Interview zum Thema Working Capital

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mittelstandsdialog: Viele Unternehmen setzen bei der Finanzierung nicht mehr nur auf den klassischen Bankkredit, sondern sind offen für Alternativen oder Ergänzungen. Welche Möglichkeiten hat der Unternehmer denn, z.B. interne Liquiditätsreserven zu heben?

Fink: Es gibt eine lange Liste an Möglichkeiten. Neben den oftmals zitierten Schlagwörtern wie Factoring, und Sale-and-Lease-back sind beispielsweise ein simultaner Waren- und Rechnungsversand, Reduktion und sachlich angemessener Umgang mit Sicherheits- und Meldebeständen, Sortimentsbereinigung, Ausweitung der Zahlungsziele bei Lieferanten, straffes Forderungsmanagement und effizientes Mahnwesen, einige, bewusst unsystematisch aufgeführte Stellhebel. Die Deutsche Gesellschaft für Mittelstandsberatung (DGM) stellt allerdings immer häufiger fest, dass genau diese Vielzahl an Angriffspunkten zum Problem werden kann und den sprichwörtlich raschen „Angriff“ des Themas erschwert.

Die einfachsten Hebel bleiben dann meist ungenutzt: Fachwissen und Engagement von Mitarbeitern werden nicht richtig aktiviert oder organisatorische Defizite, intransparente Prozesse und konkurrierende Interessen verhindern eine Verbesserung des Situation. Entscheidend für die nachhaltige Erschließung der Liquiditätsreserven ist es daher – das zeigt eine Vielzahl von DGM-Projekten – echte Prozessverbesserungen zu erzielen.

mittelstandsdialog: Und welche Rolle spielt das Working Capital dabei?

Fink: In der Praxis stellt die DGM fest, was auch in Studien immer wieder bestätigt wird: nach wie vor haben viele Mittelständler Potentiale von bis zu zwei Monatsumsätzen oder mehr im Working Capital gebunden. Das Ausmaß überrascht. Denn seit zwei Jahren wird mit steigender Intensität in allen Wirtschaftspublikationen, Seminaren, runden Tischen und anderen Veranstaltungen über die Hebel berichtet, mit denen die Liquidität verbessert werden kann. Die Schwemme dieser Schulungs- und Weiterbildungsmaßnahmen scheint offensichtlich aber keine oder eine nur zeitlich begrenzte positive Auswirkung auf das Working Capital Management in den Unternehmen zu haben.

Es lässt sich immer wieder beobachten, dass es im Nachgang zu derartigen „Offensiven“ zwar zu einer kurzfristigen Absenkung des gebundenen Kapitals kommt, dass dieses jedoch bald wieder nach oben schnellt, meist noch höher als es zu Beginn war. Der sogenannte „JoJo-Effekt“ schlägt also auch auf diesem Gebiet zu. Woran liegt das? Eine nachhaltige Senkung des Working Capitals kann nur erzielt werden, wenn das Ineinandergreifen aller relevanten Prozesse richtig funktioniert, ein einfaches aber schlagkräftiges Regelwerk vorhanden ist, zielgenaues Controlling und Reporting die erforderliche Transparenz erzeugt und die beteiligten Mitarbeiter ihren damit verbundenen Aufgaben dauerhaft nachkommen. Schnellschüsse oder punktuelle Eingriffe verpuffen entweder oder führen, wie bereits beschrieben, zum gefürchteten JoJo-Effekt.

mittelstandsdialog: Auf Ihrer Homepage stellen Sie Unternehmen einen neuen Kapitalbindungs-Schnelltest zur Verfügung. Wie funktioniert dieser und welche Ergebnisse erhält der Interessent damit?

Fink: Unser Schnelltest funktioniert sehr einfach und bietet Unternehmen die Möglichkeit rasch, kostenlos und unverbindlich Ihre Konkurrenzfähigkeit im Hinblick auf die Kapitalbindung zu prüfen und Potentiale zu identifizieren. Nach Eingabe weniger Daten ermittelt der Rechner wo Ihr Unternehmen im Vergleich zum „Klassenbesten“ ihrer Branche und zum Branchenmedian steht. Durch diesen Benchmark gewinnen Unternehmen eine erste Einschätzung ihrer Situation. Um die Kapitalbindung dauerhaft zu senken muss ein gesamtheitlicher Ansatz verfolgt werden. Dabei steht zunächst die Sensibilisierung und Aktivierung der Mitarbeiter im Vordergrund, um eine sofortige Umsetzung der definierten Verbesserungsmaßnahmen ins Tagesgeschäft zu gewährleisten. Die Sicherung der Nachhaltigkeit wird durch Etablierung einer Regelkommunikation mit monatlichen Reviews sowie durch den Aufbau eines stringenten Reporting-Prozesses erreicht.

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