Der freie Fall des M&A Marktes ist beendet

ma groß.jpg

Die Finanzkrise hatte den M&A Markt in den Jahren 2008/2009 voll erwischt. Hier wirkten sich knappe Finanzierungsmöglichkeiten aufgrund der zurückhaltenden Kreditvergabe der Banken, Umsatzrückgänge bei Unternehmen, die zu sinkenden Kaufpreisen führten sowie die anhaltende Unsicherheit über die Erholung der Wirtschaft stark aus. Genannte Konstellationen waren seit Mitte 2008 Schuld am rückläufigen Volumen des M&A Marktes. Ende 2009 kam die Kehrtwende:

 

2010 – Die Erholung setzt sich fort

Die im zweiten Halbjahr 2009 eingesetzte Markterholung setzt sich laut BVK fort. Gemäß der vierteljährlichen BVK-Statistik beliefen sich die Private Equity Investitionen im 1. Quartal 2010 in deutsche Unternehmen auf 1.285 Mio. Euro. Damit blieben die Investitionen gegenüber dem Vorquartal (1.258 Mio. Euro) zwar praktisch unverändert, jedoch zeigt ein Vergleich mit dem 1. Quartal 2009 fast eine Vervierfachung (1.Q. 2009: 346 Mio. Euro). Deutsche Beteiligungsgesellschaften investierten dabei 721 Mio. Euro. Ein großer Anteil der Investitionen entfiel dabei mit 30 % auf Minderheitsbeteiligungen im Rahmen von Replacement-Finanzierungen.

Eine Analyse der Gesamtinvestitionen nach Branchen zeigt, dass etwa die Hälfte in Unternehmen aus dem Bereich der Kommunikationstechnologie investiert wurde. Es folgte mit 29 % die Branche Konsumgüter/Handel. Alle weiteren Branchen erreichten nur einstellige Anteile. Eine Auswertung nach geographischer Verteilung belegt, dass die größten Anteile auf die Bundesländer Berlin (45 %), Baden-Württemberg (32 %), und Bayern (11 %) entfielen. Bezogen auf die Anzahl der finanzierten Unternehmen lag Bayern mit 85 Unternehmen an der Spitze vor Baden-Württemberg (46) und Nordrhein-Westfalen (36). Noch sind die Auswirkungen der Finanz- und Wirtschaftskrise nicht vollständig überwunden, aber der Markt zeigt klare positive Tendenzen. Abschließend erfolgt eine Analyse von Markt-Multiples unterschiedlicher Branchen. Multiplikatoren werden häufig für eine Kurzbewertung von Unternehmen herangezogen.

 

Die Entwicklung der Multiples in der Finanzkrise nach Branchen

Die Finanzkrise hatte deutliche Spuren an den Multiplikatoren hinterlassen. Die Unternehmenswerte für das Segment Mid- und Largecap (Unternehmen mit mehr als 50 Mio. Euro Jahresumsatz), gemessen auf Basis des durchschnittlichen EBIT Multiplikators (Quelle: Finance Magazin, EBIT-Multiples Mid- and Largecap) für deutsche Mid- und Largecaps sind besonders zu Beginn der Finanzkrise extrem eingebrochen. Eine Analyse des Zeitraumes zwischen Oktober 2007 und Mai 2008 zeigt, dass nach Bekanntwerden von Millionenabschreibungen der Banken wegen fauler Kredite, im Oktober 2007 ein dramatischer Absturz der Multiplikatoren folgte. Zu diesem Zeitpunkt gab es Einbußen von bis zu 1,5 Punkten. Das entspricht einer Absenkung des Bewertungsvielfachen von fast 20 %. Der Anstieg der Multiplikatoren im März 2008 und November 2008 kann, mit der Zuversicht am Markt ausgelöst, durch die bis dahin größten Konjunkturprogramme aller Zeiten in den USA, Europa und Asien in Verbindung gebracht werden. Die Wirkungen blieben allerdings hinter den Erwartungen zurück, was zu einem erneuten Einbruch in der Wirtschaft und somit auch der Multiplikatoren führte.

Nach dem ersten Tiefpunkt der meisten Branchen im Februar 2008 entwickelten sich in 2009 die EBIT Multiplikatoren der Nahrungs- und Genussmittelbranche sowie Textil- und Bekleidungsbranche weiter negativ. Hier sind Bewertungsabschläge von 18 % zu verzeichnen. 0,7 Punkte sank der Bewertungsfaktor alleine seit Beginn 2009 im Nahrungs- und Genussmittelbereich. Der Bereich Chemie liegt heute bei 7,25 Punkten, was immer noch ein Minus von -13,17 % bedeutet.

Quelle: Eigene Darstellung in Anlehnung an Finance Magazin

 

In den Branchen Pharma, Maschinen- und Anlagenbau, Elektrotechnik und Kommunikation/IT gab es stark volatile EBIT-Multiplikatoren. Jedoch zeigen Analysen, dass auch in diesen Branchen eine Erholung der Multiplikatoren eingesetzt hat.

Quelle: Eigene Darstellung in Anlehnung an Finance Magazin

 

Das Dilemma zwischen Preis- und Wertvorstellung

Erfreulich ist, dass die Multiples und damit die Kaufpreise von Unternehmen wieder steigen. Jedoch bleibt die größte Herausforderung bei einer Transaktion die Bestimmung des Unternehmenswertes. Seit der Wirtschaftskrise hat die Unsicherheit in Bezug auf die Unternehmensplanung weiter zugenommen. Unterschiedliche Einschätzungen in puncto Unternehmensentwicklung, Wachstumsraten, Investitions-politik, aber auch Alter des Veräußerers, strategischer Fit, Risikobereitschaft des Erwerbers spielen in die Höhe des Multiples mit hinein. Oft überschätzt der Verkäufer den Wert seines Unternehmens. Vergangene Marktvorsprünge und damit erzielte hohe Margen bleiben bei der Bestimmung des Unternehmenswertes meist unberücksichtigt. Sie dienen lediglich der Plausibilisierung der Unternehmensplanung. Ein weiterer wichtiger Faktor ist zudem die Unternehmensgröße: Unternehmen mit einem Umsatz > 100 Mio. EUR sind in der Regel um 20 % teurer als kleine Unternehmen. Es zeigt sich, dass die Ermittlung des Kaufpreises eine sensible Angelegenheit ist und bleiben wird. Verhandlungsgeschick und eine vorher definierte Strategie sind entscheidend, um zum Ziel zu kommen.

Artikel weiterempfehlen»

Kommentare

Kommentar schreiben