Sanierung und Restrukturierung Teil I

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Wenn in Mittelstandsunternehmen die aktuelle Finanzsituation nicht rechtzeitig erkannt wird, sind die Folgen oft weitreichend: Ergebnis- und Rentabilitätsziele können nicht gehalten werden. Sollten in dieser Zeit dann weitere ungeplante negative Ereignisse auftreten, hat das Mittelstandsunternehmen nicht mehr die Möglichkeit, aus eigener Kraft darauf zu reagieren. Eine Liquiditätskrise ist meist die Folge davon. Und schon stehen alle Gläubiger vor der Türe:

  • Kapitalgeber benötigen für eine fundierte Risikoabschätzung (Basel III) eine umfassende Unternehmensanalyse
  • Kreditversicherer mindern die Deckungszusage
  • Kunden verlangen höhere Lieferbürgschaften

Wird dieser Moment erkannt, müssen sich Mittelstandsunternehmen und Kapitalgeber Klarheit über die aktuelle Lage des Mittelstandsunternehmens verschaffen. Sanierungsgutachten schaffen durch die unabhängige Sichtweise Dritter Vertrauen und erhöhen so die Kooperationsbereitschaft aller Beteiligten.

Im Rahmen der Erstellung von Sanierungsgutachten wird festgestellt, ob ein Mittelstandsunternehmen in der Krise überhaupt sanierungsfähig ist. Dabei ist Thema:

  • Angemessenheit und Erfolgsaussichten des Sanierungskonzepts
  • Sanierungsfähigkeit des Mittelstandsunternehmens
  • Gegenwärtige und zukünftige Zahlungsfähigkeit
  • Überschuldung

Die Überschuldung ist nach § 19 InsO ein Grund für die Einleitung eines Insolvenzverfahrens. Zur Beurteilung einer möglichen Überschuldungssituation wird ein zweistufiges Verfahren angewendet:

  • Fortführungsprognose: Hier wird die Überlebensfähigkeit des Mittelstandsunternehmens beurteilt
  • Überschuldungsstatus: Hier wird das Vermögen den Schulden des Mittelstandsunternehmens zu einem bestimmten Stichtag gegenübergestellt.

Hierzu hat das Institut der Wirtschaftsprüfer in Deutschland e.V. eine allgemein gültige, von den Kreditinstituten anerkannte Vorgehensweise erarbeitet, das sog. IdW-S6-Gutachten, in der die einschlägige Rechtsprechung, insbesondere der des Bundesgerichtshofs, berücksichtigt wird. Das bedeutet

  • Transparenz und Klarheit in Krisensituationen,
  • Basis hierfür sind Management und Transparenzinformationen basierend auf einem leistungsfähigen Business Intelligence Tool
  • Konsens hinsichtlich tragfähigen und für alle Beteiligten akzeptable Problemlösungen zu entwickeln
  • Vertrauen schaffen durch proaktive Kommunikation hin zu der engagierten Kreditwirtschaft und den Kunden
  • Mittelstandsunternehmensrestrukturierung: Wenn alles auf dem Prüfstand steht

Umfangreiche Umbauten und Veränderungen im Mittelstandsunternehmen sind Chefsache. Die Mittelstandsunternehmensführung muss nicht nur Inhalte und Geschwindigkeit des Veränderungsprozesses vorgeben, sondern bei allen Unsicherheiten Mut sowie Perspektiven vermitteln und die Mitarbeiter motivieren. Neben Fachwissen und einer soliden Erfahrung im Restrukturierungskontext ist es gerade die Führungspersönlichkeit die drastische Veränderungen erst möglich macht. Äußere Einflüsse, Krisen oder Anstöße aus dem Mittelstandsunternehmen selbst sind die Auslöser für Veränderungen, dem sogenannten Change-Prozess.

Mögliche Treiber einer Restrukturierung:

  • Unternehmensmanagement: Handlungsbedarf aufgrund von Frühwarnindikatoren
  • Beratung: Externes Fachwissen zur Unterstützung
  • Interimmanagement: Zusätzlich engagierter, mit exekutiver Macht ausgestatteter Manager mit Restrukturierungserfahrung zur Schaffung klarer Perspektiven zur Entlastung des vorhandenen Managements
  • Überbrückung bei Generationswechsel oder Veränderungen der Eigentümerstrukturen

Wenn dann die klare Entscheidung gefallen ist, sich einer zwingend notwendigen Restrukturierung zu unterziehen, sollten gleich alle Aspekte aus Mittelstandsunternehmenssicht auf den Prüfstand gestellt werden:

Neben den operativen Kostensenkungsthemen müssen auch strategische Aspekte und finanzielle Aspekte auf den Prüfstand gestellt werden. Denn nur zeitgleich durchgeführte Maßnahmen wirken effizient und effektiv und garantieren damit die notwendigen Veränderungen im Mittelstandsunternehmen. Im Endeffekt wird dadurch Nachhaltigkeit gewährleistet.

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