Crowdfunding – Startup-Finanzierung durch die Masse

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In Deutschland gab es bisher keine Möglichkeit, sich unmittelbar mit kleinen Beiträgen an erfolgversprechenden Startups zu beteiligen. Andererseits haben es gute Geschäftskonzepte hierzulande nicht selten schwer, die richtigen Kapitalgeber zu finden. Die junge Business Angels Kultur ist stark ausbaufähig und die Anzahl der aktiven Venture Capital Gesellschaften eher sehr überschaubar.

Vor diesem Hintergrund wurde das Konzept zu Seedmatch entwickelt - eine Crowdfunding-Plattform für Startups. Beim Crowdfunding für Startups entscheidet die Crowd - eine Vielzahl von Menschen - mit kleinen Beträgen, ob ein Unternehmen das benötigte Kapital erhält, um sich weiterzuentwickeln. Somit hat jeder die Chance ein bisschen mitzuentscheiden, welche Produkte bzw. Dienstleistungen den Weg in den Markt finden und diesen gestalten.

So funktioniert Crowdfunding für Startups

Startups haben auf der Online-Plattform 60 Tage Zeit, genügend Menschen von ihrer Geschäftsidee zu überzeugen, so dass mit deren einzelnen Investments ein festgelegter Kapitalbedarf erreicht bzw. überschritten wird. Nur dann erhalten die jungen Unternehmen das benötigte Kapital, um sich weiterzuentwickeln. Ist die Finanzierung nicht erfolgreich, d.h. wird der Kapitalbedarf nicht innerhalb des festgelegten Zeitraums erreicht, bekommen die Investoren ihr Geld zurück.

Screenshot: Übersicht der Startups

Um die Nutzer der Plattform für ein Investment zu begeistern, stellen die Gründer ihre Geschäftsidee in einem kurzen Video vor und präsentieren ihren Business- sowie Finanzplan. Kann das Konzept des Startups überzeugen, sind Investitionen ab 250 Euro möglich. Die Investoren stellen dafür ihr Investment-Portfolio individuell zusammen. Zudem kommen diese direkt in Kontakt mit den Gründern und können später auch mitverfolgen, wie sich das Startup und somit ihr Investment entwickelt und wächst.

Dazu erhalten die Investoren nach dem erfolgreichen Funding quartalsweise Reportings von den Startups. Darin informieren die Unternehmen über aktuelle Entwicklungen und die erreichten Meilensteine. Zudem bekommen die Investoren am Ende jedes Geschäftsjahres den Jahresabschluss zugesendet.

Generell haben die Startups die Chance, den ständigen Dialog mit den Investoren zu suchen und sich mit ihnen auszutauschen. Dazu können neben den eigenen (Social Media)-Kanälen auch ein Investor Relations-Bereich als One-to-many-Kanal genutzt werden.

Der Vorteil der Masse

Anders als bei den klassischen Business Angels und Venture Capital Gesellschaften erhalten Startups beim Crowdfunding neben dem benötigten Kapital auch eine Vielzahl an Unterstützern. Der Vorteil liegt in diesem Fall nicht in den Erfahrungen und Netzwerken einzelner Personen, sondern in einer starken Crowd: Die Investoren werden zu Multiplikatoren, wenn sie in ihrem sozialen Umfeld über das Jungunternehmen und dessen Produkte berichten. Die damit erzeugte Aufmerksamkeit erhöht den Bekanntheitsgrad und bietet den Startups einen Wettbewerbsvorteil, den es ohne Crowdfunding nicht gehabt hätte. Sind die Mikroinvestoren zudem zufrieden mit den Produkten des Startups, können diese auch zu Markenbotschaftern werden.

Grafik: Multiplikatorwirkung der Masse

Form der Beteiligung

Die Investoren erwerben stille Beteiligungen an den jeweiligen Startups. Diese Form der Beteiligung bedarf keiner notariellen Beurkundung, so dass eine stille Beteiligung jederzeit online und individuell abgeschlossen werden kann. Stille Beteiligungen haben zudem festgelegte Mindestlaufzeiten. Sind diese abgelaufen, kann als erstes der Investor und etwas später auch das Startup die Beteiligung kündigen.

