Der Mittelstand - eine sichere Kapitalanlage in Zeiten der Krise!?

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Interview von Ralf Baumeister mit Karl Preis, Aufsichtsrat,
Motus Mittelstandskapital GmbH

Vom Unternehmer zum Investor: Nachdem Karl Preis 1994 die Jumag Dampferzeuger GmbH gekauft und 14 Jahre erfolgreich geführt hatte, beschloss er 2007 den Verkauf. Einen Teil des Erlöses stellt er nun gemeinsam mit Motus Mittelstandskapital anderen Unternehmern in Form von Mezzanine Kapital zur Verfügung. Im Interview spricht er über seinen „Seitenwechsel“ und die Vorteile von Mezzanine aus Unternehmerhand.

Herr Preis, wie sind Sie auf die Idee gekommen, als Mezzanine-Geber tätig zu werden?

Als ich seinerzeit Jumag kaufte, kam ich mit den verschiedensten Finanzierungsarten in Berührung und habe damals selbst auf eine Teilfinanzierung durch die MBG Stuttgart gesetzt. Bei allen Finanzierungsrunden habe ich aber eines festgestellt: wenn man alles durch eine Institution finanzieren lässt, hat das auch Nachteile: Jährliches Rating von den Banken kann schnell zu Verteuerungen oder Komplikationen führen. Häufig fehlt die Transparenz, z.B. entstehen Zusatzkosten für Prüfungen, Abwicklungen und Bereitstellung der Kredite. Und: in der Regel können Banken auch kein zusätzliches Know–How und keine Erfahrungen und Netzwerke bieten. Beim Verkauf meines Unternehmens kam die Idee, mit meinen Erfahrungen Mezzanine-Kapital für Mittelständler ohne diese Komplikationen anzubieten.

Mit Mezzanine vergeben Sie Risikokapital. Welche Anforderungen stellen Sie an die Unternehmer, denen Sie ihr Geld geben?

Wir sind mehrere Investoren, die mit der Motus Mittelstandskapital GmbH ein Unternehmen zur Vergabe von Mezzanine - wir nennen es „stilles Eigenkapital“ - gegründet haben. Das heißt, wir stellen der Motus finanzielle Mittel für eine wachsende Zahl von Engagements zur Verfügung. Gleichzeitig lerne ich die kapitalsuchenden Unternehmer oft direkt kennen und kann mir ein Bild machen, wofür die Finanzmittel eingesetzt werden. Wir investieren zwischen 0,5 und 5,0 Mio. Euro in solide Unternehmen mit langjähriger Firmenhistorie und stabilem Cashflow sowie in Unternehmerpersönlichkeiten (MBO-/MBI-Kandidaten), die ein solches Unternehmen im Rahmen einer Nachfolgeregelung erwerben wollen.

Welche Vorteile bieten Mezzanine-Angebote aus der Hand eines Unternehmers?

Wer Mezzanine in Anspruch nimmt, bleibt Herr im eigenen Haus. Aber man kann auf den externen Rat erfahrener Unternehmer zurückgreifen; gerade was die geordnete Unternehmensnachfolge betrifft. Unser Genussrechtskapital ist echtes Eigenkapital nach HGB, es sind keinerlei Sicherheiten oder Bürgschaften erforderlich. Wir haben absolut gleichgerichtete Interessen: durch unsere gewinnabhängige Verzinsung streben wir eine nachhaltig gute Unternehmensentwicklung an. Kommt es doch einmal zu einer Krise, nimmt unser Kapital am Verlust teil, und es steht ein reichhaltiges Managementwissen bereit, um den Karren wieder flott zu machen. Banken bekommen da meist kalte Füße.

Warum empfehlen Sie Unternehmern, die verkauft haben, das Geld wieder in mittelständische Unternehmen zu investieren?

Sinnvoll ist eine Risikostreuung des erzielten Kaufpreises in verschiedene Assetklassen, am besten in solche, von denen man selbst etwas versteht. Die Investition in ein Portfolio renditeträchtiger, mittelständischer Unternehmen ist sicherlich für ehemalige Unternehmer besser als nur eine Anlage in Festgeld und Wertpapiere. Was mich betrifft: eine Anlage in Festgeld zu 2 bis 5 % wäre mir zu langweilig, hätte zuwenig Rendite und ist ja heute auch nicht mehr ohne Risiko. Ich denke, mit einer guten Streuung und der Anlage von einem Teil des Kaufpreises in Mezzanine kann ich den Lebensabend für meine Familie und mich finanzieren, etwas für den Mittelstand tun und dabei sogar noch Spaß haben.

Herr Preis, vielen Dank für das Gespräch.

 

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