Bonitätsanalyse der Deutschen Bundesbank: So funktioniert's!

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Spätestens seit Basel II ist das Thema ‚Rating‘ für jedes Unternehmen fester Bestandteil eines Bankengesprächs. Leider sind unverändert nicht alle Banken bereit, ihre Ratinganalyse offen zu legen und transparent mit dem Kunden zu diskutieren.

Das Unternehmen weiß deshalb sehr oft nicht, welche Risikoeinstufung es erfährt und welche Weiterungen hinsichtlich Konditionen oder Portfoliodisposition der Banken sich ergeben können.

In diesem Zusammenhang ist die Bonitätsanalyse der Deutschen Bundesbank von großer Bedeutung.

Nicht zuletzt durch die Finanzkrise wurde deutlich, wie entscheidend die Refinanzierung der Geschäftsbanken durch die jeweiligen Notenbanken ist. Notenbanken können den Geschäftsbanken aber nur gegen Hinterlegung von Sicherheiten Liquidität zur Verfügung stellen. Gemäß dem einheitlichen Rahmen für notenbankfähige Sicherheiten können Banken auch Kreditforderungen an Unternehmen und wirtschaftlich Selbstständige als notenbankfähige Sicherheiten hinterlegen, sofern diese den hohen Bonitätsstandards der Notenbank entspricht.

Ziel der Bonitätsanalyse der Deutschen Bundesbank ist somit die Prüfung der Bonität von Schuldnern der von Kreditinstituten im Refinanzierungsgeschäft eingereichten Kreditforderungen sowie eine allgemeine nicht anlassbezogene Bonitätsanalyse.

Die Bundesbank hat zu diesem Zweck ein komplexes Ratingverfahren entwickelt, das neben quantitativen Daten (Jahresabschlüsse), qualitative Faktoren (Abhängigkeit von Marktpartnern, Liquidität, Rechtsform, Alter und Größe des Unternehmens etc.) und branchenspezifische Daten auf Basis einer komplexen Diskriminanzanalyse auswertet.

Die Bundesbankanalyse erfolgt in Form eines Daten- und Faktenblatts, das über drei ausgewertete Jahresabschlüsse Kennzahlen zu den wesentlichen Bonitätsparametern (z.B. Cash Flow, Rentabilität, Eigenkapital etc.) jeweils im Vergleich zur maßgeblichen Branche aufzeigt.

Das Bonitätsurteil umfasst 7 Stufen, die mittels einer Überleitungsmatrix in die international gängigen Notationen (z.B. BBB) „übersetzt“ werden kann; die Ratingstufen 1 bis 4 testieren die begehrte Notenbankfähigkeit.

Sofern die Anfrage zur Bonitätsanalyse direkt, d.h. nicht über ein Sicherheiten hinterlegendes Kreditinstitut erfolgt, werden nur das Unternehmen und der Berater über das Ergebnis informiert. Eine Klassifizierung als „nicht notenbankfähig“ kann somit nicht

fehlinterpretiert werden und keinesfalls kann daraus geschlossen werden, daß das Unternehmen nicht kreditwürdig sei.

Es ist hier grundsätzlich darauf hinzuweisen, daß die Methodik der internationalen Ratingagenturen nur sehr eingeschränkt auf den deutschen Mittelstand anwendbar ist. Dies bedeutet, daß bei einem – theoretischen – Rating durch z.B. Standard & Poors ein vollkommen anderes Ergebnis heraus kommen könnte. Wichtig ist aber die Aussage, daß die Deutsche Bundesbank Kreditforderungen von Unternehmen einer bestimmten Bonitätsstufe genauso behandelt wie z.B. Anleihen von Staaten oder Konzernen derselben Bonitätsstufe.

Was sind die Vorteile der Bonitätsanalyse der Deutschen Bundesbank?

Mit der Feststellung der Notenbankfähigkeit eines Unternehmens wird dessen Bonität, ausgedrückt durch das Rating, aus der objektiven Sicht der Deutschen Bundesbank beurteilt. Mit diesem Ergebnis wird die Kommunikation, z.B. gegenüber Banken, wesentlich vereinfacht und es besteht die Möglichkeit, die Ratingergebnisse der Banken dem Maßstab der Deutschen Bundesbank gegenüber zu stellen. Der Status der Notenbankfähigkeit kann in vielen Fällen auch dazu beitragen, die Konditionen der Hausbanken und das Standing des Unternehmens zu verbessern. Weiterhin ergibt sich durch den Branchenvergleich die Möglichkeit, die eigene Positionierung im Wettbewerb zu beurteilen.

Bei einer regelmäßigen Überprüfung des Ratings können Stärken ausgebaut sowie Schwachstellen erkannt und abgestellt werden, so daß das Rating auch ein internes Steuerungsinstrument darstellen kann.

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