigneten Nachfolgers, der dann natürlich auch mit entsprechenden Machtbefugnissen ausgestattet werden muss. Ein Verwandter ersten Grades muss hier nicht immer die erste Wahl sein, Fachkompetenz und persönliche Eignung sollten bei der Entscheidung eine größere Rolle spielen als Blutsbande.

2. Erfolgsfaktor: Einen geeigneten Nachfolger finden

Im konkreten Fall der CUP Laboratorien Dr. Freitag GmbH folgte der Sohn der Firmengründerin nach. Als Laborleiter der Henkel AG & Co. KGaA in Düsseldorf hatte dieser seine ersten Erfahrungen bereits in der Industrie gemacht. Dieser Blick über den Tellerrand war zum Einen wichtig für die Weitung des Erfahrungshorizontes, zum Anderen sorgte er für eine stärkere Akzeptanz des Nachfolgers im Unternehmen. Die über die fachliche Eignung hinaus notwendigen betriebswirtschaftlichen Kenntnisse konnte der Nachfolger im Rahmen eine MBA-Studiums erwerben.

3. Erfolgsfaktor: Kommt der Nachfolger aus der eigenen Familie, so sollte er über nachgewiesene Kompetenzen und Erfahrungen verfügen

Nach einer etwa halbjährigen Einarbeitungszeit, in der sich Mutter und Sohn ein Büro teilten, wurde dieser zum 01.01.2008 zum Geschäftsführer der CUP Laboratorien Dr. Freitag GmbH bestellt. Durch diesen Wechsel wurden die Geschäfte verstärkt auf den Bereich Auftragsanalysen für Hersteller von Pharmazeutika und Medizintechnik ausgerichtet und der Neubau eines Labor- und Verwaltungsgebäudes in Angriff genommen. In der Übergangszeit kollidierten häufig die Vorstellungen und Philosophien zur Geschäftsleitung und Mitarbeiterführung. Letztlich wurden Entscheidungen aber im Konsens getroffen.

4. Erfolgsfaktor: Der Nachfolger muss eigene Projekte, Philosophien umsetzen dürfen und wollen

5. Erfolgsfaktor: Der Gründer muss loslassen können und der Nachfolger sollte trotzdem den Rat des Gründers suchen.

Die oben beschriebene sanfte Form des Übergangs mit klar verteilten Kompetenzen hat sich für die CUP Laboratorien Dr. Freitag GmbH ausgezahlt. Die Firma bezog im Oktober 2009 den hochmodernen Neubau eines Labor- und Verwaltungsgebäudes in Radeberg. Seit Übergabe der Geschäftsleitung konnte der Umsatz, bei konstanter Umsatzrendite, um 20% gesteigert werden. Mehr als die Hälfte des Umsatzes wird heute in den Bereichen Pharma und Medizintechnik erarbeitet. Die Zahl der Mitarbeiter stieg von 11 im Jahr 2007 auf 17 zu Beginn des Jahres 2010. Mit hochwertigen chemischen und mikrobiologischen Auftragsanalysen und einer kleinen, aber feinen Auftragssynthese ist die Firma schon heute ein integraler Bestandteil eines stetig wachsenden Pharma- und Medizintechnik-Clusters am Standort Radeberg.

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