Mit Cross-Industry Innovation systematisch neue Märkte erschließen

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Auch das produzierende Gewerbe setzt sich mit ähnlichen Herausforderungen auseinander. Einige Automobilhersteller bauen Überkapazitäten ab und ihre Aktivitäten im Gebrauchtwagenmarkt aus.

Märkte verändern sich. Und es entstehen kontinuierlich neue Märkte, welche Umsatzpotentiale bieten.

Grundlage solcher Entwicklungen können neben ökonomisch beeinflussten Verhaltensänderungen auch Trends wie der demographische Wandel sein. Bei einer Gruppe von älteren Verbrauchern steht zunehmend nicht mehr die technische Raffinesse sondern die Benutzerfreundlichkeit im Vordergrund.

Unternehmen, die sich auf diese Veränderungen einstellen und proaktiv ihre Kompetenzen in neuen Bereichen anbringen, können kurz- und mittelfristig durch Mehrumsätze und langfristig durch den Aufbau neuer Sparten profitieren. Doch wie findet ein Unternehmen eben jene Märkte und Industrien, welche zu den eigenen Kernkompetenzen und zum bestehenden Leistungsangebot passen?

Als eine neue Methode des Innovationsmanagements steht Cross-Industry Innovation zur Verfügung, welche die Erschließung neuer Märkte und Industrien systematisiert. So kann eine Uhrenmanufaktur ihre feinmechanischen Fertigkeiten möglicherweise in der Medizintechnik anwenden. Oder ein Zulieferer der Automobilindustrie erkennt seine Materialkompetenz, die neben der Automobilindustrie auch bei der Herstellung von Küchengeräten gefragt ist. Unter Cross-Industry-Innovation wird generell der Transfer von Know-how, Technologien oder Lösungsansätzen über Branchengrenzen hinaus verstanden. Diese Übertragung wird allerdings nicht dem Zufall überlassen, sondern folgt einem dreistufigen Prozess: Abstraktion, Analogiefindung und Adaption.

In der Abstraktionsphase wird zunächst die Fragestellung definiert und der Lösungsrahmen abgesteckt. Dabei sollte bewusst die Produktebene verlassen werden. Als hilfreich hat sich die Identifikation und anschließende Konzentration auf die eigenen Kernkompetenzen erwiesen. Alternativ können auch Kernmaterialien, Technologien oder bestimmte Problemlösungsansätze isoliert werden. Unabhängig von der Auswahl unterstützt ein gewisser Abstand von der bestehenden Leistungspalette den nachfolgenden Prozessschritt, die Analogiefindung. Denn bei zu geringer Abstraktion besteht die Gefahr, lediglich bekannte Lösungsansätze oder einfache Alternativen zu diesen zu finden.

In der zweiten Phase, der Analogiefindung, werden Ideen für neue Anwendungsfelder, Märkte oder Industrien generiert. Für diese Phase stehen neben anerkannten Kreativitätsmethoden auch analytische Vorgehensweisen wie beispielsweise Industrielisten zur Verfügung. Vielen Menschen fällt es schwer, ihre täglich genutzten Denkstrukturen zu verlassen und Neues zu denken. Kreativitätsmethoden dienen in diesem Zusammenhang als eine Art Leitfaden. Eine gute Vorbereitung und professionelle Moderation wirkt sich meist quantitativ und qualitativ auf das Ergebnis der Ideengenerierung aus.

In der letzten Phase, der Adaption, wird die Verwendung der in der vorangegangenen Phase generierten Analogien überprüft. In diesem Zusammenhang werden Ideen angepasst und letztendlich für die unternehmensinterne Umsetzung ausgewählt. Viele der Ideen für neue Märkte oder Industrien würden zwar grundsätzlich passen, entfallen aber aufgrund strategischer Überlegungen oder lassen sich nicht oder nur mit großem Aufwand für das Unternehmen einsetzen. Die Durchführung einer Risikoanalyse und erste Überlegungen zur Umsetzung mit Hilfe von strategischen Kooperationen können Unternehmen bei der Entscheidung über eine mögliche Umsetzung behilflich sein.

Zusammenfassend kann festgestellt werden, dass Cross-Industry-Innovation Unternehmen als Methode zur systematischen Eroberung neuer Felder und der Vervielfältigung eigener Kompetenzen eingesetzt werden kann. Dabei wird Cross-Industry-Innovationen ein höheres Potenzial für radikale Innovationen gegenüber Standardentwicklungen zugeschrieben. Das bedeutet, dass durch die Übertragung einer vorhandenen Kompetenz oder Technologie auf eine neue Industrie zumeist ein Produkt mit hohem Differenzierungspotential entsteht. Solche Produkte werden wiederum mit höheren Wachstumsraten und einem höheren Maß an Profitabilität assoziiert. Somit können durch Multiplikation vorhandenen Wissens und Könnens in fremde Gebiete Zusatzumsätze und überdurchschnittlich hohe Margen realisiert werden.

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Kommentare

  • Immer wieder spannend die Gedanken einer Expertin auf diesem Gebiet zu folgen. Ein Thema mit dem sich Hochschulen noch viel stärker auseinander setzten sollten.

    Jan-Erik Steuber am 21.11.2010 16:51

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