Personalnetworking via Talentpools – durch Empfehlungen die besten Köpfe akquirieren

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Das Phänomen des Fachkräftemangels bewegt die Gemüter. Kaum eine Woche vergeht, in der nicht in irgendeiner Region Deutschlands eine Podiumsdiskussion zum Thema abgehalten wird, Verbandssprecher für ihre jeweilige Branche einen Mangel an Fachpersonal deklarieren und Experten diesen Umstand mit Zahlen untermauern. Das Problem betrifft nahezu alle Branchen und Regionen, gleichwohl in jeweils unterschiedlicher Weise. Ursachen für die Problemlage sind vielfältig und lassen sich nicht bloß durch die demografische Entwicklung begründen. Letztere führt uns allerdings die Notwendigkeit zu innovativem Handeln vor Augen: Es geht um das Ausschöpfen von Möglichkeiten, um Wachstum sowie um Modernisierung. Effektive Lösungsansätze zur Personalgewinnung müssen flexibel sein, bedürfen keinen langen politischen Vorlauf und bringen multilateral Benefit.

Wer initiiert?

Klagen in einer Region ansässige Unternehmen einer Branche vermehrt über unbesetzte Fachkräftestellen und ausbleibende Bewerbungen, besteht sofortiger Handlungsbedarf. Die Praxis des Personalnetworking stellt ein unbürokratisches und kostengünstiges Instrument für Personaler dar, geeignete Kandidaten für offene Posten zu finden. Die Vernetzung geschieht anhand von internetbasierten Talentpools. Verschiedene Institutionen treten hierbei als Initiatoren auf: Gemeinden und Großstädte, Wirtschafts- und Branchenverbände, Clusterinitiativen, Industrie- und Handelskammern. Sie bilden als Träger ein Dach für teilnehmende Unternehmen, von deren Input wiederum der Pool lebt.

Funktionsweise der Talentpools

Wenn Firmen einen Kandidaten einstellen, steht dahinter meist ein teurer und zeitintensiver Prozess geprägt von vielen Tests, Assessment-Centern und Einzelgesprächen. Die meisten Bewerber bleiben am Ende von einstellenden Unternehmen unberücksichtigt, obwohl ihr Potential entdeckt wurde. Wie geht ein Bewerber mit einer Absage um? Im positiven Fall hat er sich bei anderen in der Region heimischen Firmen beworben, die das kostenaufwändige Einstellungsprozedere wiederholen. Im negativen Fall wendet er sich von der Region oder sogar der ganzen Branche ab. Doch die Branche braucht ihn! Ist das Unternehmen allerdings in einen Talentpool eingebunden, lädt es den vielversprechenden, leider überzähligen Kandidaten per eMail in den Pool ein und stellt die wertvollen Erkenntnisse aus dem Einstellungsprozess anderen branchen- und regionalverwandten Firmen zur Verfügung. Wöchentlich erhalten die Personaler Updates über neue Talente, die in den Pool eingeladen wurden. Die Pflege des Profils obliegt gänzlich dem Jobsuchenden. Antwortet er nicht auf automatisierte Aktualitätsabfragen, folgt die Stornierung seines Profils, so dass nur relevante Kräfte für die Firmen ersichtlich sind.

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Keiner verliert

Unternehmen unterstützen sich bei der Personalfindung gegenseitig, was besonders innerhalb von Clustern oder Zuliefererbeziehungen wichtig ist. Auch Firmen, die diese Idee als zu konkurrenzfreundlich betrachten, sollten perspektivisch denken. Monate oder Jahre später ist die mittlerweile höher qualifizierte und erfahrene Fachkraft möglicherweise relevant. In diesem Fall hat sie das einstmals ablehnende Unternehmen durch seine Empfehlung in positiver Erinnerung behalten und ist in der Region verblieben. Gemeinden, Städte und Verbände profitieren von der Stärkung des Standortes. Und der Bewerber kann sich mittels des Talentpools mit seinem Profil gleichzeitig bei sehr vielen Betrieben präsentieren. Mehrwerte entstehen dadurch auf allen Seiten.

Lehrende als Mentoren

Der Ursachenkomplex für den Mangel an höher qualifizierten Fachkräften beginnt bereits in der Schulbildung und setzt sich an den Universitäten fort. Jugendlichen fehlt oftmals Orientierung und auch die nötige Qualifikation. Bei Studierenden besteht nur selten die Motivation, mit ihren Kompetenzen gerade die Unternehmen in der Region ihres Studienortes zu unterstützen. Es ist ein langer Weg, bis signifikante Schritte von der Politik eingeleitet und implementiert werden. Konzerne und KMUs treten diesen Tendenzen mit mehr Engagement in den Schulen und Universitäten entgegen: Sie forcieren eine bessere Vernetzung mit Lehrenden. Pädagogen und Professoren bekommen während ihrer mehrjährigen Begleitung von Nachwuchskräften ein gutes Gespür für deren Leistungsfähigkeit sowie Schlüsselqualifikationen. Durch die Vernetzung im Rahmen eines Talentpools sind sie imstande, als Mentoren zu fungieren und die Profile der Talente mit Referenzen zu bereichern oder diese gezielt für spezifische Berufsbilder zu empfehlen. Unternehmen und Universitäten profitieren beidseitig davon, wenn auf diese Weise Studierende erfolgreich in Praktika oder Absolventen in ihre erste Anstellung vermittelt werden.

Fazit

Das Konzept zeitgemäßen Personalnetworking findet in Internet-Talentpools statt. Angestoßen von Verbänden, Gemeinden oder Clusterinitiativen empfehlen Unternehmen in den Pools wertvolle Fachkräfte und Nachwuchstalente, zu deren Akquirierung ihnen die Kapazität fehlte. Doch die kostbaren Resultate des Einstellungsprozesses, angereichert durch Eingaben von Mentoren, stehen nun anderen am Talentpool teilnehmenden Unternehmen zur Verfügung. Durch das einfache System und Design der Talentpools lassen sie sich schnell auf die Bedürfnisse eines spezifischen Verbandes oder einer Region zuschneidern.

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