Finanzierung in Zeiten der Finanzkrise, Teil 2

Finanzkrise Teil 2

Teil 2

Die Finanzanalyse des Unternehmens

Der Finanzanalyse des Unternehmens durch den Geldgeber kommt beim Rating-Verfahren eine herausragende Bedeutung zu. Wie zuvor zum Thema bereits erläutert wird der Bereich der Finanzen mit bis zu 70 Prozent der Gesamtgewichtung bewertet. Dabei wird stillschweigend angenommen, dass die Finanzergebnisse eines Geschäftsjahres des jeweiligen Unternehmens als die Ergebnisse des unternehmerischen Handelns betrachtet werden können. Kurz gesagt wird also angenommen, dass die Aktivitäten - die Handlungen der Unternehmensführung bei der Lenkung des Unternehmens sowie zum Beispiel die Arbeitsausführungen der Mitarbeiter bei einem bestimmten Auftrag ihren direkten Einfluss auf das Finanzergebnis der Firma haben. Bei näherem Hinsehen wird deutlich, dass diese Aussage richtig ist. Tatsächlich wirkt sich die fehlerhafte oder qualitativ schlechte Ausführung eines Auftrages negativ auf das Finanzergebnis der einzelnen zugehörigen Kalkulation aus, welche wiederum je nach Größe auf das Gesamtergebnis Einfluss hat. Alle wissen, dass ein schlecht "gelaufener" Auftrag mit Reklamationen und oft mit Nacharbeiten behaftet Kosten verursacht, die in der Regel so nicht geplant waren und das Ergebnis des Auftrages in Verlust enden kann. Deshalb kann davon ausgehen werden (diese Beobachtung umgekehrt vorgenommen), dass der ordentlich ausgeführte Auftrag den entsprechend kalkulierten Gewinn zur Erfolgsrechnung des Unternehmens beiträgt und somit bei der Betrachtung des gesamten Handelns des Unternehmens (einschl. seiner Akteure), das Geschick und die Qualität der Aktivitäten ihren Niederschlag in der jährlichen Gewinn- und Verlustrechnung beziehungsweise im Jahresabschluss haben.

Wie im Abschnitt zuvor bereits angeführt hat die traditionelle Bewertung der Finanzen des jeweiligen Unternehmens nach wie vor ein hohes Gewicht in der Bewertung einer Firma. Dies trifft insbesondere auch für die Beurteilung der Zukunftsfähigkeit in hohem Maße zu. So wird auch künftig die Jahresabschlussanalyse zur Beurteilung der Vermögensertrags- und Liquiditätslage eines Unternehmens wesentlicher Baustein eines Rating-Prozesses bleiben. Dabei geht es den Banken weniger um die Rentabilitätsbetrachtung der jeweiligen Unternehmung als vielmehr um die Einschätzung der Risikosituation und der Fähigkeit des Kreditnehmers, seiner Verpflichtung in Zins und Tilgung nachkommen zu können. Um ein ausreichend klares aber dennoch überschaubares Bild der jeweiligen Firma zu bekommen bedienen sich die Analysten beim Rating ausgewählter Kennzahlen. Kennzahlen sind in diesem Kontext verdichtete Informationen komplexer Sachverhalte in einer einzigen Zahl. Bestes Beispiel dafür ist die Diskriminanzfunktion. Diese Kennzahl setzt sich aus verschiedenen anderen Kennzahlen zusammen, welche mit unterschiedlichem Gewicht in die Berechnung der Gesamtkennzahl einfließen. Durch die Diskriminanzfunktion - auch Diskriminanzanalyse - kann ein Analyst erkennen, ob ein Unternehmen insolvenzgefährdet ist oder nicht. So sagt zum Beispiel die Diskriminanzfunktion -1,3 aus, dass diese Firma insolvent ist, beziehungsweise die Gefahr einer Insolvenz mit hoher Wahrscheinlichkeit gegeben ist.

Quantiatives Rating mittels Kennzahlen bei der Kreditwürdigkeitsprüfung von Banken

Die nachfolgende Tabelle zeigt einen Überblick über typische Kennzahlen, welche Banken bei der Kreditwürdigkeitsprüfung von Unternehmen verwenden. Die Tabelle hat jedoch keinen Anspruch auf Vollständigkeit.

