Innovieren kleine Firmen besser? – Innovationsmanagement in KMU

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In unserer heutigen Zeit herrscht ein gesellschaftlicher Konsens, dass Innovationen gerade für ein Hochlohnland wie Deutschland von entscheidender wirtschaftlicher Bedeutung sind. Sie sorgen für Vorteile im verschärften globalen Wettbewerb und helfen unseren hohen Lebensstandard nachhaltig zu sichern. Deshalb verwundert es auch nicht, dass für Unternehmen in einer Studie der Boston Consulting Group der Umgang mit Innovationen, das Innovationsmanagement, zu den Top Themen im Bereich „Organisation“ gehört (Roghé et al., Organisation 2015, Zeitschrift Führung + Organisation, 5/2009, S. 205).

Unser modernes Leben wird besonders nachhaltig durch Innovationen aus dem Bereich der Informationstechnologie geprägt und es ist allgemein bekannt, dass z.B. die Innovatoren um Bill Gates, die heute zu den reichsten Menschen der Welt zählen, ihre Tätigkeit in einer Garage begannen. Man hat daher das Gefühl, dass gerade kleine Firmen besser innovieren als große Firmen, in denen kreative und innovative Ideen oft an Hierarchien zu scheitern scheinen. Doch stimmt dieses Gefühl mit den Realitäten in der Unternehmenswelt überein?

Gemünden sieht in dem Postulat „eine alte Diskussion, die schon von Schumpeter mit seinen Kollegen vor dem zweiten Weltkrieg begann und zu der es keine klare Antwort gibt. Es wird aber immer noch intensiv darüber geforscht mit unterschiedlichsten Begründungen werden mal KMUs, mal Großunternehmen als innovativer angesehen.“ (Gemünden, Persönliche Mitteilung, 2009)

Die Entscheidung, wer nun erfolgreicher innoviert, hängt nach Gemünden von der Art der Innovation und vom Entwicklungsstand der Branche ab. Es konnte allerdings von Chandy & Tellis widerlegt werden, dass große Unternehmen oder Marktführer generell weniger radikale Innovationen hervorbringen (Chandy, R. K., & Tellis, G. J. (2000). The Incumbent's Curse? Incumbency, Size, and Radical Product Innovation. Journal of Marketing , S. 1-17).

Eine empirische Untersuchung des Innovationsmanagements von KMU der Dienstleistungsbranche (König, M. (2001). Forschungsbericht Nr. 8 zum Forschungsbericht zum Forschungsprojekt Innovationsmanagement für Dienstleister (KMU). FH Ludwigshafen: Kompetenzzentrum Innovation und Marktorientierte Unternehmensführung) kommt zu dem Schluss, dass große Unternehmen eher von der Notwendigkeit eines effektiven Innovationsmanagements überzeugt sind und in der Konsequenz besser innovieren. Im Vergleich zu den „Best-Practice“-Unternehmen nutzen kleine und mittelständische Unternehmen seltener die Werkzeuge des Innovationsmanagements und beschränken sich dann eher auf die einfachen Instrumente. Außerdem reagieren KMU in der Regel auf ihr Umfeld, statt es durch Aktion zu beeinflussen. Jeder Innovation muss eine Idee zugrunde liegen. KMU suchen in der Regel nicht systematisch nach solchen Ideen und am Ideenfindungsprozess sind meist nur unternehmensinterne Personen beteiligt, die oft auch noch herausragende Machtpositionen (Inhaber, Geschäftsführer, Abteilungsleiter) inne haben. Doch nicht nur hier verschenken KMU viele Möglichkeiten. Auch der Entscheidungsfindungsprozess im Rahmen des Innovationsmanagements ist oft unzureichend definiert und sorgt damit für einen ineffizienten Innovationsprozess. Im Gegensatz zu den bisher genannten Punkten resultiert einzig der letzte aus der Größe der KMU: Finanzielle Grenzen sind erwartungsgemäß ein häufiges Problem.

Ausgehend von dem oben zitierten Gefühl „Kleine innovieren besser!“ könnte der Leser jetzt vom Gegenteil überzeugt sein. Aber warum trumpfen trotz der beschriebenen Probleme im Innovationsmanagement KMU häufig bahnbrechenden Innovationen auf?

Die Antwort ist so einfach, dass sie schon fast banal klingt: Es kommt auf die Köpfe an! Qualifiziertes, motiviertes Personal ist ein wesentlicher Erfolgsfaktor für nachhaltiges Innovieren. Hier haben KMU alle Möglichkeiten durch kreative Gestaltung eines „arbeitenswerten“ Umfeldes auch exzellente Mitarbeiter zu gewinnen und das gesamte Personal in den Innovationsprozess zu integrieren. Moderne Formen der Mitarbeiterbeteiligung sind dabei nur ein Instrument im Werkzeugkasten des mittelständischen Unternehmers.

Größendefiziten, die sich im Mangel an Fachpersonal und finanziellen Ressourcen äußern können, können KMU begegnen, indem sie sich zu Netzwerken zusammenschließen. Jeder Partner bringt seine Exzellenz in das Netzwerk ein. So entwickelt die CUP Laboratorien Dr. Freitag GmbH innovative analytische Verfahren, die den Produkten eines mittelständigen Herstellers von Medizinprodukten zu einer Alleinstellung auf dem Markt verhelfen. Die Produkte wurden in Zusammenarbeit mit einer Hochschule entwickelt, werden auf Maschinen eines dritten KMU produziert und durch ein viertes vermarktet. In Abbildung 1 ist ein solches Innovationsnetzwerk schematisch dargestellt. Es können als Netzwerkpartner neben KMU und Hochschulen auch Forschungsinstitute, Industrieunternehmen und Berater eingebunden werden. Die Steuerung des Prozesses erfolgt durch den sogenannten „Innovationsaufsichtsrat“, der paritätisch aus den Innovationspartnern zusammengesetzt ist.


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Abbildung 1: Innovationsnetzwerke

Fazit

Die in der Überschrift gestellte Frage lässt sich also wie folgt beantworten: Es gibt keinerlei Anlass für KMU zu denken, dass sie nur aufgrund ihrer geringen Größe besser, leichter innovieren als große Unternehmen. In der Regel ist heute noch das Gegenteil der Fall. Aber KMU haben alle Trümpfe für erfolgreiches Innovieren in der Hand, denn Qualifikation, Kooperation und Organisation sind die Schlüssel zum Innovationserfolg. KMU müssen, durch den Vergleich mit den Best-Practice-Beispielen aus der Industrie, die eigenen Defizite erkennen, abstellen und konsequent die Vorteile ihrer geringen Größe nutzen.

 

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