Gerade jetzt?...wann dann?

Wirtschaftslage im Mittelstand

Beobachtungen und Gedanken zur aktuellen Wirtschaftslage im Mittelstand

Der Hype der wirtschaftlichen Entwicklung in den letzten Jahren war kaum zu übersehen. Euphorische Wachstumspläne, neue Umsatzrekorde und in vielen Unternehmen sehr gute Ertragsergebnisse ließen manche Phantasie ins fast Unendliche schießen. Investitionen in Gebäude, Betriebsausstattung, Produktionsmittel und nicht zuletzt eine lange nicht mehr dagewesene Einstellungswelle zusätzlicher MitarbeiterInnen machten schließlich auch die letzten schlechten Überraschungen um die Jahrtausendwende vergessen.
Doch plötzlich (oder eigentlich doch nicht?) kam es anders als geplant, erwartet, vermutet. Eine nüchterne Analyse der Ergebnisse der letzten Monate beherrscht das Tagesgeschehen. Im Stundentakt werden wir mit neuen Schockwellen überflutet und es scheint kein Ende in Sicht.
Es empfiehlt sich eine Pause des Besinnens - auf die Erfolgsfaktoren, die gerade den Mittelstand immer und immer wieder als dynamischen Wirtschafts- und Stabilitätsfaktor in den Aufs und Abs der ökonomischen Entwicklungen ausgewiesen haben.

Rückbesinnung auf alte Werte

Um was geht es? Mittelstand steht für Kontinuität, Innovation, Zuverlässigkeit und Partnerschaft. Verlässlichkeit und Durchhaltevermögen gerade in turbulenteren Zeiten sind Attribute, die sich nicht ohne weiteres kopieren lassen. Es gelten weiterhin und gerade jetzt die Werte und Gesetze, die sich der einzelne Mittelständler - möglicherweise schon über mehrere Generationen hinweg - auf seine Unternehmensfahne geschrieben hat. Der Unternehmer, der aus eigener Initiative und Überzeugung permanent gefordert ist, etwas Sinnvolles und Erfolgversprechendes zu unternehmen ? in voller Verantwortung für sich, aber gerade auch für seine "Mitarbeiterfamilie"- wird jetzt die ?etwas ruhigere Zeit? nutzen, gerade das nachzuholen, was er möglicherweise in der "hitzigen Phase" ein bißchen ans Ende der Agenda gestellt hat: Durchforsten wichtiger Prozesse, genauere Analyse der Kundenstruktur und deren Margenbeiträge, Kosten und Margen einzelner Produkte oder Dienstleistungen, Bereinigung eines langjährig gewachsenen Produktsortiments, Reduzierung der Kapitalbindung durch zu hohe Lagerbestände, Erhöhung der Liquidität durch verbessertes Forderungsmanagement, Einführung alternativer Finanzierungsformen wie Factoring oder Leasing, Überprüfung der wichtigsten Vertriebs- und Marketingaufwendungen hinsichtlich ihrer Beiträge zu Umsatz und Ertrag, Definition wichtiger Steuerungs- und Finanzkennzahlen, Weiterbildung des Personals im Hinblick auf künftige Anforderungen, Überarbeitung der Kommunikationswege, kritische Beleuchtung der Unternehmenskultur, Bewertung von Risikofaktoren, Aktualisierung der Personalplanung, Vorbereitung und Durchführung von Organisationsveränderungen, Überprüfung und gegebenenfalls Änderung der Kapitalausstattung (Bankdarlehen, Kreditlinien, Eigenkapital) ... und nicht zuletzt "die Weichenstellung für die Zeit der nächsten Generation".

Mit Visionen in die Zukunft starten

Die Phase der Beruhigung der aktuellen Krise, Stabilisierung und Einleitung eines neuen Anlaufens für den so innig ersehnten Aufschwung wird vielleicht ein bisschen länger dauern, als uns allen lieb sein kann. Doch sind es die Unternehmen und vor allem die Unternehmer, die dies am ehesten beeinflussen können durch klare Gedanken, konkrete Entscheidungen über realistische Ziele und Umsetzung geeigneter Maßnahmen zu deren Erreichung, Bereitschaft für Neues und Abschaffung überflüssigen Ballastes. Das Bauchgefühl kann helfen, zumindest einiges zu hinterfragen. Fakten lassen sich aber nicht einfach eliminieren. Es gibt überall noch Reserven, die in den Feldern der bisherigen Stärken noch brach liegen. Die unverwechselbare Identität bisheriger Erfolge ist eine stabile Plattform für das, was jetzt kommen kann und muss, um das Unternehmen mit einer klaren Perspektive, dem Engagement der Mitarbeiter und dem Herzblut des Unternehmers (wieder) in ein gutes, nicht unbedingt ruhiges Fahrwasser zu steuern.

Die Märkte und das wirtschaftliche Umfeld werden sich in einzelnen Branchen gewaltig verändern: Konsolidierung in bestimmten Wirtschaftszweigen, verschärfter Wettbewerb, kürzere Produktlebenszyklen durch zunehmende Innovation, Aufkommen neuer Technologien, noch mehr globale Vernetzung, Budgetrestriktionen, Kosten- und Preisdruck. Die Mehrzahl der Märkte wird nicht verschwinden, sie werden sich aber neu formieren. Wer jetzt die Fühler ausstreckt, bisherige vertrauensvolle Partnerschaften pflegt oder sogar ausbaut, neue Kooperationen sucht und eingeht und vor allem überzeugt ist, dass die eigene Vision eine gute Zukunft haben wird, wird als Gewinner aus dieser Phase herausgehen.

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