Der Markt für Kreditversicherung 2010 - Aktuelle Entwicklungen der Risiko- und Marktsituation

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Die Risikosituation

Die Folgen der weltweiten Immobilien- und Finanzmarktkrise sind in den beiden vergangenen Jahren unmittelbar auf die Realwirtschaft durchgeschlagen. Der Konjunkturabschwung war beispiellos in der deutschen Nachkriegsgeschichte. In Folge des Exporteinbruchs rutschte die deutsche Wirtschaft in die Rezession, die binnen- und weltwirtschaftlichen Risiken nahmen zu. In der Rezession stieg auch die Zahl der Unternehmensinsolvenzen an. In dieser Situation leiden nicht nur die Unternehmenslenker und Mitarbeiter, sondern auch die Lieferanten. Es ist im Handel üblich, dass Waren und Dienstleistungen nicht sofort bezahlt werden. Der Lieferant muss seinem Kunden immer längere Zahlungsziele einräumen, um die Geschäftsverbindungen aufrecht zu erhalten. Tritt die Zahlungsunfähigkeit beim Kunden ein, verlieren die Lieferanten in der Regel das ausstehende Geld und erleiden einen Forderungsausfall. Der Eigentumsvorbehalt schützt dabei leider in den seltensten Fällen, da ein direktes Zugriffsrecht im Normalfall nicht besteht und das Zurückholen der eigenen Waren meist an rechtlichen Fragestellungen scheitert.

Die Finanzkrise war und ist auch eine Vertrauenskrise. Im selben Maß wie der Finanzkredit an Wert verliert, steigt die Bedeutung des Real- oder Warenkredits. Was ist nun zu tun, wenn auch dieser immer stärker ausfallgefährdet ist? Die Zahlen sprechen leider eine eindeutige Sprache:

Die Anzahl der Firmenkonkurse in Westeuropa ist 2009 um knapp 22 % gestiegen. In den EU-Staaten -15 % (inkl. Norwegen und Schweiz) mussten rund 185.000 Unternehmen Insolvenz anmelden. 2008 wurden noch 152.000 Insolvenzen registriert. Die Insolvenzschäden für die deutsche Volkswirtschaft beliefen sich 2009 auf 48,6 Mrd. Euro. Damit lag das Schadenniveau um 19,6 Mrd. Euro oder 67,6 % über dem des Vorjahres (29,0 Mrd. Euro). Pro Insolvenzfall sind Ø 1,1 Mio. Euro an Forderungen ausstehend (Vorjahr: 710.000 Euro). Den Großteil des Geldes werden die Gläubiger wohl abschreiben müssen. Auch wenn die Zahlen im 1. HJ 2010 v.a. in Deutschland besser aussehen, das Risiko bleibt hoch.

Der Markt für Kreditversicherung

Der Kreditversicherungsmarkt ist in Bewegung. Nachdem im Gefolge der Krise einige Marktanbieter ihre Limitzeichnungen in bestimmten Branchen z.T. deutlich reduziert hatten, gerieten auch die Kreditversicherer – ob zu Recht oder zu Unrecht, würde an dieser Stelle zu weit führen – stark in die öffentliche Kritik. Sogar der Staat hat ein eigenes Kreditversicherungsangebot bereitgestellt, die staatliche TOP-UP COVER. Diese konnte sich allerdings bislang am Markt nicht durchsetzten und läuft Ende 2010 aus.

Die steigenden Risiken im globalen Handel und die gleichzeitige Zunahme der Nachfrage nach Warenkrediten macht deren Absicherung für viele Lieferanten wieder unumgängliche. Auf der anderen Seite stiegen die Prämien analog zu den Schäden, sowie den sich verknappenden Rückversicherungs- und Refinanzierungsmöglichkeiten.

Rund 40.000 Unternehmen haben in Deutschland eine Warenkreditversicherung abgeschlossen. Das versicherte Handelsvolumen der Delkredereversicherung im Inland betrug 2008 rund 286 Mrd. Euro, immerhin eine Steigerung gegenüber dem Vorjahr i. H. von 6,7 %. Im Wesentlichen teilen sich fünf Anbieter den deutschen Markt: Euler Hermes, Atradius, Coface, Zurich und die R+V. Zusätzlich ist seit rund einem Jahr die Delcredere NV, eine Niederlassung der Ducroire Delcredere mit Sitz in Brüssel auf dem deutschen Markt aktiv.

Was kann der Lieferant tun, wenn er für einen Kunden keine Deckung erhält?

Verschlechtert sich die Bonität eines Abnehmers deutlich, so hebt der Versicherer die Absicherung für künftige Lieferungen und Leistungen auf, oder kürzt diese, oder erhöht den Selbstbehalt. Die bis zu diesem Zeitpunkt erfolgten Lieferungen mit Zahlungsziel bleiben dabei unverändert versichert.

Doch was ist nun zu tun? Als Erstes ist es wichtig, dass damit der Kreditversicherer seine Aufgabe als Bonitätsprüfer und –überwacher gerecht wird. Schadensminimierung ist auch im Sinne jedes Lieferanten. Denn der Versicherte trägt i. d. R. einen Selbstbehalt im Schadenfall in Höhe von 20-30 %. Mit diesem Frühwarnsystem warnt der Kreditversicherer somit seine Kunden und bewahrt sie im schlimmsten Fall vor einer Folgeinsolvenz. Das bedeutet, der Lieferant sollte in einer derartigen Situation nicht leichtfertig ins Eigenrisiko gehen. Stattdessen ist es ratsam, mit seinem Kunden den offenen Kontakt zu gehen und ihn auf die Situation hinzuweisen. Fehlen dem Kreditversicherer evtl. Unterlagen zu Einschätzung der Bonität des Abnehmers, so kann das schnell behoben werden. Ein anderer Fall ist es, wenn die Liquidität des Kunden tatsächlich angespannt ist. In diesem Fall ist es angebracht, nicht mehr auf Ziel zu liefern, oder sich alternative Sicherheiten geben zu lassen.

Wem die Prämien für eine Forderungsabsicherung aktuell zu hoch erscheinen, der benötigt starke Nerven. Denn die Insolvenzen sind ein sogenannter nachgelagerter Indikator, will heißen: auch für 2010 wird in Deutschland mit ähnlich hohen Schadensaufwendungen wie 2008 (48,6 Mrd. Euro) gerechnet, zudem wird ein Anstieg auf rund 40.000 Unternehmensinsolvenzen prognostiziert.

Zwar bieten viele Anbieter Lösungen rund um das Thema Debitorenmanagement (von der Firmenauskunft über EDV-basierende Ratingsysteme bis hin zur Inkassodienstleistung), aber das letztendliche Ausfallrisiko übernehmen nur die Kreditversicherer in ihre Bücher und machen somit viele Geschäfte, gerade im internationalen Bereich, erst möglich. Wird zudem eine Finanzierunglösung benötigt, bieten sich die Themen Factoring oder Finetrading an.

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