Die Überschuldung im Autohaus und die Vermeidung des Insolvenzantrages durch die Erstellung einer positiven Fortführungsprognose

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In Gesprächen mit den verantwortlichen Geschäftsführern von Autohäusern ist leider immer wieder zu erkennen, dass diese sich zwar regelmäßig anlässlich der Erstellung des Jahresabschlusses mit dem Thema Überschuldung beschäftigen, sie diesem wichtigen Thema aber unterjährig nicht die notwendige laufende Beachtung schenken.

Neben der Illiquidität ist das Vorliegen einer Überschuldung eines der Gründe, die den Unternehmer verpflichten, einen Insolvenzantrag zu stellen. Das (auch unterjährige!) Nichtbeachten dieser Pflicht kann zu erheblichen persönlichen und unternehmerischen Konsequenzen führen. Zum einen können strafrechtliche Aspekte wie Insolvenzverschleppung und Bankrott und zum anderen Haftungsaspekte wie Ersatzpflichten der Geschäftsführer für bestimmte Vorgänge (z. B. Quotenverschlechterung, Gläubigerbegünstigung) zum Tragen kommen.

Ein Insolvenzverwalter widmet sich diesen Aspekten regelmäßig sehr intensiv, da er – vereinfachend ausgedrückt - verpflichtet ist, die größtmögliche Masse zur Steigerung der erreichten Quote für die Gläubiger auszumachen. Insofern gehört der Aspekt der Überprüfung der inhaltlich und zeitlich gesetzeskonformen Insolvenzantragsstellung zu seinen ersten Schritten.

Der Überschuldungsbegriff

Durch das Finanzmarktstabilisierungsgesetz wurde im Jahre 2008 übergangsweise eine neue Definition der Überschuldung (§ 19 Abs. 2 InsO) festgelegt. Diese Maßnahme war ursprünglich als Hilfe für Banken vorgesehen, die aufgrund von nicht mehr werthaltigen Papieren (z.B. von Lehman) extremen Abschreibungsbedarf hatten und dadurch in eine Überschuldung gem. alter InsO gekommen wären. Da die InsO allerdings nicht nur für Banken gilt, partizipieren alle anderen Branchen wie auch der Autohandel von dieser Neuregelung, die bis zum 31.12.2013 gilt.

Als Überschuldung ist in der derzeitigen Fassung eine Situation definiert, in der „das Vermögen des Schuldners die bestehenden Verbindlichkeiten nicht mehr deckt, es sei denn, die Fortführung des Unternehmens ist nach den Umständen überwiegend wahrscheinlich.“ (§19 Abs. 2 InsO).

Damit löst eine bestehende Überschuldung nicht automatisch die Pflicht zur Insolvenzantragsstellung aus, sondern es wird der Weg zu einer positiven Fortführungsprognose geöffnet, die die Antragspflicht legal vermeiden kann.

Die positive Fortführungsprognose

Eine Definition der Inhalte einer positiven Fortführungsprognose hat der Gesetzgeber nicht getroffen. Aufgrund der drohenden zivil- und strafrechtlichen Konsequenzen wäre ein einheitlich vorgegebener Standard sicherlich wünschenswert gewesen. Das Institut der Wirtschaftsprüfer (IDW) hat allerdings mit seinem Gutachten S 6 zu den Inhalten von Sanierungskonzepten diese Lücke faktisch geschlossen, da die Gläubiger - insbesondere die Banken – dazu übergegangen sind, die positive Fortführungsprognose nach dem Standard IDW S 6 zu verlangen.

Die Praxis zeigt, dass eine derartige Fortführungsprognose dann nicht akzeptiert wird, wenn sie trotz formaler Richtigkeit von Beteiligten, also von dem Unternehmen selbst oder vom Steuerberater/Wirtschaftsprüfer des Unternehmens erstellt wird. Es ist also unbedingt notwendig, dass im Vorfeld mit allen Adressaten der Fortführungsprognose abgestimmt ist, wer als Gutachter akzeptiert wird, um den nicht unerheblichen Aufwand zur Erstellung der Prognose zu rechtfertigen. Grundsätzlich kommen für die Berichterstattung unabhängige Steuerberater und Wirtschaftsprüfer sowie auf die Branche spezialisierte Unternehmensberater in Frage. Die letztgenannte Berufsgruppe verfügt idealerweise bereits über autohausspezifische Programme, die den Aufwand der Erstellung einer positiven Fortführungsprognose deutlich reduzieren.

Inhaltlich gliedert sich die Fortführungsprognose grob in folgende Teile:

  • Beschreibung des Auftragsgegenstandes und des –umfangs
  • Darstellung der wirtschaftlichen Ausgangssituation
  • Analyse des Krisenstadiums und der –ursachen
  • Darstellung und Ausrichtung am Leitbild des Unternehmens
  • Festlegung der Maßnahmen
  • Integrierter Unternehmensplan

Auf insgesamt 28 Seiten wird in dem Standard S 6 sehr detailliert festgelegt, welche Aspekte zu behandeln und zu bewerten sind. Werden alle dort aufgeführten Aspekte in dem Gutachten ungefiltert und ausführlich begutachtet, führt dies zu einem erheblichen Zeitaufwand und damit auch zu erheblichen Kosten. Ein Teil der Arbeit wird also auch darin bestehen, diese Bausteine gut begründet nicht oder nicht umfangreich darzustellen. Diese Filterung wird am Besten ein branchenspezifischer Gutachter vornehmen können.

Die integrierte Unternehmensplanung

Kern der positiven Fortführungsprognose ist die integrierte Unternehmensplanung, die im Regelfall zwei bis drei Jahre umfassen wird. Diese Planung soll letztendlich die getroffene Prognose nachvollziehbar mit einem Zahlenwerk belegen. Dazu sind folgende Teilaspekte zu planen:

  • Gewinn- und Verlustrechnung
  • Bilanz
  • Liquiditätsplanung
  • Kapitaldienstfähigkeit

Als „integriert“ ist eine Planung zu verstehen, bei der die Basisannahmen wie z.B. Absatzplanungen, Personalplanungen etc. automatisch zu den einzelnen Aussagen wie Liquidität oder Ergebnis verarbeitet werden. Insofern setzt die geforderte Unternehmensplanung ein Tool voraus, das diesen Anforderungen entspricht. Es hat sich in der Praxis gezeigt, dass ein großer Teil des Gesamtaufwandes vermieden werden kann, wenn man auf spezialisierte Berater zurückgreift, die über ein derartiges Beratungstool verfügen.

Auch die Notwendigkeit, Maßnahmen zu definieren und festzulegen, spricht für den Einsatz eines autohausspezifischen Beratungsttools, da im Rahmen der Fortführungsprognose jede einzelne Maßnahme liquiditätsmäßig und ergebnismäßig zu bewerten ist. Es ist sinnvoll, dann ein Instrument zu verwenden, das die vielfältigen Abhängigkeiten einer einzelnen Maßnahme umfassend darstellt.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die noch bis Ende 2013 geltende Fassung des Überschuldungsbegriffs in der InsO auch den Autohäusern den Weg öffnet, mit Hilfe einer positiven Fortführungsprognose, die auch einen umfassenden Maßnahmenkatalog enthält, den Weg aus einer Krise zu finden.

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