Eigenkapital aufbauen oder Steuern sparen - Beratung als Drahtseilakt

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Der Jahresabschluss eines Unternehmens soll vielseitige Bedürfnisse befriedigen. Vorrangig soll der Unternehmer daraus erkennen können, wie das Geschäftsjahr verlaufen ist. Weiterhin sollen sich auch die Gläubiger des Unternehmens aus dem Jahresabschluss ein umfassendes Bild der Finanz- und Ertragslage machen können. Schlussendlich dient der Jahresabschluss (zumindest in seinen Grundzügen) auch der Ermittlung der zu entrichtenden Steuern.

Die meisten Unternehmen erwarten vom steuerlichen Berater, die Steuerlast auf ein erträgliches Maß, am besten auf Null zu reduzieren. In vielen Fällen kann der versierte und kreative Berater diese Vorgaben zum Erstaunen der Mandanten auch umsetzen.

Jedoch ist in Zeiten von Basel II - und zukünftig Basel III - vielfach die Erstellung des Jahresabschlusses zur Steuerdeklaration zur Nebensache geworden. Ein um ein Vielfaches größeres Interesse am Jahresabschluss haben seit mehreren Jahren die Gläubiger der Unternehmen, allen voran die Banken, Leasinggesellschaften, Kreditversicherer und Wirtschaftsauskunfteien. Selbst bei kleinen Leasing- oder Finanzierungsanfragen werden die Jahresabschlüsse der letzten 3 Jahre von den Instituten angefordert, einem Rating unterzogen und daraus hergeleitet, ob der Kunde kreditwürdig ist. Bei bestehenden Finanzierungen ist die jährliche Einreichung wirtschaftlicher Unterlagen bei den Kreditinstituten in der Regel bereits bei Ausreichung der Gelder beauflagt worden.

Bisher wurde aus reinen Kostengründen auf die getrennte Aufstellung einer Handelsbilanz (für die Gläubiger) und einer Steuerbilanz (für das Finanzamt) verzichtet. Die sogenannte Einheitsbilanz war damit in der Regel hoch steuerlich motiviert. Sonder- und Sofortabschreibungen, Abwertungen und die steuerlich zulässigen Rückstellungen in vollem Umfang und darüber hinaus führten zwar zu einer Steuerentlastung, jedoch war durch die niedrigen Überschüsse oder gar durch Jahresfehlbeträge an einen Aufbau von Eigenkapital nicht zu denken.

Die Ausstattung eines Unternehmens mit Eigenkapital (ermittelt anhand der Eigenkapitalquote) ist jedoch einer der wichtigsten Faktoren beim Rating.

Bereits für Jahresabschlüsse zum 31.12. 2009 ist es möglich nach den Vorschriften des erst ab 2010 zwingend anzuwendenden Bilanzrechtmodernisierungsgesetzes (BilMoG) zu bilanzieren.

Damit sind z.B. die aufwandswirksame Übertragung von Investitionsabzugsbeträgen und die Inanspruchnahme von Sonderabschreibungen nicht mehr in der Handelsbilanz auszuweisen. In der Steuerbilanz entfalten sie dennoch ihre steuermindernde Wirkung. Die Aufstellung von getrennter Handels- und Steuerbilanz nach BilMoG führt zwar zwangsläufig zu höheren Kosten, welche jedoch durch die verbesserte Darstellung der Bonität mehr als kompensiert werden.

In der Praxis konnte durch die Anwendung des BilMoG bei mehreren Unternehmen bereits für 2009 eine Verbesserung der Ratingnote erzielt werden, was zu einer Erleichterung der Kreditaufnahme bzw. zu besseren Kreditkonditionen führte.

Fazit:

Der Unternehmer und natürlich dessen Berater sollten wissen, welche Verbesserungspotentiale bestehen um die eigene Rating-Note zu verbessern. Durch die Erstellung eines Pre-Rating kann aufgezeigt werden, wie sich strategische und steuerliche Entscheidungen in der Rating-Note niederschlagen.

Vor dem Hintergrund, dass vor allem die Eigenkapitalquote ein äußerst wichtiger Indikator bleibt, wird künftig eine noch größere Abwägung zwischen steuerlichen Gesichtspunkten und der Bonitätsbeurteilung durch die Hausbank (Kreditzugang) erforderlich sein.

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