Mittelstand setzt verstärkt auf Finanzierungsmix

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Immer mehr Mittelständler setzen auf eine breite und flexible Finanzierungsbasis. Nach einer aktuellen Studie des Bundesverbandes Factoring für den Mittelstand BFM streben 45 Prozent der 1.400 befragten Unternehmen mehr Unabhängigkeit von ihrer Hausbank an. Einen Finanzierungsmix mit zusätzlichen Bausteinen, wie Beteiligungen, Factoring oder Leasing erachten 47 Prozent für sinnvoll. Welches Finanzierungsinstrument dem Unternehmer den größten Mehrwert bringt, ist abhängig vom Bedarf und der Firmenspezifika. Die neuen Bankenrichtlinien Basel III sorgen für Skepsis bei vielen Unternehmen. Basel III ist das Reformpaket für die bereits bestehende Bankenregulierung Basel II, als Reaktion auf die weltweite Finanz- und Wirtschaftskrise und die dort offengelegten Schwächen der bisherigen Regelungen. Die vorläufige Endfassung wurde im Dezember 2010 veröffentlicht, einzelne Aspekte befinden sich dazu noch in der Diskussion. Die Umsetzung soll schrittweise ab diesem Jahr erfolgen. Die Reformen setzen sowohl bei der Eigenkapitalbasis wie auch bei den Liquiditätsvorschriften an. Ziel ist die Schaffung der Balance zwischen einem stabilen Finanzsystem und der Vermeidung einer Kreditverknappung, außerdem jedoch auch die Begrenzung und Reduzierung der Haftung der öffentlichen Hand und der Steuerzahler. 58 Prozent der Finanzentscheider im Unternehmen gehen im Zuge dieser Entwicklungen davon aus, dass sich die Kreditversorgung erschwert. Factoring kann für Unternehmen eine gute Ergänzung der Finanzierung sein, um sich vom Kreditmarkt unabhängiger zu machen. Der Kunde erhält schnelle und fortlaufende Liquidität durch den Forderungsverkauf und sichert Rechnungen gegen einen eventuellen Zahlungsausfall ab

Vorsorgen durch strategische Planung
Laut BFM hält heute bereits jeder zweite Entscheider Factoring für eine stabile Basis in der Unternehmensfinanzierung. Die aktuellen Zahlen des Deutschen Factoring-Verbandes unterstreichen die gestiegene Akzeptanz. Mehr als 17.100 Unternehmen setzen Factoring bereits ein, das ist eine Steigerung in Höhe von 17 Prozent gegenüber 2011 und Zeichen für die weitere Verankerung der Finanzierungsart im deutschen Mittelstand. Vor dem Hintergrund der aktuellen Entwicklungen wird die Bedeutung des Ratings, bei der die Bewertung der Bonität des Kreditnehmers das zentrale Element darstellt, weiter zunehmen. Ausführliche Unterlagen zu Planbilanzen, Planergebnisrechnungen, Liquiditätsplanungen und strategische Konzepte mit Informationen über Führungskräfte, Marktentwicklungen und Strategien des Unternehmens sollten Finanzierungspartnern regelmäßig zur Verfügung gestellt werden und fließen bei der Kreditvergabe als qualitative und quantitative Faktoren in das Rating ein. Verschiedene Studien haben ermittelt, dass bisher nur etwa 60 Prozent aller KMU regelmäßig ihre Gewinn- und Verlustrechnung oder Bilanz ihrer Bank vorlegen.

Unternehmen setzen auf mehrere Geldgeber
Viele Unternehmer möchten nicht mehr nur von der Hausbank abhängig sein und setzen auf ergänzende Lösungen bankenunabhängiger Institute. Die Beziehung zu einer einzigen Hausbank wird sich deshalb weiter aufweichen. Beim Factoring ergibt sich ein zusätzlicher Vorteil für die weitere Kreditfinanzierung. Die Forderungen scheiden aus der Bilanz des Unternehmens aus, was eine Bilanzverkürzung zur Folge hat. Die aus dem Forderungsverkauf resultierende Liquidität kann zum Abbau von Verbindlichkeiten genutzt werden, was der Eigenkapitalquote und Bilanzstruktur zugutekommt und das Rating verbessert. Die Verbesserung der Bewertung ist vor allem in der Tatsache begründet, dass das Unternehmen von Ausfallrisiken befreit ist, welche in den Außenständen stecken. Außerdem können Sicherheiten für die Inanspruchnahme von Kontokorrentkrediten freigesetzt werden. Dies kann gerade für mittelständische Unternehmen sehr wichtig sein. Mit einem verbesserten Rating können künftig auch die Kosten für die Kreditfinanzierung verringert werden.

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