Schuldenkrise als Chance - Kreditmediatoren können Unternehmen retten

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Die Politik jubelt

Die Krise ist vorbei und der Konjunkturaufschwung sorgt für volle Auftragsbücher, steigende Unternehmensgewinne und sinkende Insolvenzzahlen. So waren es „nur“ noch etwas mehr als 32.000 Unternehmer, denen im vergangenen Jahr durch die Pleite ein erheblicher gesellschaftlicher Makel anhaftete. Egal, ob die Insolvenz selbst verschuldet oder unausweichlich war, oder sogar der ehrenwerte Versuch einer grundlegenden Sanierung mit Unternehmensfortführung unternommen wurde.

Die Statistik der Wirtschaftsauskunftei Creditreform zeigt es auf: In 2010 wurden immerhin fast 2,5 Prozent weniger Insolvenzen registriert als noch im Vorjahr, dem Höhepunkt der globalen Finanz- und Wirtschaftskrise. Was aber viele vergessen: In den letzten 10 Jahren bedeute die Insolvenz in mehr als 340.000 Fällen den Beginn eines lang andauernden, oftmals peinlichen Leidenswegs. Sowohl für die Schuldner, zu meist Unternehmen des breiten Mittelstandes, die nun öffentlich ihre Zahlungsunfähigkeit bekunden mussten als auch für die Gläubiger, vielfach große und kleine Banken. Diese wurden gefragt, warum sie häufig nur allzu großzügig Kredite vergeben und die unternehmerische Krise nicht verhindert hatten.

Und noch eines sagt die Statistik: Die durchschnittliche Schadenssumme pro Insolvenz lag 2010 bei rund 0,8 Millionen Euro nach immerhin 1,9 Millionen Euro im Jahr 2009. Aber die Quote der Insolvenzgläubiger betrug im Durchschnitt weniger als vier Prozent. Da kann man sich des Eindrucks nicht erwehren, dass hier bereits zuvor das Vermögen der Schuldner aufgezehrt wurde und somit erhebliche Potenziale ungenutzt blieben. Dies wird auch künftig so bleiben, wenn nicht neue Wege zur finanziellen Restrukturierung von existenziell bedrohten Unternehmen gefunden werden.

Vorreiter Staatsverschuldung

Die westlichen Industrienationen hatten in den achtziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts durch massive Umschuldungsbemühungen und hohe Forderungsverzichte die Pleiten mehrere lateinamerikanischer Länder wie Argentinien, Mexiko und Brasilien verhindert. Danach war es weltweit lange Zeit ruhig geblieben, wenn es um das Thema Staatsbankrott ging. Inzwischen wird im Euro-Raum offen darüber diskutiert, dass zumindest Staaten wie Griechenland und Irland dringend eine Umschuldung, ja vielleicht sogar eine Halbierung ihrer schwer drückenden Schuldenlast brauchen. Griechenland beispielsweise wird Ende 2012 mit mehr als 150 Prozent der jährlichen Wirtschaftsleistung verschuldet sein und die zu leistenden

Zinszahlungen entsprechen dann fast 10 Prozent einer künftig wohl noch weiter schrumpfenden Produktionsleistung. Dies sind Finanzrelationen, bei denen jeder mittelständische Unternehmer unweigerlich Insolvenzantrag stellen müsste.

Insolvenzplanverfahren und Eigenverwaltung sind gescheitert

Mit der im Jahr 1999 durchgeführten Reform des Insolvenzrechts waren auch große Hoffnungen verbunden, durch Einführung von Insolvenzplanverfahren und der Möglichkeit der Eigenverwaltung die Fortführungschancen insolventer Unternehmen zu erhöhen. In den letzten Jahren ist aber nur eine geringe Anzahl von tatsächlich durchgeführten Insolvenzplanverfahren festzustellen. In den USA wird immerhin in rund 25 Prozent aller Insolvenzfälle ein Insolvenzplan erstellt. In Deutschland sind es gerade einmal knapp zwei Prozent – von denen dann am Ende auch nur ein Teil tatsächlich erfolgreich umgesetzt werden kann. Noch geringere Bedeutung haben bis heute die Eigenverwaltungen, deren Quote bei deutlich unter ein Prozent liegt.

Was sind nun aber die Komponenten einer erfolgreichen außergerichtlichen finanziellen Restrukturierung? Welche Hindernisse müssen bei Umschuldungen aus dem Weg geräumt werden? Die Vorgehensweisen bei staatlichen Umschuldungen lassen sich auch auf die Krisenpraxis bei mittelständischen Unternehmen übertragen und gemeinsam mit eigenen Erfahrungen zu fünf Erfolgskomponenten zusammenfassen. Diese sind wichtig, damit der Start einer außergerichtlichen Umschuldungsverhandlung von den Gläubigern akzeptiert sowie der Umschuldungsplan in der Folge positiv begleitet wird. Dadurch erhöhen sich die Chancen einer nachhaltigen unternehmerischen Sanierung deutlich.

1. Positive öffentliche Meinung

Insolvenzen sind in Deutschland vielfach mit dem Stigma des Gescheiterten behaftet. Die Verfahren sind äußerst langwierig und meist unberechenbar, was immer wieder dazu führt, dass unternehmer- aber auch bankenseits viel zu oft versucht wird, Krisensituationen auszusitzen. Immer in der Hoffnung, ein gerichtliches Insolvenzverfahren doch noch umgehen zu können. Die Finanzminister im Euro-Raum sprechen inzwischen immer deutlicher und offener über das, was 2010 noch ein absolutes Tabu war: Umschuldungen und Forderungsverzichte hinsichtlich der den Mitgliedsstaaten Griechenland und Irland gewährten Krediten. Sie tun damit nichts anderes, als die breite Öffentlichkeit auf das Thema „Umschuldung“ schonend aber nachhaltig vorzubereiten. Auch Banker, Lieferanten und sonstige Gläubiger, die bei hoch verschuldeten mittelständischen Unternehmen oftmals kräftig und ungesichert

engagiert sind, müssen auf das Instrument der außergerichtlichen finanziellen Restrukturierung mittels Umschuldung und Forderungsverzichten früh- und rechtzeitig vorbereitet werden.

