Fördermittel für Unternehmen – Die Finanzierung in der Krise oder die Krise in der Finanzierung oder beides?

Fördermittel im Unternehmen Detailbild Text

Ihr Unternehmen braucht dringend eine „Liquiditätsspritze“? Ihre Bank verlangt zusätzliche Sicherheiten? Die Anzeigen der Förderinstitute deuten an, dass es noch nie leichter war an Förderung zu kommen als jetzt.

Mit dem Jahr 2009 scheinen alle Vorgaben der Förderung verändert worden zu sein. Bisher galt, dass die Förderung die Finanzierung der erfolgreichen Unternehmen ist. Nun machen die Maßnahmenpakete I und II zur Abschwächung der Finanz- und Wirtschaftskrise all denjenigen Mut, die sich aufgrund schwacher Abschlusszahlen für das Jahr 2008 und dem schwachen Start im Jahr 2009 Hilfe in der Not von der öffentlichen Hand versprechen. Die ganzseitigen Anzeigen der öffentlichen Kreditinstitute in den Wirtschaftsmagazinen fordern zur Antragstellung auf. Doch was ist dran, an der „Fördermittel-Gießkanne“ zur Rettung aller in Not geratener Unternehmen?

Zuerst einmal muss zwischen Unternehmen in Schwierigkeiten[1] und anderen Unternehmen unterschieden werden. Unternehmen, die nach der Definition der EU Vorgaben in Schwierigkeiten sind, dürfen keine Förderung erhalten, die länger als sechs Monate läuft. Damit sind die avisierten Bürgschaften und Sonderprogramme für solche Unternehmen weiterhin nicht verfügbar.

Die Sonderprogramme und „Rettungsbürgschaften“ wurden die durch beiden Maßnahmenpakete des Bundes und der Länder vor allem für diejenigen Unternehmen geschaffen, die bisher einen Zugang zum Kapitalmarkt hatten oder durch Konsortialkredite.[2] Die Konditionen am Kapitalmarkt haben sich extrem verschlechtert (große Neuemissionen rentieren nicht selten bei neun Prozent pro Jahr) und die Konsortialkredite wurden dadurch eingeschränkt, dass Banken sich in der Bonität verschlechtert haben und sich nun mangels eigener Liquidität gegenseitig kein Geld mehr leihen. Die Sonderprogramme der KfW zielen genau auf diesen Bereich und sollen die liquide Lücke in der Finanzierung schließen.

In das Sonderprogramm 2009 wurde der Passus eingearbeitet, dass ein Unternehmen bestimmte Vorgaben erfüllen muss, auch wenn es derzeit in Renditeschwierigkeiten ist. Diese Renditeschwierigkeiten sollen eindeutig auf die Finanz- und Wirtschaftskrise und nicht auf Missmanagement zurück zu führen sein.

Dieser Umstand trifft tendenziell nicht auf kleinste[3] und kleine[4] Unternehmen zu, da diese vom veränderten Finanzgebahren der Kapitalgeber nicht direkt betroffen sind.

Die Diskussionen um die HRE[5], Opel, Porsche und Arcandor haben gezeigt, dass außergewöhnliche Förderung, also solche, die von den üblichen Regeln der Förderung abweichen dürfen, nur in sehr eng gesetzten Grenzen möglich sind oder einfach politisch gewollt sind. Für Unternehmen bis 500 Mitarbeiter ist hier kein Ansatz zu sehen, da diese weder als systemrelevant eingestuft werden, noch sich damit Wahlkampf machen lässt.

Unternehmensfinanzierung und damit auch die Unternehmensförderung ist zuerst eine Frage der Leistungsfähigkeit des Unternehmens und diese wird regelmäßig an der Kapitaldienstfähigkeit fest gemacht. Jeder zusätzliche Förderkredit belastet den Kapitaldienst in der Zukunft. Daher kann eine Überbrückungshilfe auch nicht zur Sanierung eingeplant werden, sondern nur zur Verteilung einmaliger Lasten auf einen längeren Zeitraum. Bei Zuschüssen ist das anders, aber diese wurde im Zuge der derzeitigen Krise nicht verändert.

Ein typischer Fall ist hier die Ausrichtung eines Unternehmens auf neue Märkte eines Automobilzulieferers. Dabei reduziert sich der Umsatz im Automotivbereich zugunsten einer Produktion im Photovoltaik Bereich. Während die Produktion als Automobilzulieferer ruckartig zurück gegangen ist, kann die freie Kapazität für den Aufbau der Lieferung im Bereich Photovoltaik aufgebaut werden. Das Ziel in die gleichwertige Produktion in beiden Bereichen. Dabei fällt schnell Liquidität aus dem Automobilgeschäft weg und es wird freie Liquidität für das Neugeschäft benötigt. Dazu kommt die Finanzierung der veränderten Produktion. Genau dafür wurde das KfW Sonderprogramm gemacht, das mit hohen Haftungsfreistellungen[6] Sicherheitenersatz schafft. Eine fehlende Kapitaldienstfähigkeit kann dadurch nicht ersetzt werden. Eine Finanzierung ist derzeit durchsetzbar, wenn das Unternehmen 30 Prozent und mehr Eigenkapital hat und der Kapitaldienst nicht größer ist als das Fünffache des Cash Flow[7] ist. Sind die Ausgangsbedingungen anders ist eine Finanzierung nur mit einem sehr erhöhten Vorbereitungsaufwand möglich. Dazu muss der mögliche Umsatz durch eine Detailanalyse aufgezeigt werden, die für Dritte nachvollziehbar ist.

