Beteiligungskapital: Vielfältige Chancen abseits der Börse

Fachbericht Private Equity und Beteiligungen

Außerbörsliche Beteiligungen haben in den letzten Jahren auch in Deutschland eine ernst zu nehmende Dimension erreicht, wenn auch das erste Quartal 2009 aufgrund der Wirtschaftskrise einen starken Einbruch zu verzeichnen hat. Über 1 Mio. Beschäftigte arbeiten in über 6.000 Private Equity-finanzierten Unternehmen, welche häufig auch ein überdurchschnittliches Umsatzwachstum zu verzeichnen haben. Oftmals stößt der Begriff bei Kapital suchenden Unternehmern auf Ablehnung – und zwar völlig unbegründet: Es existieren zahlreiche interessante Lösungen, bei denen Unternehmer weder ihre Entscheidungsbefugnis noch ihre Mehrheitsbeteiligung aufgeben müssen - und Beteiligungskapital bietet weit mehr als lediglich einen Ersatz zum momentan schwieriger erhältlichen Bankkredit.

Begriffsklärung Beteiligungskapital

Bei Beteiligungskapital geht es um Finanzierungen, mit denen sich Investoren am Wert und Erfolg eines anderen Unternehmens beteiligen und einen bestimmten Anteil des Eigenkapitals stellen. Im Gegensatz zu Fremdkapital muss Beteiligungskapital nicht zurückgezahlt werden, sondern der Investor steigt in der Regel nach einem mittelfristigen Zeitraum wieder aus dem Unternehmen aus indem er seinen Anteil an einen anderen Käufer veräußert, z.B. einen anderen Gesellschafter oder eine andere Beteiligungsgesellschaft. Der Einstieg einer Beteiligungsgesellschaft eröffnet finanziellen Spielraum für Investitionen und erweist sich in den meisten Fällen als ein regelrechter Wachstumsmotor. Bei den allermeisten Gesellschaften ist der zeitliche Horizont des Engagements etwa fünf Jahre. Je nach Höhe der Beteiligung wird generell unterschieden in Mehrheits- oder Minderheitsbeteiligungen. Finanzierungsanlässe sind Start-up Finanzierungen, Buy-Outs oder Wachstumsfinanzierungen.

Buy-Out/Buy-In

Beim Management Buy-Out übernehmen das vorhandene Management oder Teile des Managements das Unternehmen, meist mit Kapital von Private Equity Unternehmen. Beim Management-Buy-In dagegen sind es entweder externe Manager, von denen die Initiative für den Kauf eines Unternehmens ausgeht, oder Eigenkapitalinvestoren, die ein externes Management einsetzen. Dabei muss unbedingt gesagt werden, dass spektakuläre Großtransaktionen nicht die Regel sind, sondern es sich meist um kleinvolumige Käufe von mittelständischen Unternehmen oder abgespaltenen Konzernteilen handelt. Beim Management-Buy-Out profitiert der Verkäufer sowohl von einer starken Verkürzung des Due Diligence Prozesses als auch von einer hohen Transaktions-Wahrscheinlichkeit. Immer öfter erwächst eine solche Idee auch im Zuge eines Nachfolgeproblems: Steht im familiengeführten Betrieb kein geeigneter Nachfolger bereit, ist die Übergabe der Geschäfte an ein internes oder externes Management eine Erfolg versprechende Option. Interessant für solche Transaktionen sind vor allem Unternehmen mit stabilem Cash-Flow und einem etabliertem Geschäftsgegenstand.

Carve-Out / Spin-Off

Carve-Out oder Spin-Off bedeutet das Herauslösen eines Unternehmensteils und ermöglicht dem Verkäufer, sich auf seine Kernkompetenzen zu konzentrieren. Eine innovative Anwendung hierfür ist auch die Verlagerung von Entwicklungsaktivitäten in VC-finanzierte start-ups, mit einer Rückkaufoption für den Verkäufer. Die Motivation für den Verkäufer ist häufig sein Glaube, dass ein Unternehmensbereich außerhalb des Konzernverbundes leistungsfähiger ist. Dadurch kann auf aktuelle Veränderungen im Marktumfeld angemessen reagiert werden. So können unrentable Randaktivitäten abgestoßen werden, was oft eine Stilllegung des kompletten Betriebs verhindert. Eine wirtschaftliche Zwangslage der Muttergesellschaft kann dadurch zur Chance werden. Es lässt sich nämlich feststellen, dass Unternehmen, die offen gegenüber solchen Spin-Offs sind, erfolgreicher als ihre Wettbewerber sind.

