Innenfinanzierung: Selbst ist der Unternehmer!

Fachbericht Innenfinanzierung

Vor der Suche nach externen Kapitalgebern kann im Unternehmen optimiert werden

Nutzen von Innenfinanzierung

Bei der Innenfinanzierung hilft sich das Unternehmen aus eigener Kraft: Es beschafft sich Finanzmittel aus dem eigenen Betriebs- und Umsatzprozess. Ein Sonderfall ist die Finanzierung aus Rückstellungen für die betriebliche Altersversorgung. Diese Pensionsrückstellungen stammen aus dem Betrieb, zählen rechtlich aber zum Fremdkapital. Entscheidend ist, dass gebundenes Kapital zur Optimierung der Kapitalstruktur in frei verfügbare liquide Gelder umgewandelt wird. So kann mit einfachen Mitteln Liquidität generiert werden. Das Unternehmen ist auf keine externen Kapitalgeber angewiesen und kann völlig unabhängig agieren. Durch die Freisetzung von Liquidität kann das Unternehmen seine Eigenkapitalquote erhöhen. Es verbessert zudem kostengünstig und ohne Rückzahlungsverpflichtung sein Rating. Sicherheiten sind nicht notwendig und es entsteht neuer Spielraum für Wachstum und Investitionen. Ist das Unternehmen trotzdem auf Kredite angewiesen, erhöht es durch die verbesserte Bonität seine Kreditfähigkeit.

Wenn man bedenkt, dass der 17 Milliarden Euro großen Refinanzierungslücke in den Top-100-Unternehmen laut Alix-Studie rund 40 Milliarden Euro versteckte Barreserven gegenüberstehen, wird die Dimension der Ressourcen deutlich. Auch mittelständische Unternehmen bieten häufig viel Potenzial für Innenfinanzierung. Oft mangelt es einfach an einer konsequenten Umsetzung. Wie groß die Ressourcen wirklich sind, muss letztlich aber immer individuell beurteilt werden.

Instrumente der Innenfinanzierung

Es gibt sehr unterschiedliche Varianten. Die wichtigsten sind: Verhandlungen mit Lieferanten über die Verlängerung von Zahlungszielen, konsequentes Mahnwesen zur schnelleren Eintreibung von Forderungen, Hebung stiller Reserven, Cash-Management, Abbau von Lagerbeständen, nachfrageorientierte Produktion, Reduzierung der Durchlaufzeiten bei der Fertigung, Bereinigung des Sortiments, Überprüfung von Preismodellen und Verkauf von nicht-betriebsnotwendigem Anlagevermögen. Beim Cash-Management oder Cash-Pooling werden täglich sämtliche Konten geräumt und auf ein zentrales Konto umgebucht. Einer gewissen Abhängigkeit von der zentralen Liquiditätsversorgung steht eine optimale Ausnutzung der liquiden Mittel gegenüber. Geringere zentrale Liquiditätsreserven sind eine weitere angenehme Folge. Zudem werden Währungsrisiken ausgeglichen und große Finanzierungen erleichtert. Besonders attraktiv ist die ortsunabhängige und sichere Verfügung über aktuelle Kontoinformationen. Aber auch die Verwaltung kann sich über eine Entlastung durch Cash-Management freuen. Allerdings kommt Cash-Management nur für größere Unternehmen in Frage, die verschiedene Betriebsstätten oder Niederlassungen betreiben.

Stille Reserven können dagegen mit Hilfe von Sale-and-Lease-back gehoben werden. Hierbei werden Grundstücke, Maschinen oder IT-Systeme verkauft und anschließend wieder zurück geleast. Dadurch ergibt sich folgender Vorteil: Wurde ein Grundstück vor 30 Jahren gekauft, und zwar zu einem viel niedrigeren Preis als der aktuelle Marktwert, dann ist in der Bilanz der ursprüngliche Wert aufgeführt. Eine bilanzielle Wertberichtigung ist bei einer Buchhaltung nach dem Handelsgesetzbuch nicht möglich. Durch Sale-and-Lease-back kann der Marktwert realisiert werden. Dasselbe Spiel ist bei selbstgeschaffenen immateriellen Vermögensgütern wie Marken und Patenten möglich. Hier ist Sale-and-Lease-back besonders attraktiv, weil Patente in der Bilanz maximal mit den externen Entwicklungskosten aktiviert werden dürfen und selbstgeschaffene Markenwerte nach HGB nicht aktivierungsfähig sind.

Gebundenes Kapital als Wettbewerbsnachteil

Working Capital - also Betriebsvermögen - bezeichnet im Wesentlichen das Umlaufvermögen abzüglich Lieferantenverbindlichkeiten sowie erhaltener Anzahlungen. Optimieren heißt hier, das Working Capital zu reduzieren. Gelder werden beispielsweise möglichst lange einbehalten, um damit Renditen zu erwirtschaften. Mit Kunden werden Vorauszahlungen oder sehr kurze Zahlungsziele vereinbart; Mit den Lieferanten einigt man sich dagegen auf möglichst lange Zahlungsziele. So entsteht ein gewisser Puffer, in dem die Gelder erst einmal im Unternehmen verbleiben.

Hilfreich ist auch eine straffere Organisation des Mahnwesens. Denn mit der Zahlungsmoral steht es oft nicht zum Besten. Durch die Reduzierung der Forderungen stehen dem Unternehmen wieder Mittel zur Verfügung. Eine weitere Option ist die Barzahlung bei Lieferung. Eine Analyse der Läger deckt weiteres Optimierungspotenzial auf. Kurze Umschlagszeiten, Reduzierung der Lagerbestände und des Fertigungsprozesses führen zu zusätzlicher Liquidität.

Zur Eignung von Innenfinanzierung

Die Ermittlung von Innenfinanzierungspotenzialen funktioniert folgendermaßen: Der erste Schritt ist eine intensive Bilanz- und Ertragsanalyse. Dabei werden einzelne Positionen wie Umlauf- oder Anlagevermögen auf Kapitalressourcen überprüft sowie die wesentlichen wirtschaftlichen Kennziffern und Steuerungsgrößen ermittelt. Mit den Kenngrößen kann eine integrierte Finanz- und Unternehmensplanung erstellt und der Einfluss einzelner Maßnahmen auf Liquidität und Wirtschaftlichkeit modelliert werden. Dabei dürfen wichtige Faktoren wie Risikoneigung, Steuervorteile oder zukünftige Investitionsvorhaben des Unternehmens nicht außer Acht gelassen werden.

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