2. Offene Kommunikation und frühe Einbindung eines Kreditmediators

Zunächst gilt es, diejenigen insolvenzgefährdeten Unternehmen zu identifizieren, die im Kern noch gesund sind. Sie müssen unter der Voraussetzung einer finanziellen Restrukturierung über eine nachhaltige positive Fortführungsprognose verfügen. Hierzu zählen vor allem Unternehmen, deren positives Betriebsergebnis „nur“ über die Höhe der jährlichen Zinslast tief in die roten Zahlen rutscht. Oder Unternehmen, die zwar nach Zinsen noch ein schwarzes Ergebnis schreiben, aber liquiditätsmäßig nicht mehr in der Lage sind, den vereinbarten Tilgungsdienst für langfristig gewährte Darlehen zu erbringen. Bei solchen Adressen lohnt es sich, verstärkt Anstrengungen für eine umfassende Umschuldung vorzunehmen und diesbezügliche Hürden abzubauen. Hierzu bedarf es jedoch eines erfahrenen Kreditmediators, der unabhängig, unparteiisch sowie transparent und in offener sowie frühzeitiger Kommunikation mit allen Gläubigern ein umfassendes Konzept zur finanziellen Restrukturierung des Unternehmens vorlegt. Dieses Konzept muss Vorschläge beinhalten, die von allen Gläubigern akzeptierte werden und zu einer nachhaltigen Verringerung der Schuldenlast führen.

3. Aktive Verhandlung über die Schuldenlast mit Hilfe eines Kreditmediators

Die Höhe der Verschuldung und damit die vom Schuldner zu tragenden Zins- und Tilgungslasten können nur über drei Komponenten reduziert werden, die direkt mit den Gläubigern verhandelbar sind: 1) Streckung der Laufzeit, innerhalb derer Darlehen und Kredite ratierlich- oder endfällig zurückgezahlt werden müssen. 2) Verringerung des berechneten Zinssatzes oder 3) Reduzierung des Nennwertes der Forderungshöhe, was auf Gläubigerseite einen Forderungsverzicht bedeutet.

Eine Halbierung der künftigen Zinslast könnte, wie im Falle Griechenlands von Wirtschaftsexperten bereits gefordert, bei gleichem Nennwert der Gesamtforderung durch eine Halbierung des Zinssatzes erzielt werden. Der gleiche Effekt würde auch durch einen hälftigen Forderungsverzicht bei gleichbleibendem Zinssatz erreicht. Jährliche Tilgungslasten können zum Beispiel durch eine Verdoppelung der Rückzahlungslaufzeit halbiert werden. Die Wahl der geeigneten Instrumente oder deren Kombination muss aber immer einzelfall- und unternehmensbezogen sowie unter Berücksichtigung der von der Gläubigerseite gesetzten Prämissen ausgearbeitet werden.

4. Kürzere Verfahren mit weniger Bürokratie

Außergerichtliche finanzielle Restrukturierungen haben unter Einschaltung eines von Schuldner- als auch Gläubigerseite akzeptierten Kreditmediators frei ausgehandelte Umschuldungen, Forderungsverzichte oder Vergleichsregelungen zum Ergebnis. Dies führt sowohl zu einer erheblichen Entbürokratisierung der Verfahrensprozesse als auch der Gerichte. Des Weiteren sind solche Restrukturierungen auch in einem deutlich kürzeren zeitlichen Rahmen als im Regelinsolvenzverfahren durchzuführen. Gerade die oftmals lange Verfahrensdauer in der Insolvenz, bei denen drei- bis fünfjährige Abwicklungen keine Seltenheit sind, haben in der Vergangenheit immer wieder zu einem fast völligen Verzehr der bei Eröffnung der Verfahren noch vorhandenen Vermögenssubstanzen geführt. Und damit in vielen Fällen praktisch zu einem Totalausfall der Gläubiger.

5. Höhere Quoten durch außergerichtliche Sanierungsmediation

Bei frühzeitig und professionell durchgeführten außergerichtlichen Verfahren zur finanziellen Restrukturierung von angeschlagenen Unternehmen besteht die große Chance, für die involvierten Gläubiger deutlich höhere Quoten zu erzielen, als in einem nachgelagerten Regelinsolvenzverfahren. Dessen ungeachtet bietet die von erfahrenen Kreditmediatoren durchgeführte Sanierungsmediation auch die Möglichkeit, bestehende geschäftliche Partnerschaften auf niedrigerem Schuldenstand fortzuführen. Dies für die Gläubiger mit der Chance, durch spezielle Instrumente, wie beispielsweise Anteils- oder Genussscheine, auch an einer nachhaltigen Gesundung und Wiedererlangung der Profitabilität des Unternehmens zu profitieren.

Somit können durch eine außergerichtliche Sanierungsmediation die drei Kardinalfehler im Vorfeld einer jeden Insolvenz verhindert werden, die in der Vergangenheit fast immer zu völlig unbefriedigenden Quoten führten:

  1. Viel zu langes Warten und Hoffen auf Besserung,
  2. mangelnde Offenheit und Transparenz gegenüber den Gläubigern sowie
  3. eigene unternehmerische Passivität mit fehlenden Lösungsvorschlägen.

 

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