Führungskompetenz schafft Wettbewerbsvorteile

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Kleinere und mittlere Unternehmen (KMU) leiten ihre Wettbewerbsvorteile verstärkt aus so genannten soft skills ab: Die Qualität der Zusammenarbeit mit Kollegen und Vorgesetzten sowie ein förderliches Betriebsklima wirken sich positiv auf Motivation und Leistungswillen der Mitarbeiter aus. Das sind alles personenbezogene Faktoren, in denen Vertrauen eine wesentliche Rolle spielt. Allerdings: Der gezielten Förderung von Führungskompetenz kommt in KMU meist geringe Bedeutung zu, wird Personalführung hier doch häufig allein dem „gesunden Menschenverstand“ überlassen.

Dabei entscheidet die Qualität von Führung über die Wettbewerbsfähigkeit von Unternehmen. 2009 zeigte die Gallup-Studie, dass nur 11% aller Mitarbeiter sich emotional mit ihrem Unternehmen verbunden fühlen, 66% machen Dienst nach Vorschrift. Geradezu erschreckend: Fast jeder Vierte hat innerlich gekündigt. Mitarbeiter, die nicht motiviert sind, die sich nicht mit ihrem Unternehmen identifizieren, sind in der Regel keine Leistungsträger und setzen sich wenig für das Wohl ihres Unternehmens ein.

Motivation von Menschen ist jedoch ein Ergebnis guter oder schlechter Führung: Chefs, die die Bedürfnisse ihrer Mitarbeiter ignorieren, die keine Anerkennung geben oder sich schlichtweg nicht für ihre Mitarbeiter interessieren, sind die am häufigsten genannten Gründe für das Desinteresse von Mitarbeitern an ihrer Arbeit.

Natürlich wird vom obersten Chef Führungskompetenz verlangt. Genauso wichtig sind aber auch die Führungskräfte an der Basis, die den Mitarbeitern viel näher stehen und in täglichem Kontakt mit ihnen sind. Denn Führungskraft ist jeder, der auch nur zwei oder drei Mitarbeiter hat. Mitarbeiter erwarten gerade von Führungskräften an der Basis, dass sie nicht nur „nett“ sind, sondern dass sie ihren Führungsjob ernsthaft wahrnehmen.

Führungskräfte lassen sich von Grundsätzen leiten

Als erstes braucht eine Führungskraft Grundsätze, die ihr tägliches Handeln leiten. Untersuchungen in erfolgreichen mittelständischen Unternehmen zeigen, dass Mitarbeiter motiviert und eigenverantwortlich arbeiten, wenn Geschäftsführung und Führungskräfte ihnen gute Arbeit zutrauen. Die gelebte Haltung, dass Fehler sein dürfen, weil alle daraus lernen können, befähigt Menschen, sich zu verbessern und nicht permanent auf der Stelle zu treten (und die gleichen Fehler immer wieder zu machen).

Erfolgreiche Unternehmen bekämpfen nicht die Schwächen ihrer Mitarbeiter, sondern nutzen und fördern deren Stärken. Sie schauen auf die Potentiale ihrer Mitarbeiter, nicht auf die Defizite. Mit der Folge, dass Mitarbeiter stolz auf ihre Leistung sind und daraus die Motivation ziehen, sich noch mehr einzubringen.

Gute Führungskräfte zeichnen sich dadurch aus, dass sie nicht mit ihren Mitarbeitern darum konkurrieren, wer die größte Fachexpertise im Team hat. Ein (Team-)Leiter, der seine Aufgabe darin sieht, alle Sachaufgaben besser erledigen zu können als seine Mitarbeiter, hat nicht nur seinen Führungsjob missverstanden. Er trägt auch wesentlich zur Demotivation seiner Mitarbeiter bei, die sich mit Recht fragen, warum sie sich noch anstrengen sollen, wenn der Chef ohnehin alles besser weiß. Führen heißt, offen sein für neue, auch ungewöhnliche Lösungen, die von den Mitarbeitern entwickelt werden. Führungskräfte sind also Generalisten, die andere befähigen, Spezialisten zu werden (statt dies selber sein zu wollen).

Führungskräfte kennen ihre Aufgaben

Führungsaufgaben umfassen – platt gesprochen – alle Tätigkeiten, die Mitarbeiter in die Lage versetzen, ihre Arbeit zielorientiert und wirksam zu erledigen.

Fähigkeiten, Stärken oder Interessen bringen Mitarbeiter in der Regel mit. Führungsaufgabe ist es, diese Fähigkeiten zu erkennen, richtig einzusetzen und weiterzuentwickeln. Führen bedeutet also, Mitarbeiter fördern (und fordern). Wem seine Mitarbeiter egal sind, wer sie nur aus der Personalakte „kennt“, der verschenkt wertvolles Potential für das Unternehmen, denn er weiß gar nicht, welche Potentiale in seinen Mitarbeitern schlummern.

Rund drei Viertel der Führungsaufgaben bestehen aus Kommunikation in vielerlei Formen: offizielle Mitarbeitergespräche, Small Talk, Arbeitssitzungen, situative Lob- oder Kritikgespräche. Nur in Gesprächen können Erwartungen geklärt und Ziele miteinander festgelegt werden. Unprofessionelle Führungskräfte schimpfen darüber, den ganzen Tag „ein Gespräch nach dem anderen“ geführt zu haben (und meistens haben sie sogar Recht, denn die Ergebnisse ihrer Gespräche sind mager). Gute Führungskräfte heißen Gespräche mit Mitarbeitern willkommen - weil sie in der Lage sind, Gespräche so zu strukturieren, dass diese zielorientiert und effizient sind, der Gesprächspartner aber dennoch als Person Beachtung findet. Führen ist also Beziehungsarbeit.

Führen bedeutet jedoch auch Planen, Entscheiden, Ziele setzen, Arbeitsbedingungen schaffen, Bewerten, Beurteilen, Visionen entwickeln. Das sind Kernaufgaben von Führungskräften. Darin sind viele Führungskräfte gut. Doch: All das geht nur mit den Mitarbeitern gemeinsam, nie gegen sie.

Führungskräfte können Führungsinstrumente anwenden

Die meisten Führungskräfteseminare haben ihren Schwerpunkt im Kennenlernen von Führungsinstrumenten: Delegieren, Besprechungsleitung, Leitfäden für formalisierte Mitarbeitergespräche, Lob und Kritik, Konfliktklärung, Projektmanagement, betriebswirtschaftliche Tools, Zeitmanagement und vieles mehr. Das ist gut so, denn Führen ist Handwerk, und Handwerk braucht solide Werkzeuge. Doch ohne die entsprechenden Führungsgrundsätze und ohne eine klare Vorstellung davon zu haben, welches Vorbild man selbst als Führungskraft geben will, bleiben die besten Werkzeuge wirkungslos.

Fazit

Gesunden Menschenverstand bei der Mitarbeiterführung einzusetzen ist wichtig. Unbedingt hinzukommen muss jedoch die kritische Reflexion des eigenen Führungsverständnisses und Klarheit darüber, welches Führungsverhalten wann hilfreich und zielführend ist. Insofern ist die Zeitinvestition in Fragen zum Thema Führung eine gute Investition in die Zukunfts- und Wettbewerbsfähigkeit des Unternehmens.

Foto: istockphoto

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