Family Offices und deren Rolle auf dem Private Equity Markt

Fachbericht Family Offices

Der Private Equity Markt in Deutschland hat sich in den vergangenen Jahren immer mehr professionalisiert und ist dementsprechend deutlich gewachsen. Die Hauptakteure im PE-Markt sind seit jeher Fonds, die über eine Managementgesellschaft nach attraktiven Beteiligungen suchen. Seit einigen Jahren gibt es mit den sogenannten Family Offices eine neue Kategorie von Investoren, die eine immer stärkere Bedeutung erlangen, da sie sich in vielen Fällen von den klassischen Finanzinvestoren unterscheiden.

Was ist ein Family Office?

Der aus dem angelsächsischen Raum stammende Begriff bezeichnet im engeren Sinne Finanzdienstleistungen für vermögende Privatkunden durch Banken. Ursprünglich gründeten sehr vermögende Familien zur optimalen Bewirtschaftung ihrer privaten und unternehmerischen Vermögenswerte eine eigene Gesellschaft.

Der Kunde soll von einem finanzinstitutionellen "Family Office" Unabhängigkeit, Professionalität und ein umfassendes Dienstleistungsangebot erwarten können. Gegenüber den verschiedenen Finanzdienstleistern und Spezialisten soll ein "professionelles Team" die Interessen seiner Kunden vertreten und ständig nach bestmöglichen Lösungen suchen.

Bereits Anfang des 19. Jahrhunderts gründete die amerikanischen Familie Morgan mit der Privatbank "House of Morgan" den ersten Vorläufer eines Family Offices. Heute gibt es Schätzungen zufolge allein in den USA mehrere tausend Family Offices mit einem Vermögen von jeweils über 350 Mio. USD. In Deutschland sind es vielfach bekannte Industriellenfamilien, die ein Family Office unterhalten. Zahlenmäßig noch deutlich hinter den USA zurück, jedoch mit steigender Tendenz.

Heute bieten insbesondere Privatbanken ihren Kunden Family Office Leistungen an. Daneben gibt es jedoch eine Reihe von sehr wohlhabenden Unternehmerfamilien, die bereits seit vielen Jahren ein eigenes Family Office betreiben und dort neben der eigenen Vermögensverwaltung auch Dienstleistungen für Dritte anbieten.

Beispiele hierfür sind die Familie Haniel mit der Franz Haniel & Cie., die Familie Quandt mit der Feri Gruppe (2006 verkauft) oder der HQ Trust sowie auch Einzelpersonen wie Peter Unger (ehem. ATU Auto Teile Unger) und Dietmar Hopp (SAP), die einen Teil ihres Vermögens auch in Unternehmensbeteiligungen investieren.

Worin investiert ein Family Office?

Grundsätzlich stehen einem Family Office dieselben Anlagekategorien wie jedem anderen vermögensverwaltenden Institut zur Verfügung. Dies sind typischerweise Immobilien, Währungen, Edelmetalle, Aktien, Fonds, etc. oder auch Direktbeteiligungen an Unternehmen (Private Equity). In den letzten Jahren gab es einen deutlichen Zuwachs bei den Direktbeteiligungen. Dies setzt ein professionelles Beteiligungsmanagement, analog einem Private-Equity-Fonds, voraus.

Welche Arten gibt es?

Family Offices lassen sich investorenseitig typischerweise in zwei Kategorien unterteilen: Single Family Offices (Private FO) sowie Multi Family Offices (Externe FO). Beide agieren regelmäßig rein als Berater, d.h. es werden keine eigenen Produkte kreiert und angeboten.

Multi Family Offices (MFO) sind meist mit der Verwaltung der Vermögen mehrerer Familien oder Privatinvestoren beauftragt und arbeiten regelmäßig auf der Grundlage von Geschäftsbesorgungsverträgen. Neben der reinen Vermögensverwaltung erfüllen MFOs häufig weitere Aufgaben, wie die allgemeine Beratung Vermögender (z.B. bei Unternehmernachfolgen).

Single Family Offices verwalten i.d.R. das Vermögen einzelner oder mehrerer Mitglieder einer Familie und erfüllen prinzipiell die gleichen Aufgaben wie die oben beschriebenen MFOs. Ein zentraler Unterschied jedoch ist die Möglichkeit, auch Direktbeteiligungen an Unternehmen im Rahmen von Private Equity Investments einzugehen. Family Offices verfolgen dabei einen eher strategischen und meist langfristig angelegten Ansatz, d.h. unterscheiden sich klar von klassischen Finanzinvestoren. Daher haben SFOs mittlerweile insbesondere im mittelständischen Bereich Bedeutung als solvente Investoren erlangt.

Was unterscheidet Family Offices von klassischen Finanzinvestoren?

Wie bereits erwähnt, ist der Investmentansatz von Family Offices eher strategisch, denn rein finanziell geprägt. Häufig fokussieren sich diese auch auf Branchen, in denen die Familie bereits seit langer Zeit engagiert ist, um neben der einzubringenden Expertise auch handfeste Synergien innerhalb der eigenen Unternehmensgruppe zu realisieren. Als Beispiele hierfür können die Familien Haniel und Werhahn genannt werden.

Welche Bedeutung haben diese am Markt?

In Zeiten der Finanzkrise sind die Geschäftsmodelle einiger klassischer Finanzinvestoren (Leverage Buy Outs) erheblich unter Druck geraten. Dies auch nicht zuletzt durch eine zu aggressive Fremdfinanzierung ihrer Engagements. Privatinvestoren wie Family Offices finanzieren Engagements traditionell konservativer, d.h. mit höheren Eigenkapitalanteilen. Hinzu kommt deren deutlich höhere Solvenz in der aktuellen Finanzmarktsituation.

Es spricht also vieles dafür, dass Family Offices in Zukunft auf dem deutschen Private Equity Markt eine deutlich größere und wichtigere Rolle spielen werden.

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