Kennzahlen

Kreditinstitute

 

Commerzbank

Deutsche

Bank

Dresdner

Bank

Spar-
kassen

VR-
Bank

           

Eigenkapitalrentabilität

x

x

x

   

Gesamtkapitalrentabilität

x

x

x

x

x

Umsatzrentabilität

x

   

x

x

Return on Investment

       

x

Cahs-Flow-Marge

x

x

 

x

x

Entschuldungsdauer

x

x

x

x

x

Eigenkapitalquote

x

x

 

x

x

Debitoren-/Kreditorenziel

x

x

x

x

x

Anlagedeckung

x

 

x

x

x

Break-Even-Analyse

     

x

 

Personalaufwandsquote

     

x

 

Tabelle: 1 typische Kennzahlen zur Kreditwürdigkeitsprüfung
(Quelle: Gleißner/Füser, Leitfaden Rating S.132, Verlag Vahlen München 2002, Auszug)

Diese Tabelle ist selbstverständlich für einen Nicht-Finanzfachmann sicherlich nicht hilfreich, aber sie bietet einen guten Überblick. Es ginge an dieser Stelle zu weit, alle genannten Kennzahlen und deren Bedeutung für Unternehmen zu erläutern. Deshalb die Konzentration auf eine Einzige, aber sehr bedeutende Zahl - die Eigenkapitalquote.

Es ist oft genug in den Medien zu hören, dass die Eigenkapitalausstattung deutscher Unternehmen im Vergleich zu europäischen oder amerikanischen Firmen ungenügend ist. Das Insolvenzrisiko eines Unternehmens ist einerseits von dem Risiko der Zahlungsunfähigkeit und andererseits von der Eigenkapitalausstattung abhängig. Aus der Betriebswirtschaft ist bekannt, dass Gewinne das Eigenkapital erhöhen und Verluste das Eigenkapital mindern. Das heißt, alle Verluste eines Unternehmens wirken direkt auf das Eigenkapital. Dies gilt sowohl für Kapitalgesellschaften als auch für Einzelunternehmen. Die Eigenkapitalquote ist damit eines der wichtigsten Maße für die Kreditwürdigkeit eines Unternehmens.

Aufgabe:
Bitte berechnen Sie anhand der nachfolgenden Formel und des letzten Jahresabschlusses die Eigenkapitalquote:

  Eigenkapital  
Eigenkapitalquote = ------------------ x 100%
  Bilanzsumme  

Der eigentliche Zielwert sollte bei circa 25 Prozent liegen. Doch die Realität sieht etwas anders aus. Die nachfolgende Tabelle zeigt ein paar Beispiele auf:

 

Kritischer Wert

Ø der
Metall-
erzeugung

Ø der
Bau-
industrie

Ø des
Einzel-
handel

Ø des
Groß-
handels

Ø der
chem.
Industrie

EK-Quote

10 %

17 %

5 %

3,5 %

15 %

35 %

Tabelle: 2 Typische Eigenkapitalquoten in Deutschland

Fazit:
Zur Beurteilung Ihres Unternehmens hinsichtlich der Kreditwürdigkeit für bestehende und künftige Kredite wird in der Regel die Jahresabschlussanalyse einen hohen Stellenwert haben. Dabei werden zumindest die vergangenen drei bis vier Jahresabschlüsse (Bilanz sowie Gewinn- und Verlustrechnung bzw. Gewinnermittlung) analysiert. Die gewonnenen Informationen werden zu Kennzahlen verdichtet, die eine Aussage über die vergangene und künftige Situation zulassen. Dabei wird das Unternehmen mit anderen Firmen der Branche verglichen, um die Position oberhalb oder unterhalb des Branchendurchschnitts zu ermitteln. Es wird dabei vom so genannten quantitativen Rating oder den Hard Facts gesprochen.

Doch die Zahlen allein genügen nicht - die Daten werden ergänzt durch die so genannten Soft Facts. Es werden also immer beide Bereiche miteinander zur umfassenden Urteilsfindung herangezogen. Diese Faktoren lassen sich nicht in Zahlen ausdrücken und sind deshalb immer mit einem subjektiven "Beigeschmack" behaftet.

Mit einem von Rating-Analysten entwickelten neuen Software-Tool können diese Faktoren nun vorab geprüft und bewertet werden. Damit können sich Unternehmer ein eigenes Urteil bilden und ein Gefühl entwickeln, welche Bereiche im Rahmen des Ratings abgefragt werden.

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