Owner-Buy-Out

Beim Owner-Buy-Out, einer Sonderform des Buy-Out, erwerben die oder der Eigentümer über eine Erwerbergesellschaft das eigene Unternehmen. Hierbei nimmt die Erwerbergesellschaft ein Darlehen auf, um den Kaufpreis oder Teile davon bezahlen zu können. Bei einer Variante verkauft der Eigentümer seine Geschäftsanteile – eventuell gestaffelt – an die Erwerbergesellschaft, die von einer Private Equity Gesellschaft beherrscht wird, und beteiligt sich nur mit einer Minderheit an der Erwerbergesellschaft. Dadurch partizipiert er weiter am Unternehmenserfolg und kann sich schrittweise aus dem Management verabschieden bzw. gewinnt Zeit bei der Suche nach einem geeigneten Nachfolger.

Private Equity

Private Equity Gesellschaften – Eigenkapital-Partner auf Zeit – erwerben Anteile an Unternehmen. Die Realität ist hier besser als der Ruf; denn nur ein gut aufgestelltes Unternehmen kann von der Private-Equity-Gesellschaft im Zuge des sogenannten Exits gewinnbringend verkauft werden. Dabei sind Minderheitsbeteiligungen, wodurch der Eigentümer die Stimmenmehrheit im Unternehmen behält – durchaus möglich. Der große Vorteil für Unternehmen ist, dass keine banküblichen Sicherheiten nötig sind und die Private Equity Manager sehr erfahren im Entwickeln von Unternehmen sind. In der Regel beraten Private Equity-Unternehmen die Unternehmen auch in wichtigen betriebswirtschaftlichen, strategischen und finanztechnischen Fragen. Da hier in der Regel Eigenkapital investiert wird, hat Private Equity Kapital gegenüber Bankdarlehen im Falle einer Insolvenz eine nachrangige Position und ermöglicht auch die weitere Fremdkapitalaufnahme. Die Bonität des Unternehmens wird durch die Aufnahme von Private Equity erhöht.

Mittelständische Beteiligungsgesellschaften

Mittelständische Beteiligungsgesellschaften (MBGs) stellen in Form einer Stillen Beteiligung - eigentlich auch eine Form von Mezzaninekapital - Geld zur Verfügung, das Banken wie Eigenmittel bewerten. MBGs sind einem Bundesland nahestehende Organisationen, deren Kapitalanlage die öffentliche Hand durch Bürgschaften und besondere Refinanzierungen absichert. Es werden sowohl stille als auch offene Beteiligungen angeboten, wobei in den letzten Jahren eine Tendenz zu mehr offenen Beteiligungen zu erkennen ist. Bei offenen Beteiligungen begnügen sich die MBGs in der Regel mit Minderheitsanteilen. Beteiligungen gibt es ab einem Betrag von 50.000 Euro bis zu 2,5 Millionen EURO. Am Ende der Laufzeit erfolgt die Rückzahlung der geleisteten Einlage.

Mezzanine

Diese Finanzierungsform ist eine Zwischenform von Eigen- und Fremdkapital. Durch seine Nachrangigkeit wird Mezzanine-Kapital von Banken ähnlich wie Eigenkapital bewertet.

Unternehmen müssen sich dafür jedoch abhängig vom Mezzanine Anbieter entweder einem Ratingprozess oder einer Due Diligence Prüfung unterwerfen.

Es gibt viele Ausgestaltungen von Mezzanine-Kapital. Die in den vergangenen Jahren beliebten Programm-Mezzanine-Angebote sind derzeit aufgrund der Refinanzierungsproblematik vom Markt fast verschwunden. Es gibt aber noch Anbieter, die individuelles Mezzanine-Kapital anbieten und in der Regel einen Prüfungsprozess ähnlich dem der Private Equity Gesellschaften durchführen.

Ausgestaltungshinweise

Bei Beteiligungsfinanzierungen ist das Hinzuziehen erfahrener Berater und Rechtsanwälte sehr zu empfehlen. Mitspracherechte, Sonderrechte im Verkaufsfall, Ausgestaltung der Geschäftsführerverträge, Beteiligungskonditionen, etc. sind sorgfältig zu optimieren und bergen langfristig hohes Konfliktpotenzial, wenn sie am Anfang nicht sorgfältig verhandelt und dokumentiert werden.

Mögliche Pluspunkte von Beteiligungskapital

  • Keine banküblichen Sicherheiten
  • Flexible Ausgestaltungsmöglichkeiten
  • Verbesserung der Eigenkapitalquote und des Ratings
  • Zugriff auf das Know-how und Netzwerk der Kapitalgeber
  • Beschleunigte Entwicklung des Unternehmens

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