Es gibt keine Finanzkrise oder: warum existieren Versicherungsmakler?

Versicherungsmarkler

Abenteuerliche Spekulationen vereinzelter Großbankangestellten sollen wirklich in der Lage sein, dem altgedienten und krisenerfahrenen deutschen Mittelstand einen nachhaltigen Dämpfer zu verpassen? Auf den ersten Blick scheint dies so zu sein: Kredite werden knapp und teuer. Wenn man aber genauer hinschaut, stimmt dies so nicht.

Kapital war und ist der Treibstoff unserer Wirtschaft. Ohne Kapital wäre der deutsche Mittelstand nicht in der Lage gewesen, sich in den letzten 60 Jahren so prächtig zu entwickeln. Die Tankstellen - um die bildliche Beschreibung weiterzuführen - waren immer die lokalen Banken mit ihren persönlichen Ansprechpartnern. Diese waren auf Grund der damaligen Strukturen in der Lage, sich in die individuelle Situation eines Unternehmens hineinzuversetzen und nach persönlicher Analyse einen Kredit - also eine Tankfüllung für die nächsten schnellen Runden - zu gewähren.

Heutzutage ist dies anders: das Mehraugen-Prinzip und die Fusionen vieler Banken führt dazu, dass ein Firmenkundenbetreuer schnell mehrere hundert Kunden betreuen muss und die Analysten in den Kreditentscheidungsabteilungen ein Unternehmen nicht mal mehr persönlich kennen und nach vorliegenden Zahlen und Unterlagen entscheiden müssen.

Dass diese Entwicklung, mehr Gewicht auf Ratings als auf Unternehmen zu legen für den Mittelstand negativ ist steht außer Frage und ist nicht zu ändern. Was aber geändert werden kann, ist das Verständnis für die Rolle der Einzelnen in unserer mittelständischen Kreditwirtschaft.

Die lokale Bank ist nicht mehr wie früher die einzige Tankstelle im Ort. Aber woher soll der Unternehmer alle kennen? Von seinem Steuerberater, der sich gelegentlich mit Finanzierungen beschäftigt? Oder schickt seine Bank ihn zur Konkurrenz?

Vergleichen wir dies mit dem ersten Versicherungsmakler am Markt: Früher existierten nur Ausschließlichkeitsvertreter, die in ihren blauen, roten oder gelben Büros saßen und warten konnten bis Kunden zur Tür hineinkamen, die dann verschiedene Verträge unterzeichneten, um die notwendigen Versicherungsbausteine zu besitzen. Die Kunden kamen da ihre Familien seit Jahren in dieses blaue Büro gingen und sie fortwährend das bekamen, was sie wollten, ohne in Frage zu stellen, ob dies auch immer das Beste war. Wie schwer muss es der erste Versicherungsmakler gehabt haben, der in der Lage war, den Kunden zu sagen, dass er alle Farben anbieten kann und objektiv weiß, welche Farbe in welchem Bereich am Besten ist, um ein perfektes Gesamtpaket zu schnüren? Man sollte meinen, eigentlich nicht schwer. Soweit Kunden von der Existenz dieses Maklers wusste ...

Heutzutage ist es nicht anders: Es gibt immer noch genügend Kapital im Markt. (Zumindest genügend für den Mittelstand, der sich mit unter 8 Nullen zufrieden gibt.) Man muss nur wissen, wie man sich bei den verschiedenen Kapitalgebern richtig präsentiert und wen man für die verschiedenen Finanzierungsbausteine anspricht. Die Hausbank alleine kann aus Mangel an Ressourcen kein vernünftiges Gesamtpaket schnüren.

Früher gab es nur Benzin. Heute gibt es mehr als 2 Dutzend verschiedene Finanzierungsformen. Aber woher soll der Unternehmer nun wissen, mit welcher Kraftstoffmischung der eigene Finanzierungsmotor am Besten läuft?

Allein EU, Bund und Länder bieten rund 3.000 Programme zur Mittelstandsfinanzierung an. Andere Finanzierungsformen ermöglichen z.B. Anzahlungs-, Vertragserfüllungs- oder Gewährleistungsbürgschaften ohne Kapitalhinterlegung und wieder andere stärken die Eigenkapitalquote. Letztere können als Private Equity oder Mezzanines Kapital mit oder ohne Abgabe von Stimmrechten und Unternehmensanteilen integriert werden und sollten für alle zeitgemäßen Unternehmen ein wichtiger Finanzierungsbaustein sein, da eine gute Eigenkapitalquote wiederum das Rating verbessert und den Zugang zu günstigeren Finanzierungsbausteinen ermöglicht. Denn: Im Endeffekt gibt es viele Alternativen zum Benzin der Hausbank, aber als Bestandteil einer Gesamtfinanzierung ist es meist sinnvoll.

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