Neue Ansätze zur Finanzierung von mittelständischen Unternehmen in der Restrukturierung

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Nicht nur in Zeiten von Konjunkturschwäche, auch in Boomzeiten finden sich immer Unternehmen, bei denen erheblicher Restrukturierungsbedarf besteht. Ohne kurzfristige Gegensteuerung ist der Insolvenzantrag oft logische Folge. Unternehmer wie Hausbank haben daher ein konkretes Interesse, diese Abwärtsspirale zu stoppen.

Auch die Restrukturierung von mittelständischen Unternehmen ist in den vergangenen Jahren deutlich anspruchsvoller geworden. Übliche Maßnahmen wie die Überarbeitung des Marktauftritts, Sortimentsbereinigungen, Personal- und Sachkostensenkungsprogramme, Desinvestitionen oder Kapitalerhöhungen reichen oft nicht mehr aus oder sind in der Kürze der Zeit nicht realisierbar. Vielmehr sind insbesondere in der Finanzierung neue Ansätze zu berücksichtigen. Das nachfolgende Fallbeispiel stellt einige dieser Instrumente beispielhaft vor.

Das traditionsreiche Familienunternehmen Müller GmbH & Co. KG besteht seit 150 Jahren und ist bundesweit Nr. 3 im relevanten Marktsegment. Es erzielt mit 300 Mitarbeiter rd. 40 Mio. € Jahresumsatz und steht in einer schon Jahrzehnte währenden Verbindung mit einer örtlichen Bank. Insbesondere aufgrund erheblicher Managementdefizite, einer missglückten familieninternen Nachfolgeregelung, einer komplexen Standortsituation und fehlender Eigenmittel der Unternehmerfamilie stand das Unternehmen kurz vor der Zahlungsunfähigkeit.

In Ergänzung zu umfangreichen operativen Sanierungsmaßnahmen zur Verbesserung der Ertragssituation hat die auf den Mittelstand spezialisierte Unternehmensberatung Bayern Consult neue Instrumente zur Verbesserung der Finanzierungssituation des Unternehmens eingebracht. Hierzu zählten insbesondere die Aktivierung und Einbringung der vom Unternehmen geführten Marke, die Einrichtung einer Doppelnützigen Treuhandlösung für die Mehrheit der Kommanditanteile, die Gewinnung der Belegschaft für Mitarbeiterdarlehen sowie die Realisierung eines Immobilien-Leasings für den neuen Unternehmensstandort, an welchem alle bisherigen Standorte zusammengeführt wurden.

Aktivierung und Einbringung von Marken

Die Müller GmbH & Co. KG verfügt über eine starke Marke mit hoher Bekanntheit bei den Zielkunden. Bisher blieb die Marke für Finanzierungszwecke ungenutzt. Im Rahmen einer Markenbewertung nach IDW-Standard konnte ein Markenwert von rd. 4 Mio. € festgestellt werden. Die Marke wurde in eine eigene Gesellschaft eingebracht, die wiederum als Beteiligung steuerneutral aktiviert wurde. Durch Abtretung der Marke als Sicherheit an die Hausbank konnte die notwendige Standortverlagerung teilweise finanziert werden.

Doppelnützige Treuhandlösung

Da Veräußerungserlöse und Einbringung der Marke zur Finanzierung des neuen Standorts nicht vollständig ausreichten, wurde die Unternehmerfamilie zur Bereitstellung zusätzlicher Mittel aufgefordert. Diese konnte die Familie weder privat noch über Dritte kurzfristig leisten. Um die unaufschiebbar notwendige Standortzusammenlegung dennoch zu realisieren, wurden 80% der Kommanditanteile im Rahmen einer doppelnützigen Treuhandvereinbarung an einen von Unternehmen, Familie wie Banken vollkommen unabhängigen Treuhänder übertragen. Die Hausbank übernahm die Verhandlung und Umsetzung dieses Prozesses unter Einbindung der anderen beteiligten überregionalen und ausländischen Banken. Vereinbart wurden insbesondere die Laufzeit der Treuhandlösung, Optionen zu ihrer vorzeitigen Auflösung durch frühzeitige Schuldentilgung (Best Case) und die Parameter, unter denen das Investorenszenario (Worst Case) ausgelöst wird. Der regelmäßig tagende Treuhandausschuss bestand aus Vertretern der Gesellschafter, des Managements, der Banken und der Berater. Ein enger und zeitnaher Informationsaustausch ist somit gesichert. Auch das Thema Nachfolge wurde über dieses Gremium gelöst.

Mitarbeiterdarlehen

Betriebsrat und Belegschaft der Müller GmbH & Co. KG konnten in mehreren Informationsveranstaltungen überzeugt werden, einen Beitrag zur Stabilisierung des Unternehmens zu leisten. Die Belegschaft wandelte schließlich ihre Ansprüche aus dem Weihnachtsgeld des aktuellen Jahres in ein endfälliges Mitarbeiterdarlehen mit einer Laufzeit von drei Jahren um. Zur Ermittlung des Zinssatzes wurde die Hausbank als „Dritter“ aufgefordert, einen Referenzzins zu nennen, auf den sich dann Belegschaft und Geschäftsführung einigten.

Immobilien-Leasing neuer Standort

Mit den genannten Instrumenten konnte letztlich die notwendige Bonitätsverbesserung zur Realisierung eines Immobilien-Leasing-Modells für den neuen Standort erreicht werden. Insbesondere begleitende Leistungen wie ein Baumanagement entlasteten das neue Management des Unternehmens erheblich bei der Realisierung des Neubaus und ermöglichten die Fokussierung auf die Umsetzung der operativen Restrukturierungsmaßnahmen. Die Refinanzierung erfolgte durch die Hausbank.

Die hier vorgestellten Finanzierungsinstrumente haben entscheidend zum erfolgreichen Verlauf der Restrukturierung und damit der Sicherung der weiteren Existenz der Müller GmbH & Co. KG beigetragen.

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