Die Bonität bestimmt den Preis - Was hat Ihre Bonität mit Ihren Finanzierungskosten zu tun?

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Viele Unternehmer von kleinen und mittelständischen Unternehmen (KMU) beklagen, dass ab 1988 mit der Einführung des „Basler Akkord“ (Basel I - dem prägnanten Kurzbegriff für die „Eigenkapitalvorschriften des Basler Ausschuss für Banken-aufsicht“) bzw. mit „Basel II“ ab 1.1.2007 die Finanzierungskosten gestiegen oder der Zugang zu Krediten erschwert sind. Ist das so – und wenn ja, warum?

Stellen Sie sich vor, Sie haben 1 Million im Lotto gewonnen (tolle Vorstellung, oder?). Zwei Ihrer Nachbarn (die von Ihrem Lottoglück erfahren hatten) sprechen Sie an, „ob Sie ihnen 500 T€ leihen könnten“. Ihr Geld verleihen Sie natürlich nicht, denn nach dem Zivilrecht ist „Leihe“ kostenlos. Aber Sie wären durchaus bereit, Ihren Nachbarn einen privaten Kredit zu gewähren. Sie haben die Wahl zwischen einem Polizeibeamten im mittleren Dienst und einem Qualitätsingenieur für einen namhaften Automobilhersteller, bei dem es aktuell jedoch kriselt. Wem würden Sie Kredit geben? Zugegeben: Vergleiche hinken immer. Aber schon bei diesem simplen Beispiel müssen Sie zur Beantwortung der oben genannten Bauchgefühl-Frage genau das machen, was auch Banken machen: ein Rating.

Rating: das unbekannte Wesen

Was ist das eigentlich: ein Rating? Beim Rating wird auf die Bonität des Kunden abgestellt. Im Rahmen der Bonitätsbeurteilung werden positive (Einkommen, Vermögenswerte) und negative (Belastungen, Negativmerkmale wie drohende Arbeitslosigkeit) Informationen gegenübergestellt - und nach definierten Kriterien gewichtet. Im Wesentlichen geht es dabei um die „Kapitaldienstfähigkeit“, also die Fähigkeit, aus eigener Ertragskraft auch künftig Zins und Tilgung zu den vereinbarten Zeitpunkten aufbringen zu können.

Diese Positiv-und Negativinformationen fließen in Ratingklassen ein, denen statistische „Ausfallwahrscheinlichkeiten“ zugeordnet sind. Diese Rating- oder auch Scoreklassen sind es, die letztlich über den „Preis“ Ihrer Finanzierung bestimmen. Warum ist das so? Weil seit „Basel II“ sowohl Banken wie auch Leasing- und Factoringinstitute (letztere seit 1.1.2009) zahlreiche Vorschriften zur Risikovorsorge verbindlich zu beachten haben. Finanzierungsinstitute müssen ausgereichte Finanzierungen mit Eigenkapital (EK) unterlegen, welches direkt mit der Bonität des Kunden verknüpft ist. Salopp ausgedrückt heißt das: hohes Risiko = hohe EK- Bindung, niedriges Risiko dagegen geringe EK- Bindung. Es gilt zugleich: Hohe EK- Bindung = hoher Risikoaufschlag = höherer Preis (Zins). Genau aus diesem Grund haben gute Kunden bessere Konditionen als angeschlagene Unternehmen. Bei Interesse googeln Sie im Internet einfach mal die Schlagwörter „Kreditwesengesetz (KWG)“ oder auch „Mindestanforderungen an das Risikomanagement (MaRisk)“: und Sie sehen das Wirtschaftsleben mit der „Bankerbrille“. Eine völlig neue Sichtweise wird sich Ihnen auftun.

Informationen schaden nur dem, der keine hat (oder gibt)

Wichtigster Tipp für ein besseres Rating: Information! Erklären Sie Ihrem „Banker“ (oder Bankerin), was Sie genau tun. Und vor allem: wie Sie es tun. Erklären Sie Ihr Branchenumfeld und Ihre Wettbewerbssituation. Stellen Sie Ihre Stärken und Schwächen sowie Chancen und Risiken (letztere können Sie persönlich kaum beeinflussen) dar. Planen Sie konservativ – „Schaumschläger“ sind im Finanzierungsbereich schnell enttarnt und nicht gern gesehen! Lieber vorsichtig- konservativ planen und die Ziele (über)erfüllen als Millionenumsätze planen und dann mit einem dicken Minus das Jahr beenden. Wenn sich Ihr Marktumfeld verändert: passen Sie unbedingt Ihre Planung an! Das gilt im positiven wie im negativen Sinne.