Exit

Je nach Unternehmen liegen die Mindestlaufzeiten der stillen Beteiligungen zwischen drei und sieben Jahren. Danach können die Mikroinvestoren ihre Beteiligungen jährlich kündigen. Für den Exit wird jeweils eine Bewertung des Startups vorgenommen. Die Investoren bekommen entsprechend ihrer Beteiligungsquote den jeweiligen Anteil am Ergebnis (EBIT) der Steuerbilanz des letzten abgeschlossenen Geschäftsjahres multipliziert mit sechs. Dieser wird mit dem Saldo des Einlage-, Gewinn- und Verlustkontos des stillen Gesellschafters verrechnet.

Unternehmensbewertung

Auf Basis der Unternehmensbewertung erwirbt der Mikroinvestor einen Anteil an dem Startup. Entsprechend dieses Anteils partizipiert er langfristig an den jährlichen Gewinnausschüttungen und am Unternehmenswertzuwachs. Die dem Funding zugrunde liegende Unternehmensbewertung wird dabei – vereinfacht ausgedrückt - von dem Entwicklungspotential des Startups und der Renditeerwartung eines Investors abgeleitet. Dazu braucht man einen Finanzplan für mehrere Jahre, der mit realistischen Annahmen erstellt wurde. So kann man den rechnerischen Exiterlös, der bei Beendigung der stillen Beteiligung fällig würde, ermitteln. Dieser Exiterlös wird ins Verhältnis zu der dem Funding zugrunde liegenden aktuellen Unternehmensbewertung gesetzt, woraus sich eine gute Renditechance ergeben sollte. Es wird Wert darauf gelegt, Startups mit realistischen und nicht mit überzogenen Bewertungen auf der Plattform einzustellen, damit die Projekte für die Investoren attraktiv sind.

Anforderungen an Startups

Als erstes muss das Startups eine Geschäftsidee vorweisen können, die es schafft, eine Vielzahl von Menschen zu begeistern und zu überzeugen. Dabei ist es wichtig, dass die Gründer das Konzept in wenigen Sätzen erklären können und es auch für Menschen klar und verständlich ist, die sich zum ersten Mal mit den jeweiligen Produkten bzw. Dienstleistungen beschäftigen. Es muss auf einen Blick ersichtlich sein, welche Probleme der Kunden gelöst und welche Bedürfnisse befriedigt werden sowie welches Alleinstellungsmerkmal das Geschäftskonzept auszeichnet.

Generell empfehlen sich vor allem Startups, die eine offene, dialogorientierte und proaktive Kommunikationskultur haben. Die dadurch geschaffene Transparenz schafft nötiges Vertrauen für ein Investment. Der fokus liegt zudem vorerst auf B2C-Unternehmen aus den Branchen eBusiness, M-Commerce, Cleantech oder Social Business in der Seed- oder besser Startupphase. Ein fertig entwickeltes Produkt und erste Umsätze zeigen den potentiellen Investoren, dass das Konzept bereits funktioniert und geben ihnen die Möglichkeit das Produkt bereits zu „erleben“.

Motive der Investoren

Die Motive für ein Investment in Startups können sehr unterschiedlich sein. Für den einen ist es spannend ein Produkt zu unterstützen, was er selbst gern nutzen möchte oder was vielen Menschen im Alltag hilfreich ist. Andere wollen mehr mit ihrem Geld erreichen, profitieren von den Vergünstigungen als Investor und sind an den attraktiven Renditemöglichkeiten interessiert. Und wieder andere wollen genau sehen, was mit ihren Geld passiert. Letztlich kommen aber alle Investoren auf einen Nenner: Alle teilen die Begeisterung für gute Ideen und haben Spaß daran, engagierte Gründer zu unterstützen.

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