Ausgewählte Aspekte eines Nachhaltigkeitscontrollings - Teil 1

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„Nachhaltiges Wirtschaften“ als Berücksichtigung ökologischer, ökonomischer und sozialer Aspekte im unternehmerischen Handeln ist mehr als ein verbreitetes Modewort: Nachhaltigkeit als integraler Bestandteil unternehmerischen Wirtschaftens ist der Schlüssel zu langfristigem Erfolg.

Häufig werden einzelne Aspekte in separaten Initiativen abgebildet. Sie finden aber keine Berücksichtigung in den Unternehmenszielen und der Strategie. Nachhaltigkeit und Kerngeschäft bleiben getrennte Säulen. Isolierten Maßnahmen haben als operative Aktionen durchaus Berechtigung, das Potenzial nachhaltigen Wirtschaftens können sie jedoch nicht ausschöpfen. Erst die Umwandlung nachhaltigen Wirtschaftens von der notwendigen Nebenbedingung zum Wertschöpfungs- und Innovationstreiber im Kerngeschäft macht das Engagement wirkungsvoll und zukunftsfähig. Sowohl für die Strategieentwicklung als auch in der operativen Umsetzung ist die Verknüpfung von Nachhaltigkeitsaspekten mit langfristigen Zielen und Unternehmenskultur entscheidend für die Akzeptanz und die Glaubwürdigkeit des unternehmerischen Engagements und damit für den Erfolg des Unternehmens.

Veränderungen an der Basis des Geschäftsmodells erfordern Anpassungen im Controlling, da hier die Steuerung erfolgt. Dies wird am Beispiel der XYZ AG, einem realen mittelständischen Unternehmen der Nahrungsmittelindustrie, gezeigt.

Die XYZ AG stellt Produkte aus der Veredlung von landwirtschaftlichen Erzeugnissen und der Weiterverarbeitung industrieller Vorprodukte her. Die Beschaffung erfolgt national und international. Lieferanten sind Landwirte, Zwischenhändler und produzierende Unternehmen. Ein Teil der Produkte wird als Privat Label und als Markenprodukte über den Lebensmitteleinzelhandel an Endkunden vertrieben. Ein anderer Teil als Rohstoffe an die weiterverarbeitende Industrie verschiedener Branchen geliefert. Die XYZ AG hatte 2009 einen Umsatz von circa 1 Mrd. € Umsatz. Sie ist mit Vertriebs- und Produktionsstandorten in Europa aktiv und dort auf den meisten Märkten unter den Top 3.

Zur Sicherung der weiteren positiven Geschäftsentwicklung will die XYZ AG Nachhaltigkeit als integralen Bestandteil des Kerngeschäfts implementieren und die wesentlichen Erfolgsfaktoren nachhaltigen Wirtschaftens konsequent umsetzen. Neben der intrinsischen Überzeugung, dass Nachhaltigkeit ein wichtiger Teil des Wirtschaftens ist, spielten spezifische Themen der Branche (Diskussionen um Herkunft der Rohstoffe – steigende qualitative Anforderungen – Diskussionen über die Gesundheit einzelner Nahrungsmittel oder deren Herstellungsverfahren) eine weitere wichtige Rolle. Letztendlich soll mit dem Thema „Nachhaltigkeit“ auch ein klarer messbarer monetärer Erfolg bei der XYZ AG erzielt werden.

Herausforderungen

Nachhaltigkeit als integraler Bestandteil des Wirtschaftens soll die XYZ AG in die Lage versetzen, ihre Potenziale zur Steigerung der langfristigen Wertschöpfung zu nutzen. Hierzu ist einerseits die Integration zu vollziehen und andererseits die Umsetzung operativ und strategisch zu steuern. Neben den traditionellen Herausforderungen an Management und Controlling ergeben sich folgende spezifische Themen.