Wer braucht wie viel Geld wofür?

Um für ein Unternehmen eine optimale Förderung zu erreichen, sind zuerst das Unternehmen und danach das Vorhaben zu analysieren. Von rund 2.800 Förderprogramm in 1.461 Richtlinien treffen rund 300 auf Ihren Standort zu, davon sind 50 für Ihr Unternehmen und 30 für Ihr Vorhaben, daraus sind 20 sinnvoll und 12 direkt einsetzbar. An dieser Stelle haben Sie Förderoptionen, die dreimal so hoch sind, wie Ihr Kapitalbedarf. Eine Förderung besteht aus der Kombination von 3 bis 6 Förderprogrammen.

Die notwendigen Angaben, um eine sinnvolle Reduzierung der Förderprogramme vorzunehmen, entnehmen Sie den Unterlagen, die Sie auf www.wabeco.de/kostenloseFoerdermittelpruefung.aspx finden. Je weniger Details Sie in der Planung berücksichtigen können, desto schlechter ist die Selektion der Förderung und umso schwieriger wird die Zuordnung. Wer einen Antrag stellen will, sollte wissen, welche Anträge auch durchgehen.

Fördermittel allein machen keinen Sinn!

Die Förderung ist eine Hilfe für Unternehmen, die erfolgreich am Markt agieren bzw. agieren können. Die aktuellen Publikationen zu den Maßnahmenpaketen I und II „vernebeln“ dieses Faktum leider. Kein Unternehmen bekommt eine Förderung ohne dass dieses die Vorgaben aus den Förderprogrammen erfüllt. Bei den Maßnahmenpaketen kann nun Unternehmen geholfen werden, die vor der Finanz- und Wirtschaftskrise rentabel waren und durch die Krise in eine Finanzierungsnot geraten sind. Es werden ausschließlich Performer gefördert, also Unternehmen, die mit keiner Rate im Rückstand sind.

Eine Förderung kann von Unternehmen erlangt werden, die die Bonitätsprüfung überstehen und einen Kapitalbedarf haben, der durch Förderprogramme abgedeckt wird. Alle anderen Unternehmen und Vorhaben erhalten keine Förderung.

Hiervon gibt es wenige Ausnahmen, wie die Existenzgründungsförderung, die für Unternehmen vorgesehen ist, die aufgrund der Neugründung keine Historie und somit auch keine Bonität haben.

Erst mal Zuschuss!

Wenn Sie sich für Förderung für Ihr Unternehmen interessieren, sollten Sie sich zuerst um die über 1.000 Zuschussprogramme kümmern. Wenn Sie sich als Unternehmer hier beraten lassen, dann bitten Sie Ihren Berater mal zehn Zuschussprogramme, die für Sie in Frage kommen könnten, zu benennen. Sie werden schnell merken, ob Ihr Gegenüber hier hilfreich sein kann.

Danach können Sie sich immer noch um all die rückzahlbaren Förderungen kümmern, die allerdings mit Finanzierungsprodukten von Banken und Beteiligungsgesellschaften konkurrieren.

Eine regelmäßige Überprüfung der Förderpotenziale des Unternehmens führt zu einer Reduzierung der Bilanzsumme, zur Erhöhung des absoluten Eigenkapitals und zu einer Verbesserung sowohl des operativen, wie auch des gesamten Betriebsergebnis. Damit werden die Liquidität (kurzfristig), der Gewinn (mittelfristig) und der Wert des Unternehmens (langfristig) verbessert.

Effekte von Förderung in einem Unternehmen:

  • Kostensparen: 25 - 60 Prozent der Investition
  • Eigenkapital schaffen: bis auf 70 Prozent der Bilanzsumme
  • Persönliche Haftung reduzieren
  • Zusatzsicherheiten schaffen
  • Unternehmenswert vervielfachen
  • Freie Liquidität erhöhen: bis 30 Prozent der Bilanz

Quelle: WABECO Subventionslotse®, Analyse aus 2.240 Förderungen der letzten fünf Jahre

Da die möglichen Fördereffekte sich teilweise wiedersprechen, sind die Finanzziele vom Unternehmen zu definieren und als Basis der Analyse der Förderung zu verwenden.