Erläutern Sie Ihrem Banker solche Anpassungen. Werfen Sie ihm (bildlich gesprochen) nicht einmal im Jahr die nackte, unkommentierte BWA vor die Füße. Was soll der arme Kerl damit machen? Erläutern Sie in einem kurzen Textteil die volkswirtschaftliche Lage Ihrer Branche (dafür ist Ihr Branchenverband oder die IHK sehr hilfreich), die Lage Ihres Unternehmens innerhalb Ihrer Branche und welche Maßnahmen (z.B. Umsatzausweitung durch Neukundenakquise oder Kosteneinsparung durch Outsourcing) Sie als Unternehmer planen, um trotz veränderten Marktumfeldes Ihre, ggf. neu definierten, Ziele zu erreichen. Sie sind zu sehr im operativen Bereich eingebunden? Dann lohnt es sich, einen guten Steuer- oder Unternehmensberater für diese Aufgabe einzubinden.

Das Wort Kredit kommt vom lateinischen „credere“, zu deutsch: glauben. Wie soll Ihr Banker an Sie glauben, wenn er nicht einmal weiß, wie Ihre Zahlen zustande kommen? Erklären es ihm! Sie haben damit die Chance, mit Ihrem Banker in´s Gespräch zu kommen. Fragen Sie ihn dabei auch, wie die Bank Sie und Ihr Unternehmen (beachten Sie bitte das Wort „und“!) beurteilt. Nur so können Sie herausfinden, wo bei Ihnen - nach Meinung Ihrer Bank - Defizite bestehen, die das Rating verschlechtern. Denn nur dann können Sie diese Defizite (so sie tatsächlich bestehen) auch aktiv beseitigen oder durch Zusatzinformationen etwaige Fehlinterpretationen auf Bankerseite aus der Welt schaffen.

Was kann ich selbst für ein besseres Rating tun?

Erstens sollten Sie folgende „harten Negativmerkmale“ unbedingt vermeiden: Rück- Lastschriften oder –schecks, ungenehmigte Überziehung Ihrer genehmigten oder auch nur geduldeten Kontokorrentlinien, Zwangsvollstreckungsmaßnahmen wie Kontopfändung, Limitstreichungen oder ähnliches. Ein funktionsfähiges Controlling setzt hier frühzeitig Warnschilder, so dass der Unternehmer schon vor Eintritt der Negativmerkmale reagieren kann - und muss.

Zweitens sollten Sie Ihr Bilanzrating optimieren. Was heißt das? Banken und andere Finanzierer bilden diverse Kennziffern für Ihr Unternehmen, mit denen Sie an Branchenwerten (als so genannte „Benchmark“) gemessen werden. Weichen Sie davon negativ ab, sollten Sie dafür plausible Erklärungen liefern (können). Eine der wichtigsten Kennziffern ist die EK- Quote, bei der das Eigenkapital (EK) ins Verhältnis zur Bilanzsumme (EK : BS) gestellt wird.

Die EK-Quote können Sie verbessern, wenn Sie zum Beispiel Gewinne thesaurieren. Also diese nicht entnehmen, sondern im Unternehmen belassen. Der zweite erfolgreiche Weg ist die so genannte „Bilanzverkürzung“. Ein typisches Beispiel dafür ist Factoring. Dabei verkaufen Sie Ihre Forderungen an ein Factoringinstitut (Factor), so dass diese nicht mehr auf der Aktivseite Ihrer Bilanz erscheinen. Ihre Bilanzsumme verkürzt sich. Selbst wenn das Eigenkapital unverändert bleibt, verbessert sich zwangsläufig die EK- Quote. Positiver Nebeneffekt: statt statischer Offener Posten haben Sie mit Factoring frisches Geld in der Kasse. Planbar, weil sofort nach Rechnungsstellung. Ihren Banker und auch Ihre Lieferanten wird das freuen.

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