Herausforderungen an das Management

Die langfristige Sicherung bzw. Steigerung des Unternehmenswerts ist eines der wichtigsten Aufgaben des Managements. Die wesentlichen Herausforderungen im Rahmen des wertorientierten Nachhaltigkeitsmanagement sind

  1. Formulierung einer nachhaltigkeitsorientierten Vision
  2. Ableitung entsprechender Leitlinien
  3. Entwicklung strategischer / operativer nachhaltigkeitsorientierter Ziele
  4. Herunterbrechen auf Unterziele und Ableitung konkreter Maßnahmen
  5. Aktive Einbeziehung aller Mitarbeiter des Unternehmens.

Herausforderungen an das Controlling

Durch die Integration der Nachhaltigkeit werden die Perspektiven erweitert. Neben der ökonomischen bedarf es auch der ökologischen und sozialen Betrachtungsweise. Die Aufgabe verändert sich auf dem Weg zum Nachhaltigkeitscontrolling nicht:

  • Strategisches Controlling: Versorgung mit geeigneten Methoden und steuerungsrelevanten Informationen in Hinblick auf die Unternehmensziele sowie die Koordination der strategischen Planung
  • Operativen Controlling: Sicherung der Wirtschaftlichkeit betrieblicher Prozesse, um die Schritte auf dem Weg zur Erreichung der Ziele sicherzustellen.

Entscheidende Herausforderung im Geschäftsmodell ist die Zusammenführung der Nachhaltigkeit und des Kerngeschäfts in einem integrierten Gesamtsystem. Daher ist die entscheidende Herausforderung in der Steuerung die Integration von Informationen aus dem Umwelt- / Sozialmanagement und Controlling für eine integrierte Informationsbasis sowie die zukunfts- und risikogerichtete Definition von Kennzahlen.

Nachhaltigkeitsbezogener Planungsprozess

Von der Vision zur Strategie

Kernaufgabe des Controllings ist die zielgerichtete zukunftsorientierte Steuerung. Ausgangspunkt hierfür sind nachhaltige Ziele, die bei der XYZ AG aus der Formulierung einer Vision abgeleitet werden. Mit der die Nachhaltigkeit integrierenden Vision gab sich die XYZ AG eine eindeutige kommunizierbare (Nachhaltigkeits-) Identität. Aussagen zur Umsetzung wurden als „Grundsätze der unternehmerischen Tätigkeit“ in Form von Leitlinien festgehalten. Aus der integrierten nachhaltigen Unternehmensvision und der darauf abgestimmten Leitlinie wurden die strategischen und operativen Ziele definiert.

Strategische Nachhaltigkeitsplanung

In der strategischen Planung der XYZ AG wird der Orientierungsrahmen für zukünftige Unternehmensmaßnahmen aufgespannt, um künftige Erfolgspotenziale zu erschließen und zu nutzen. Zur Ermittlung der Chancen und Risiken fand eine systematische Erfassung der Umfeldentwicklung statt. Ferner wurden Stärken und Schwächen der XYZ AG identifiziert und analysiert. Mit dem eigens entwickelten Sustainable Assessment for Enterprises (SAfE) wurden der Standort und die Potenziale bei der Integration der Nachhaltigkeitsthemen ermittelt. Aus diesem funktionsbereichsorientierten Test, der in Form von Workshops durchgeführt wird, ergibt sich ein spezifisches Nachhaltigkeitsprofil. Die Auswertung der verschiedenen Analysen war für die XYZ AG die Basis für die Entwicklung von Strategien zur Wahrnehmung der Chancen und Bewältigung der Risiken. Dabei entstanden die beiden strategische Stoßrichtungen Optimierung (Ressourceneinsatzes, Produktsortiment) und Neuentwicklung (Märkte, Geschäftsmodelle).

 

Lesen Sie in Kürze im Teil 2 mehr, u.a. zur Operativen Nachhaltigkeitsplanung und der Integration von Umwelt- und Sozialkosten.

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Kommentare

  • Hallo

    toller Artikel

    andreas Müller am 20.12.2010 18:15

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