Darstellung Förderrichtlinien:

 

Bund

EU

Länder

Summe

Zuschüsse

189

88

729

1006

Darlehen

46

1

211

258

Bürgschaft

5

2

76

83

Beteiligung

5

2

75

82

Garantien

5

2

25

32

Summe

250

95

1116

1461

Quelle: WABECO Subventionslotse®, eigene Zusammenstellung

Die Anzahl der Förderrichtlinien ist derzeit 1.461. Davon sind mehr als zwei Drittel Zuschüsse. In einer Richtlinie stehen bis zu zwölf Förderprogramme.

Der Ablauf der Fördermittelbeschaffung

Die Antragstellung ist ein Verfahren mit einem stufenweisen Vorgehen. Nach Antragsabgabe des Unternehms erfolgt eine erste Prüfung, in der Regel innerhalb von einem Tag. Danach wird ein Konzept erarbeitet und abgestimmt. Die Antragstellung dauert dann, ja nach Programm, rund vier bis 17 Wochen. Der Erfolg liegt in der Kenntnis der Bewilligungsverfahren. Der Effekt von Vorkenntnissen liegt in der Verbreiterung der Bemessungsgrundlage und der Ermittlung des höchst möglichen Fördersatzes. Daraus wird die Förderung ermittelt (Bemessungsgrundlage mal Fördersatz).

Darstellung Finanzierungsbausteine:

  Finanzierungsbausteine  
  Unbesicherte Teile (Mezzanine)   Haftungsfreistellung   Ausfallbürgschaft  
  ERP-Innovations-programm Mittelstandsfonds Venture Fonds   KfW-Sonder-programm
Betriebsmittel
KfW-Sonder-programm Investitionen   Bankkredit Landes-bürgschaft  
10% Nachrang-darlehen
[10/7/10]
Stille Beteiligung
[10/10/10]
Stille Beteiligung
[7/7/7]
10% Haftungs-freistellung Haftungs-freistellung 10% Bankdarlehen Ausfall-bürgschaft 10%
20% 20% 20% 20%
30% 30% 30% 30%
40% 40% 40% 40%
50% 50% 50% 50%
60% 60% 60% 60%
70% Bankdarlehen
[10/2/10]
70% Bankhaftung 70% 70%
80% 80% 80% 80%
90% 90% 90% unbesichert 90%
100% 100% Bankhaftung 100% 100%

Quelle: WABECO Subventionslotse®, eigene Darstellung für NRW

Unbesicherte Teile (Mezzanine): Bei Nachrangdarlehen und öffentlichen Beteiligungen werden Teile der Finanzierung nicht besichert. Die Bankanteile in solchen Finanzierungen werden separat besichert. So kann das Bankrisiko durch Absicherung des Bankanteils beseitigt werden.

Haftungsfreistellung und Ausfallbürgschaft: Die Bankhaftung ist immer quotal. Die Beseitigung der Bankhaftung ist nur bei vollständiger Besicherung der Gesamtfinanzierung möglich. Die Haftungsfreistellung ist ein integraler Bestandteil des Förderdarlehens. Die Ausfallbürgschaft ist von der Refinanzierung (dem Förderdarlehen) getrennt. So können auch Bankdarlehen besichert werden.

Beschreibungen von Förderprodukten:

KfW-Sonderprogramm: www.foerdermittel.de/pdf/kfw-sonderprogramm.pdf

LfA-Bürgschaftsprogramm (als Beispiel einer Landesbürgschaft): www.foerdermittel.de/pdf/lfa-landesbuergschaft.pdf

[1] Leitlinie der Gemeinschaft für staatliche Beihilfen zur Rettung und Umstrukturierung von Unternehmen in Schwierigkeiten (Amtsblatt der EU C 244/2 vom 01.10.2004) und die Verordnung 800/2008 der Kommission (Allgemeine Freistellungsverordnung, Amtsblatt EU L 214/3 vom 09.08.2008)

[2] In der Reinform wird durch mehrere Banken ein Konsortium (Syndikat) gebildet, bei dem eine oder mehrere Banken die Verwaltung (Syndizierung) übernehmen und andere Banken zur Begleitung einladen.

[3] Kleinste Unternehmen: max. 9 Mitarbeiter, weniger als 2 Mio. Euro Umsatz und Bilanzsumme

[4] Kleine Unternehmen: max. 49 Mitarbeiter, weniger als 10 Mio. Euro Umsatz und Bilanzsumme

[5] Hypo Real Estate

[6] Eine Haftungsfreistellung ist eine Ausfallbürgschaft, die vom Förderinstitut gegenüber der Hausbank erteilt wird. Der verbleibende Haftungsanteil kann nicht durch separate Sicherheiten abgedeckt werden. Die Haftung ist immer quotal, also nach der Verwertung aller Sicherheiten zu sehen.

[7] Cash Flow = EBITDA - Gewinn vor Zins, Steuern und Abschreibungen

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