Private Equity - Fluch oder Segen für den Mittelstand?

Private Equity

Private Equity-Gesellschaften, bekanntlich als Heuschrecken verschrien, genießen in der Öffentlichkeit seit Jahren nicht den besten Ruf. Kurzfristiges Denken gepaart mit einer Gier nach höchstmöglicher Rendite - so die Vorwürfe. In den vergangenen Monaten sind sie weiter negativ in die Schlagzeilen geraten, als im Zuge der Finanzkrise einige mit Private Equity finanzierte Unternehmen aufgrund hoher Verschuldungsgrade schneller in die finanzielle Schieflage gelangt sind. Beispiele hierfür sind die in der Presse diskutierten Insolvenzen der Automobilzulieferer Edscha und Stankiewicz sowie des Modelleisenbahnbauers Märklin.

Aber: Sind Private Equity-Gesellschaften wirklich so schlecht wie ihr Ruf?

Natürlich müssen Private Equity-Gesellschaften hohe Renditen für ihr eingesetztes Investorenkapital erzielen; das muss jedoch nicht im Konflikt mit den Zielen des zu finanzierten Unternehmens stehen. Der Einstieg von Private Equity-Gesellschaften kann für die finanzierten Unternehmen langfristig auch positive Auswirkung haben.
Dies belegt eine aktuelle Studie von Wissenschaftlern der Universität Bonn, München und Aberdeen. Dabei wurde die Situation bei mit Private Equity finanzierten, deutschen Unternehmen vor und nach Einstieg der Finanzinvestoren verglichen und festgestellt, dass sowohl der Unternehmenswert als auch die Mitarbeiterzahl gestiegen sind . Zum gleichen Ergebnis kommt auch eine erste Analyse einer vom Bundesverband Deutscher Kapitalbeteiligungsgesellschaften (BVK) zur Verfügung gestellten Transaktionsdatenbank, welche die deutschen Transaktionen der großen, internationalen Private Equity-Gesellschaften seit 1997 erfasst. Seit dem Einstieg der Private Equity-Gesellschaften konnten die in der Datenbank erfassten deutschen Unternehmen ein durchschnittliches Umsatzwachstum um knapp 16 % verzeichnen, während die Mitarbeiterzahl durchschnittlich um 4 % anstieg.
Die Gründe für diese positiven Ergebnisse liegen in der aktiven Beteiligung der Private Equity-Gesellschaften an der Unternehmensführung der finanzierten Unternehmen und dem Einsatz ihrer erfahrenen Manager im operativen Geschäft. Sie verfügen oft über industrielles und operatives Know-how, Restrukturierungserfahrung und Kompetenz im Bereich Effizienz- und Produktivitätssteigerung. Gerade in der aktuellen Wirtschaftskrise kann dieses Wissen Unternehmen retten.

Sind Privat Equity-Gesellschaften also nun Fluch oder Segen?

Natürlich gab es in der Vergangenheit der Private Equity-Branche auch einige "schwarze Schafe", die den Unternehmen unangemessen viel Liquidität entzogen und damit die Entwicklung des Unternehmens aktiv gefährdeten. Diese müssen nun aufpassen, dass sie nicht auf der Strecke bleiben, denn:

Der Private Equity-Branche steht eine Marktbereinigung bevor. Die kurzfristige Erzielung von hohen Renditen durch schnelle Käufe und Verkäufe mit hohen Fremdkapitalanteil wird aufgrund des aus der Finanzkrise resultierenden Kreditengpasses in naher Zukunft nicht mehr möglich sein. Dagegen werden sich die Private Equity-Gesellschaften durchsetzen, die ihre Stärken in der Restrukturierung, in der Verbesserung von Abläufen und in der Aufdeckung von Kostensenkungspotentialen haben. Langfristige Orientierung gepaart mit einer angemessenen Verschuldung werden zukünftig der Schlüssel zum Erfolg sein.

Somit könnte die Finanzkrise die langfristige Orientierung von Private Equity-Gesellschaften fördern und damit die ohnehin schon erkennbaren vorteilhaften Auswirkungen auf die mit Private Equity finanzierten Unternehmen verstärken. Positiv anzumerken ist weiterhin, dass in der Vergangenheit Private Equity-Gesellschaften oft die einzige Möglichkeit für mittelständische Unternehmer waren, eine geregelte Unternehmensnachfolge vorzunehmen.

Den richtigen Transaktionspartner finden

Mit der Suche nach geeigneten Investoren und Kontaktaufnahme sollte frühzeitig begonnen werden. Bis der richtige Partner gefunden ist, vergehen in der Regel mindestens sechs Monate - in einzelnen Fällen kann es auch zwei bis drei Jahren dauern. Um die richtigen Käufergruppen zu identifizieren, ist es wichtig, die Ausgangssituation zu analysieren, in der sich das Unternehmen vor dem Verkauf befindet. Darüber hinaus müssen die wesentlichen Anforderungen zur Erhaltung der Zukunftsfähigkeit mit in die Betrachtung einbezogen werden. Aufbauend auf diesen Erkenntnissen können nun gezielt die richtigen Transaktionspartner identifiziert und angesprochen werden. Ob dies dann Finanzinvestoren, strategische Investoren oder MBI/MBO-Kandidaten sind; jede Käuferkategorie hat ihre Vor- und Nachteile.

seneca Corporate Finance GmbH: Übersicht über die Vor- und Nachteile der Investorengruppen

Artikel weiterempfehlen»

Kommentare

Kommentar schreiben