Rating ist böse!?

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„Seitdem es Rating gibt, wird mein Kredit teurer“, „… wird es schwieriger, Kredit zu bekommen“, „… muss ich ständig meiner Bank berichten“ – solche Sätze berichten Unternehmer immer wieder. Und sie haben Recht! Aber ist das Rating deswegen „böse“?

Was genau ist „Rating“ eigentlich? Das Rating entscheidet darüber, wie eine Bank ihre Firmenkunden sieht. Es ist die Brille der Bank, mit der sie die Unternehmen durchleuchtet.

Das Rating ist ein statistisches Auswertungsverfahren, das quantitative und qualitative Kriterien sammelt und auswertet. Das Ergebnis gibt die Wahrscheinlichkeit an, mit der das geratete Unternehmen innerhalb einer bestimmten Zeitspanne in der Zukunft insolvent werden wird.

Eine Bank versucht also mit Hilfe des Ratings herauszufinden, wie „sicher“ der Kredit ist, den sie vergibt. Das ist legitim. Sie tut damit nichts anderes als jeder Unternehmer, der über ein Zahlungs­ziel für seine Kunden entscheidet – und dabei oft auf Einschätzungen von Auskunfteien oder seines Kreditversicherers zurückgreift.

Wie funktioniert das? Im Rahmen des Ratingverfahrens analysiert die Bank Daten, Zahlen und Informationen. Das Rating gliedert sich in zwei Bereiche:

- Im quantitativen Rating werden die Zahlen aus den letzten drei Jahresabschlüssen sowie die Entwicklung des laufenden Jahres ausgewertet, die so genannten harten Faktoren. Daraus werden Kennziffern und Tendenzen ermittelt.

- Im qualitativen Rating werden Angaben zum Unternehmen und Management, zu den Produkten und Kunden, zu Markt und Branche ausgewertet, die so genannten weichen Faktoren. Dabei wird die Qualität der einzelnen Bereiche mithilfe einer Punkteskala eingeschätzt.

Das quantitative Rating ermittelt Kennziffern, die die Vermögenslage (die Kapitalrelationen), die Ertrags­lage (die Erlös- und Kostensituation) sowie die Liquiditätslage (die Verschuldungs­relationen) beschreiben. Der Bewertende hat hierbei recht wenig Ermessensspielraum: er greift auf definierte Zahlen zurück; das Ergebnis ist „objektiv“.

Beim qualitativen Rating ist der Ermessensspielraum schon größer. Wie wird die Qualität eines Managements bewertet: wann ist es gut, wann sehr gut? Wie soll ein Banker beurteilen können, ob die Produktionsanlagen ausreichend sind? Wie der technologische Stand ist? Beim qualitativen Rating fließen daher auch, sicher ungewollt, viele subjektive Einschätzungen mit ein.

Die erforderlichen Informationen bekommt die Bank entweder vom Kunden, aus ihren eigenen Datenbanken oder durch eigene Recherchen. Hier gibt es einen Ansatzpunkt, das Rating für sich zu nutzen: Je mehr ratingrelevante Informationen der Kunde selbst an die Bank liefert, desto wahrscheinlicher erhält er eine angemessene Ratingnote.

Wie diese Informationen auszuwerten sind, ist in den unter dem Namen „Basel II“ bekannten Richtlinien durch die „Bank für internationalen Zahlungsausgleich (BIZ)“ geregelt. Große Abweichungen im Ratingergebnis dürfte es daher von Bank zu Bank „eigentlich“ nicht geben.

Am Ende des Verfahrens steht dann die Ratingnote. Diese drückt die Wahrscheinlichkeit des Kreditausfalls aus. Die Ratingprogramme tun dabei - sehr vereinfacht ausgedrückt - nichts anderes, als rückblickend zu ermitteln, wie oft Unternehmen mit vergleichbaren Kennziffern und Konstellationen in der Vergangenheit insolvent geworden sind – und rechnen dies für die Zukunft hoch.

Ergibt die Ratingnote dabei eine statistische Wahrscheinlichkeit eines Kreditausfalls von zum Beispiel 1,0% innerhalb der nächsten zwölf Monate, so bedeutet dies, dass bei den Kreditkonditionen dieser Prozentsatz auf die Zinsen aufgeschlagen werden muss. Außerdem schreibt Basel II vor, dass die Bank den Kredit mit umso mehr teurem Eigenkapital unterlegen muss, je risikobehafteter er ist. Ergo: je schlechter die Ratingnote, desto teurer der Kredit.

Nun soll man Statistiken ja nur bedingt trauen. Trotzdem sollte die Ratingnote ernst genommen werden: sie beruht auf Erfahrungen aus der Vergangenheit. Deckt das Ratingverfahren also Schwächen auf, so sollten diese abgebaut werden. Denn erfahrungsgemäß wird damit das eigene Unternehmen gestärkt. Und das freut nicht nur den Unternehmer, sondern auch die Banken: der Kredit ist leichter zu bekommen und billiger wird er auch noch.

Nutzt man das Ratingverfahren also für sich richtig, ist es nicht „böse“, sondern ein sinnvolles Instrument zur Stärken-/Schwächenanalyse des eigenen Unternehmens. Zugleich erleichtert es die Kommunikation mit den Kapitalgebern und den Zugang zu Finanzierungen.

Dazu muss man die Ratingnote aber nicht nur kennen, sondern auch wissen, wie sie zustande gekommen ist. Dies kann in einem Gespräch mit der Bank herausgefunden werden, für das viel Zeit eingeplant werden sollte. Noch hilfreicher ist es, man unterzieht sich selbst einem solchen Ratingverfahren: Dann ist das Ratingergebnis bekannt, bevor es die Bank weiß und man kann darauf reagieren.

Fazit: Richtig genutzt, ist das Ratingverfahren ein Erfolgsfaktor für das eigene Unternehmen.

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