Die Familienstiftung als Nachfolgeplanung für den Mittelstand

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In vielen mittelständischen Unternehmen steht in den nächsten Jahren die Übertra­gung von Vermögen auf nachfolgende Generationen an. Möchte der Erblasser sicherstellen, dass sein Vermögen als Ganzes erhalten bleibt und sein Lebenswerk nicht aufgrund von Erbstreitigkeiten zerschlagen wird, bietet sich auch aus steuerlichen Gründen insbesondere die Familienstiftung an. Steuerliche Vorteile im Ausland können nur dann vollständig gezogen werden, wenn Stifter und Begünstigte bereit sind, Deutschland steuerlich vollkommen den Rücken zu kehren.

Errichtung der Familienstiftung

Die Errichtung einer Familienstiftung bedarf eines zivilrechtlich wirksamen Stiftungsgeschäfts, und – je nach Landesgesetz – der Anerkennung durch die Anerkennungsbehörde (in Bayern: Bezirksregierung). Bei der Niederlegung der Satzung ist darauf zu achten, dass der Stifterwille im Stiftungszweck gesetzeskonform zum Ausdruck kommt. Widerspricht die Satzung dem maßgeblichen Landesgesetz, wird die Anerkennung versagt. Eine tiefgründige Beratung ist deswegen bereits im Vorfeld der Stiftungserrichtung unerlässlich. Teilweise unterliegen Stiftungen der Rechtsaufsicht.

Steuerliche Aspekte

Familienstiftungen sind naturgemäß privatnützig, da sie im wesentlichen Interesse einer oder bestimmter Familien errichtet werden. Ein solches wesentliches Interesse liegt vor, wenn die Familie zu mehr als der Hälfte anfallsberechtigt ist oder bei einer Berechtigung von mehr als einem Viertel zusätzliche Merkmale ein besonderes Interesse begründen. Die Steuerfreiheit der gemeinnützigen Stiftung kommt ihr nicht zugute.

Auf den ersten Blick erscheint die Familienstiftung steuerlich nachteilig, da die Übertragung von Vermögen auf die Stiftung sowohl von Todes wegen als auch unter Lebenden erbschaft- bzw. schenkungsteuerpflichtig ist. Dies gilt sowohl für die Erstausstattung der Stiftung, als auch für die Zustiftung. Die Steuersätze der Erb- und Schenkungsteuer bestimmen sich nach der Steuerklasse des zum Stifter entferntest Berechtigten. Zudem ist alle 30 Jahre eine Erb­ersatzsteuer fällig, die in 30 gleichen, jährlichen Teilbeträgen zu tilgen ist und mit einem Zinssatz von 5,5% verzinst wird. Für die Erbersatzsteuer ist der Steuersatz anzuwenden, der nach dem Prozentsatz der Steuerklasse I zu berechnen ist, der für die Hälfte des steuer­pflichtigen Vermögens gelten würde.

Diese Nachteile treten aber in den Hintergrund. Zunächst unterliegt die laufende Besteue­rung der Stiftung dem Körperschaftsteuersatz von lediglich 15%. Des Weiteren ist die Über­tragung von Betriebsvermögen, land- und forstwirtschaftlichem Vermögen und Anteilen an Kapitalgesellschaften steuerbegünstigt. Unter bestimmten Umständen kann eine Steuerver­schonung von 85% oder gar 100% gewährt werden. Auf Seite der Stiftungsbegünstigten werden die Erträge aus dem Stiftungsvermögen nur zu 60% mit dem individuellen Steuersatz besteuert.

Andere Stiftungsarten

Im Zusammenhang mit der Übertragung von Vermögen an nachfolgende Generationen wird häufig die Errichtung einer Doppelstiftung oder einer Unternehmensstiftung in Erwägung gezogen. Diese Stiftungsformen sind nach unserer Einschätzung weniger geeignet, um möglichst viel Vermögen an die nachfolgende Generation weiterzugeben.

In der Doppelstiftung sind eine gemeinnützige Stiftung und eine Familienstiftung Gesell­schafter der Holdinggesellschaft. Ein Großteil des Vermögens muss auf die gemeinnützige Stiftung übertragen werden. Diese Übertragung (ebenso eine spätere Zustiftung) ist zwar steuerfrei, das Vermögen dient aber nicht mehr uneingeschränkt der Versorgung der späte­ren Generationen.

Die Unternehmensstiftung (z.B. Stiftungs-GmbH) ist stiftungsähnlich. Es wird das Unternehmen oder die Person des Stifters zwar institutionalisiert, es kann aber nicht in dem Maße wie bei Familienstiftungen sichergestellt werden, dass mit der Stiftung ein unveränderlicher vorgegebner Zweck erfüllt wird. Rechtliche Grundlage ist die nach gesellschaftsrechtlichen Vorgaben abänderbare Satzung.

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