Die Vor- und Nachteile der Unternehmergesellschaft

Vorteile/Nachteile der Unternehmergesellschaft

1. Einführung

Die Unternehmergesellschaft (in der Umgangssprache regelmäßig als Mini-GmbH bezeichnet) wurde zum 01.11.2008 im Rahmen der Reform des Rechts der Gesellschaft mit beschränkter Haftung als Variante der GmbH geschaffen.
Der Gesetzgeber verfolgte damit das Ziel, Existenzgründern und kleineren Unternehmern die Gründung einer GmbH zu erleichtern und das Ausweichen auf die Private Limited Company abzuschwächen, da deren Erfolg auch immer wieder missbraucht worden ist. Rechtsgrundlage ist § 5a GmbHG.
Die Unternehmergesellschaft weist gegenüber der GmbH im Allgemeinen die im Folgenden genannten Besonderheiten auf:

2. Stammkapital

Das Stammkapital der Gesellschaft beträgt wenigstens einen Euro, darf aber auch darüber liegen, das heißt eine Unternehmergesellschaft kann mit einem Stammkapital von einem bis 24.999,00 EUR gegründet werden. Nach der gesetzlichen Definition ist jede GmbH, die mit einem geringeren Stammkapital als die allgemeine, "normale" GmbH gegründet wird (also unter 25.000 EUR), eine "Mini-GmbH". Die Einbringung von Sacheinlagen ist gemäß § 5a Abs. 2 GmbHG ausgeschlossen. Erlaubt ist also nur die Bargründung. Anders als bei der GmbH im Allgemeinen darf die Anmeldung erst erfolgen, wenn das Stammkapital in voller Höhe (und nicht nur zur Hälfte) eingezahlt ist.

3. Aufstockung des Stammkapitals

Die Unternehmergesellschaft kann gemäß § 5a Abs. 5 GmbHG durch Aufstockung des Stammkapitals auf mindestens 25.000 EUR (genauer gesagt, ab der entsprechenden Handelsregistereintragung (§ 54 Abs. 3 GmbHG) in eine "normale" GmbH "umgewandelt" werden. Das ist dann aber keine Umwandlung im Sinne des Umwandlungsgesetzes! Die "normale" GmbH kann jedoch umgekehrt nicht durch Absenkung des Stammkapitals in eine Unternehmergesellschaft "umgewandelt" werden. Die Besonderheiten gelten nur für neu gegründete Gesellschaften. Die Unternehmergesellschaft kann wie die "normale" GmbH Gesellschafterin einer anderen Gesellschaft werden, ins besondere als Komplementärin, also bei einer bei der UG (haftungsbeschränkt) & Co. KG.

4. Rechtsformzusatz

Die Unternehmergesellschaft muss gemäß § 5a Abs. 1 GmbHG in der Firma einen anderen Rechtsformzusatz als die normale Gesellschaft mit beschränkter Haftung wählen und zwar "Unternehmergesellschaft (haftungsbeschränkt)" oder die Abkürzung "UG (haftungsbeschränkt)". Einer dieser beiden Rechtsformzusätze muss zwingend verwandt werden, eine Abkürzung des Zusatzes "(haftungsbeschränkt)" ist dabei nicht zulässig.
Das Publikum soll klar erkennen, dass es sich hierbei um eine Gesellschaft handelt, die möglicherweise mit sehr geringem Gründungskapital ausgestattet ist.

5. Rücklage

Die Gesellschaft für Unternehmensgründer hat gemäß § 5a Abs. 3 GmbHG in ihrer Bilanz eine gesetzliche Rücklage zu bilden, in die jeweils ein Viertel des um einen Verlustvortrag aus dem Vorjahr geminderten Jahresüberschusses einzustellen ist. Nach der Gesetzesbegründung soll dadurch gesichert werden, dass diese Form der GmbH, die möglicherweise mit einem sehr geringen Stammkapital gegründet worden ist, durch Thesaurierung, also durch Bildung von Gewinnrücklagen anstelle von Ausschüttungen, innerhalb einiger Jahre eine höhere Eigenkapitalausstattung erreicht. Da in den Fällen der Unternehmergesellschaft sehr oft Gesellschafter und Geschäftsführer identisch sein werden, wird es ohnehin so sein, dass der (oder die) geschäftsführende Gesellschafter den notwendigen Lebensunterhalt über Geschäftsführergehalt zu bestreiten versucht - schon aus steuerrechtlichen Gründen.
Ein Verstoß gegen diese Pflicht zur Rücklagenbildung zieht die Nichtigkeit der Feststellung des Jahresabschlusses (nach § 256 AktG analog) nach sich, die wiederum die Nichtigkeit des Gewinnverwendungsbeschlusses zur Folge hat (§ 253 AktG). Aus der Nichtigkeit des Feststellungs- und des Gewinnverwendungsbeschlusses resultieren bürgerlich-rechtliche Rückzahlungsansprüche gegen die Gesellschafter. Ferner macht der Geschäftsführer sich haftbar (§ 43 GmbHG). Auch strafrechtliche Konsequenzen sind vorstellbar.

Fazit:

Die Unternehmergesellschaft ist im Vergleich zur Limited eine durchaus praktikable Alternative. Die Pflicht zur Rücklagenbildung wird mehr als aufgewogen durch die Tatsache, dass alle übrigen Vorschriften vertraut sind (da es sich eben um die Vorschriften für die "normale" GmbH handelt), dass eine Eintragung in Deutschland ohne Schwierigkeiten erfolgen kann und dass die gesetzlichen Regeln weit leichter einzuhalten sind, als die für die Limited gültigen.

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